„Unter Strom“ bei Daimler

Als ich den Anruf von Daimler bekam, konnte ich mir nicht vorstellen, was mich erwartete. Die Zusage für die Trainee-Stelle als Entwicklungs- und Forschungsingenieur im Bereich Hochvoltbatterie kam mir sehr entgegen, da ich mein Studium des Maschinenbaus auf alternative Antriebe ausgerichtet hatte. Und dann ging es los. Es war wie ein Startschuss: auf ein Mal kündigte ich bei meinem alten Arbeitgeber, packte meine Sachen zusammen und zog aus München nach Kirchheim unter Teck, 40 Kilometer südöstlich von Stuttgart.

Größenänderung$#BCC_C9415CFIn Kirchheim, in der kleinen Gemeinde Nabern, entdeckte ich den Daimler-Standort für alternative Antriebe. Meine Stelle als Trainee – übrigens mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag – begann ich in einer Abteilung, die Hochvoltbatterien für Hybrid- und Elektrofahrzeuge entwickelt und produziert. Die Batterieentwicklung hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und durch die Standarisierung der Lithium-Ionen-Technologie können nun nicht nur die technischen, sondern auch die wirtschaftlichen Anforderungen erfüllt werden, die den Einsatz von Hochleistungsbatterien im Automobilbereich ermöglichen. Nichtsdestoweniger gibt es noch ein deutliches Verbesserungspotential, um den Batteriebetrieb für PKW, LKW, Vans und Busse zu optimieren.

Das Thema meines ersten Projekts im Trainee-Programm war die Untersuchung von Ladeverfahren für Lithium-Ionen-Zellen bei tiefen Temperaturen, wodurch sich die Reichweite von Elektrofahrzeugen bzw. die CO2-Reduzierung bei Hybridfahrzeugen auch im kalten Winter erhöhen lässt. Dabei umfassten meine Aufgaben Theorie, Tests am Prüfstand und Simulationen am Computer. So verbrachte ich die ersten vier Monate im schönen Schwabenländle. Kirchheim ist eine schöne Stadt, aber ich mag lieber große Städte. Die nächste Station war Tokio.

Im September 2009 zog ich für drei Monate nach Japan und arbeitete beim asiatischen Marktführer FUSO, eine LKW-Tochtergesellschaft von Daimler. Im Global Hybrid Center am Standort Kawasaki entwickelte ich mit den japanischen Kollegen ein Hochvoltbatteriesystem für Hybrid-LKWs und kam dadurch in Kontakt mit verschiedenen Batteriezulieferern aus Asien. Das Tagesgeschäft in Japan war sehr intensiv und die Kommunikation mit Japanern lief wegen der fehlenden Sprachkenntnisse nicht immer reibungslos. Dabei konnte ich nicht nur viele neue technische Kenntnisse erwerben, sondern auch eine interkulturelle Projektarbeit erfolgreich abschließen. Außerdem lernte ich den Truck-Bereich von Daimler kennen. Jeder Trainee macht ein Cross-Divisionales Projekt außerhalb des Zielbereichs, sei es PKW, LKW, Vans, Busse oder Financial Services. Die Zeit in Japan war sehr spannend. Nach sehr langen Arbeitstagen erforschte ich mit anderen Trainees die vielfältige japanische Kultur, das leckere japanische Essen und den bizarren japanischen Lifestyle. Es war höchstwahrscheinlich das größte Highlight des Trainee Programms.

Nach diesem kleinen Abenteuer kam ich nach Deutschland zurück und schloss ein viermonatiges Projekt im Bereich Fahrzeugsimulation am Standort Sindelfingen ab. Durch die Simulationsergebnissse konnte ich Vorhersagen machen, wie sich die Fahrleistung und die Reichweite von Elektrofahrzeugen mit der Temperatur und der Alterung der Batterie verändern. Dafür benutzte ich die Batteriemodelle aus meinem Team in Nabern und pflegte die Kommunikationswege zwischen beiden Abteilungen. Außerdem lernte ich viele neue Kollegen aus den verschiedensten Abteilungen kennen und erweiterte somit zugleich mein Netzwerk.

Unbenannt-2Im CAReer Programm geht es aber nicht nur darum, Projekte in verschiedenen Abteilungen zu machen. Vielmehr soll jeder von den Trainees einen Überblick über das gesamte Unternehmen bekommen. Deshalb waren auch ein Niederlassungs- und ein Produktionseinsatz geplant. In der Niederlassung in Freiburg lernte ich, wie die Kunden unsere Marken wahrnehmen und was ihre Bedürfnisse und Anregungen beim Kaufen oder Reparieren ihrer Mercedes PKW und LKW sind. Eine Woche lang begleitete ich die Mitarbeiter von der Niederlassung, sei es im Verkauf, der Werkstatt oder im Zubehörbereich. Alle nahmen sich Zeit und erklärten mir die Details ihrer Aufgaben geduldig.

Die nächste Station war an der Produktionslinie, wo ich bei der Motorenendmontage für die S-Klasse und Maybach zwei Wochen lang mitarbeitete. Es war keine leichte Aufgabe, nicht nur wegen der Arbeitszeiten. Durch die Linie liefen über 20 verschiedene Motormodelle: Sechs- bis Zwölfzylinder, Benzin und Diesel, Allrad und Hinterantrieb, Manuell oder Automatik sowie Hybrid. Die größte Herausforderung war, keinen Arbeitsschritt zu vergessen und mit der gleichen Genauigkeit durchzuführen, selbst wenn man diesen schon hundertmal wiederholt hat. Und das alles, wenn man um halb fünf aufgestanden ist oder bis zehn Uhr abends arbeitet.

Das letzte Projekt des Trainee-Programms war Cross-Funktional, und ich arbeitete drei Monate im Produktmanagement vom smart electric drive. In einem kleinen aber fleißigen Team plante ich die Elektrofahrzeuge für Veranstaltungen in verschiedenen Ländern. Außerdem lernte ich, wie durch Workshops, Studien und in Abstimmung mit den Märkten die Ausstattung und Preise für ein Fahrzeug entschieden wird. Das ist im neu entstanden Markt für Elektroantrieb keine leichte Aufgabe.

Am Ende des CAReer-Programms bin ich zurück an meiner Stelle in Nabern als Batterieentwickler. Die erworbenen Kenntnisse und die schönen Erfahrungen vom Trainee-Programm nehme ich mit und werde weiter an meinem verstärkten Netzwerk arbeiten. So kann ich mit meinen Kollegen gemeinsam dazu beitragen, als umweltbewusster Ingenieur die Antriebssysteme der Zukunft von Daimler zu entwickeln und zu verwirklichen.


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