Praktikanten und Legenden der Automobilgeschichte

Zu Beginn muss ich gestehen: Vom Rennsport habe ich keine Ahnung. Aus diesem Grund kamen mir auch die meisten Namen, die in der Einladung zu einer „exklusiven Signieraktion mit historischen Persönlichkeiten der Automobilgeschichte“ aufgelistet waren, nicht wirklich bekannt vor. Ich muss aber sofort an meinen Motorsport-begeisterten Onkel denken, der sich über Autogramme sicher freuen würde. Und so verabrede ich mich mit den anderen Praktikanten vom Flur zur gemeinsamen Autogrammjagd im Mercedes-Benz Museum.

Dass ich ein bisschen spät dran bin, hat in diesem Fall einen erheblichen Vorteil: Die anderen Praktikanten haben sich mittlerweile in der Schlange schon ziemlich weit nach vorn gearbeitet und ich schummel mich einfach dazu.

Als ich ankomme, ist bereits eine fleißige Diskussion über die Personen im Gange, die ein paar Meter von uns entfernt zahllose Autogramme schreiben. Ich bin beruhigt – auch bei meinen Praktikanten-Kollegen tun sich so einige Wissenslücken in Sachen Rennsport auf. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die meisten der Anwesenden ihren Karrierehöhepunkt lange vor unserer Zeit hatten. Sofort erkannt haben wir aber natürlich Mika Häkkinen und da nur eine Frau anwesend ist, ist auch Jutta Benz, die Urenkelin von Carl Benz, schnell ausgemacht. Dann sind wir mit unserer Weisheit allerdings schon am Ende, denn der Rest der Gesichter kommt uns nicht bekannt vor. Zum Glück kann man von Weitem die Namen auf den Autogramm-Karten lesen und dank Smart Phones sind auch die restlichen Herren bald identifiziert: Vor uns in der Schlange gibt Roland Asch, der laut Wikipedia bis 1994 DTM-Fahrer war, fleißig Autogramme. Ganz links am Tisch sitzt der Rallyefahrer Dieter Glemser, rechts daneben Hans Herrmann. Neben Jutta Benz hatte der Le Mans-Sieger Jochen Mass Platz genommen. Und zu guter Letzt – am Ende des Tisches – sitzt der zweifache Formel 1 Weltmeister Mika Häkkinen.

Der ältere Herr hinter uns kann über unser Unwissen nur müde lächeln. Und bei einem genaueren Blick wird klar: er ist ein Profi. In der Hand hält er ein dickes Autogramm-Buch, jede Seite sorgfältig beklebt mit Fotos, Zeitungsartikeln und Tickets von verschiedensten Rennen.
So vorbildlich vorbereitet sind wir nicht. Außer unseren Kameras haben wir nichts dabei. Zum Glück hat der Museums-Shop geöffnet und ich kann noch schnell ein passendes T-Shirt kaufen, auf dem die Unterschriften ihren Platz finden sollen.

Nach einigem Warten stehen wir am Tisch und bekommen unsere Autogramme. Mit einer unglaublichen Geduld lassen sich Frau Benz & Co. Namen buchstabieren, signieren Autogrammkarten, Bücher und Modellautos und lächeln in die Kameras. Und dann endlich ist es soweit: Wir stehen direkt vor der Formel 1 Legende aus Finnland: Gespannt beobachten wir, wie Mika Häkkinen seinen Stift ansetzt und seine geschwungene Unterschrift auf das T-Shirt und die Autogrammkarten setzt. Die Signaturen sind kleine Kunstwerke – sieht aus als hätte er Übung.

Wir sind mit unserer Ausbeute zufrieden, schlendern noch ein paar Minuten durch den Museums-Shop und sind uns einig: Das war einmal ein ungewöhnlicher Abschluss des Arbeitstages!

Mein Onkel hat sich über das T-Shirt übrigens sehr gefreut – und dass er alle Namen kannte, ist natürlich klar…


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