Auto oder Armani

Quoten hier, Quoten da! Weiblicher Fachkräftemangel in Unternehmen! Diese gerade „heiße“ Diskussion sorgte dafür, dass auch ich als „weibliche Fachkraft“ begann mir Fragen zu stellen. Wie geht es mir dabei in einer sogenannten Männerdomäne zu arbeiten? Habe ich Schwierigkeiten damit? Wie gehe ich damit um? Als ich mir diese Fragen bewusst zum ersten Mal stellte, kam erst mal grundsätzlich die Antwort: Keine Ahnung! Wie habe ich es überhaupt überstanden?

Lasst mich doch mal zurückgehen, wann hätte ich mich mit der Frage denn schon mal auseinander setzen sollen? Was hat mich überhaupt bewegt, mir als Frau einen Männerberuf auszusuchen? Auf jeden Fall nicht die momentan sehr guten Berufsaussichten. Es ging mir immer um meine Interessen. Wieso sollte ich einen Job machen, in dem ich nicht glücklich bin?

FraueninderProduktionSo fing alles an

Da ich mich gerne mit dem Aufbau von Dingen beschäftige und einen Mercedes-Benz 300SL toller finde als eine Handtasche von Armani, obwohl die auch schön und außerdem deutlich günstiger ist ;-), war die Entscheidung Fahrzeugtechnik zu studieren wirklich einfach.

Als ich dann am ersten Tag in den Hörsaal kam, war ich dann doch überrascht. Zwei Frauen und etwa 40 Männer?! Na das kann ja heiter werden. Oweia! Selbst für die Professoren war es eine Umgewöhnung: „ Oh, was für eine Überraschung. Wir haben diesmal sogar zwei Damen dabei.“

„Also meine Herren – Professor guckt suchend durch den Raum – ahhh und Dame…“ Meine Fehlzeiten waren noch nie so gering.

Meine Kommilitonen nahmen es bei weitem gelassener. Scherze lockerten immer die Stimmung auf: „Hey keine Witze gegen Blondinnen!“ – „Wieso? Du bist doch rothaarig.“ – „Nee, ist gefärbt. Ich lebe inkognito.“ – „Das erklärt so manches“ (Den Kürzeren zieht man eben auch mal ;-))

Mit Schlagfertigkeit in einer Männerdomäne

Sprüche gab es also schon damals. Meine Lösung: Ich entwickelte ein genauso großes Mundwerk wie meine männlichen Kollegen. Es hat mir in meinen Praxissemestern gut geholfen.

Unbekannt war ich nie, nicht während meiner Studienzeit und auch nicht während meiner Praktikumszeit. Bei meinen Praktika durfte ich feststellen, dass einige Mitarbeiter mich gerne mit Sätzen testeten, die genau darauf abzielten mich zu provozieren. Das war bei den männlichen Praktikanten genauso wie bei mir, bei mir eben nur gezielt auf mein „Frausein“. Sprüche wie: „Du als Frau musst doch multitaskingfähig sein…“ gab es zuhauf. Meine Antwort war meistens darauf: „Das ist ein Gerücht, wie alles andere. Ich kann nämlich bestimmt besser einparken als du.“

Das kam sogar gut an, denn die männlichen Kollegen wollten wissen, ob ich es auch in der „rauen“ Männerwelt schaffe. Auffällig war aber immer, dass gerade diese Kollegen und auch die ältere Generation immer sehr hilfsbereit waren. Ich habe nie Feindseligkeit oder Zurücksetzung gespürt, weil ich eine Frau bin. Die Kollegen waren sogar oftmals sehr neugierig, wie ich denn als Frau dazu gekommen bin Fahrzeugtechnik zu studieren oder wie es mit meiner Familienplanung aussehe. Manche Fragen waren sehr privat, aber entweder ich antwortete direkt oder ich wich charmant aus. Frau sein, hat ja auch seine Vorteile.

Ich habe meine eigene Art gefunden mit solchen Situationen umzugehen und ich versuche andere Richtungen einzuschlagen, wenn es die Situation erfordert. Dies ist aber immer abhängig von dem eigenen Charakter. Mein Weg hat sich für mich als gut herausgestellt. Allerdings habe ich mir vorgenommen, der Vorgabe „Als Frau musst du dich doppelt so sehr anstrengen, damit du es schaffst.“ nicht zu folgen. Ich bin davon nicht abhängig. Ich mache gute Arbeit! Punkt.

Nur eine Quotenfrau?

Mit männlichen Chefs habe ich nie ein Problem gehabt, bei Daimler ist Diversity sehr wichtig und ich werde genauso wie meine männlichen Kollegen behandelt. Die Thematik, eine Quotenfrau zu sein, wird aufkommen. Selbst ist es mir noch nicht passiert, aber ich habe es schon bei anderen Kolleginnen mitbekommen. Die Aussage: „ Du bist doch nur in dieser Abteilung wegen der Quote!“ – ist überhaupt nicht gerechtfertigt und wir sind definitiv die falschen Ansprechpartnerinnen. Diesen Unmut sollte der Betroffene stattdessen an seinen Vorgesetzten  weiterleiten.

Ich würde es einfach ignorieren. Beschwerden über einen männlichen neuen Kollegen kann es genauso geben, z.B. über sein Alter „ Der ist doch viel zu jung für diese Stelle!“ Wenn man sich eingearbeitet hat, wird sich nach einem halben Jahr keiner mehr drum kümmern.

Kommt es doch zu einem Problem, gibt es genug Gesprächspartnerinnen bei den jeweiligen Stammtischen oder den Frauengruppen, um eine Situation in die richtige Perspektive zu rücken. Diese Veranstaltungen sind auch dazu da, ein Netzwerk aufzubauen, welches später ebenso für andere Dinge genutzt werden kann. Unsere männlichen Kollegen „netzwerken“ doch auch. Warum sich dann dafür schämen?

Zum Schluss ist nur zu sagen:

Ich fühle mich sehr wohl bei Daimler und die Arbeit mit den Kollegen macht mir Spaß. Sie erklären geduldig und sind freundlich. Freche Sprüche sind in Ordnung, von mir und von ihnen. Fragen, die nur Frauen betreffen, wird es immer wieder geben, wie z.B. das Thema Mutterschutz. Ich denke, dass es dann aber eben auch unsere Aufgabe ist, unsere Bedürfnisse einzufordern und Verbesserungen zu empfehlen.

Werbung für sich selbst und seine Bedürfnisse zu machen, sich gut verkaufen, ist etwas, das  jeder lernen muss, ob Mann oder Frau.


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