Fit für die Wüste: Navigationstraining in Avignon

Salut,
eine Woche nach dem Auswahltag findet das Navigationstraining in Avignon statt. Zur Reiseplanung und um diverse Unterlagen für die Rallye zu unterschreiben, werde ich meine Pilotin Marie treffen. Sie gibt mir gleich per Email eine schwere Aufgabe, um meine Navigationsfähigkeiten auf die Probe zu stellen: „Ok, bis dann! Das wird deine erste Orientierungsaufgabe: meinen Arbeitsplatz finden:-)“

Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und unseren Kurztrip vorbereitet.

Freitag: Wir machen uns auf die Reise nach Südfrankreich. Zum Spaß habe ich weitere schwierige Navigationsaufgaben gelöst, um Maries Vertrauen zu gewinnen… das Hotel in Avignon zum Beispiel, haben wir ebenfalls direkt gefunden (avec le Taxi) und wir haben gehört, dass wir in einem der besten französischen Lokale Avignons zu Abend gegessen haben! Alles bestens!

Samstag: Früh um 7 Uhr ging es los. Ungefähr 35 Gazelles finden sich zum „light breakfast“ und Kennenlernen in Avignon ein. Ich habe nicht lange gebraucht um festzustellen, dass ich die einzige Deutsche bin…genauer gesagt, die einzige, die nicht Französin ist. Mais, c’est pas de problem, j’ai Marie…Einen Smalltalk halten und ins Gespräch zu kommen ist jedoch einfach, denn es ist schon eine besondere Atmosphäre und Euphorie unter den Teilnehmerinnen. Die Freude der anderen Gazelles ist auch sehr groß und wir tauschen uns angeregt aus.

Nach 20 Minuten wird die muntere Frauenrunde erstmal beruhigt – und Dominique Serra, die Chefin der veranstaltenden Agentur Maienga, eröffnet die Veranstaltung und mit ersten Impressionen und wichtigen organisatorischen Informationen. So wird die Vorfreude auf die Rallye noch mehr geweckt, aber auch verdeutlicht, dass die Rallye eine Herausforderung ist: „Vous allez entrer dans la légende“, es wird schwer werden für euch, aber ihr werdet an dieser Aufgabe wachsen. Und nicht vergessen, es ist ein Wettkampf! Anschließend geht es ins Detail und die für die Rallye notwendigen Grundlagen der Navigation werden vorgestellt. Unser bester Freund in Marokko wird wohl das magische Lineal werden. Mit dem magischen Lineal ist das Eintragen von Koordinaten hauptsächlich eine Frage der Konzentration, wenn man das Prinzip verstanden hat und die Koordinaten richtig berechnet hat. Wir lernen Routen festzulegen indem wir die Strecke auf Grund vom Klippen, Dünen, Oueds oder ähnlichen Hindernissen in Abschnitte mit unterschiedlichen Headings zu zerlegen. Nahe gelegt wird dem Navigator stets den zurückgelegten Weg mit zu tracken. Für den (un)wahrscheinlichen Fall, dass wir völlig orientierungslos in der Wüste fahren und wir nicht wissen, wo wir uns auf der Karte befinden, machen wir eine Triangulation. Und immer an die Deklination von -2° in Marokko denken!

Größenänderung2011_02_Avignon (40)Das Training ist sehr hilfreich, denn durch viele praktische Übungen wird der Umgang mit den Karten geschult, die Erstellung von Routenplanungen gefestigt und durch einen Orientierungslauf in der Stadt eine Basis für das Navigieren mit dem Kompass gelegt. Marie und ich, wir haben uns super ergänzt und festgestellt, dass wir theoretisch auf jeden Fall gut zusammenarbeiten und auch praktisch in der Stadt – jetzt sind wir natürlich gespannt, was in der Wüste alles auf uns zukommt? Wir werden auch bestimmt nicht immer einer Meinung sein, aber wir sind uns bewusst, dass es wichtig ist, Entscheidungen immer gemeinsam zu treffen und dahinter zu stehen. Wir sind ein Team.

Eine Präsentation über die sogenannte „Gazellitude“ veranschaulicht die Bedeutung des Teams und die Wichtigkeit, mit dieser einen Person 10 Tage lang durch dick und dünn, hell und dunkel, Sand und Wasser zu gehen…bzw. ich hoffe Marie fährt überall durch…

und dabei eine bunte Mischung von Emotionen austauschen, die manch eine nicht einmal von sich selber kennt!

Une Gazelle ne se perd jamais, elle s’égare!!!

Klar ist, dass dieses Abenteuer eine enorme physische und psychische Belastung sein wird und nicht so einfach, wie bei strahlendem Sonnenschein durch die Gassen eine kleinen schönen Stadt zu wandern mit einem Kompass!

Am Ende des ersten Tages gibt es einen Apéritif  –  très important pour les Françaises :-)  –  und der Tag wird so munter und heiter wie er begonnen hat, in vielen Gesprächen unter den Gazelles beendet. Für mich ist es besonders spannend, außer den Informationen zu der Rallye, einige französische Gewohnheiten kennenzulernen und die ein oder anderen unterschiedlichen Verhaltensweisen unserer Kulturen.

Sonnntag: Der zweite Tag dient zur Erweiterung unserer Kartografischen Fähigkeiten. Schwarz-weiß kopierte Karten von Marokko, die etwa gut 50 Jahre alt sind, erscheinen nicht auf Anhieb besonders plastisch und lebendig. Schritt für Schritt an der Legende entlang gehangelt, unterstützt mit Bildern, kommen wir der Vorstellung dieser Wüste näher (nah wäre übertrieben). Ob in einem Oued Wasser ist, sich daneben schwer zu fahrende Camelgrass Hügel befinden, eine Straße aussieht wie eine Straße und ob wir wirklich in Richtung 184° einen markanten Felsen sehen, das werden wir dann in Marokko erkunden.

Es ist ein gelungenes Training, wir haben viele Kontakte geknüpft und von erfahren Gazelles profitiert. Wir freuen uns wahnsinnig auf Marokko.

Am Ende werden wir herzlich mit einem „A bientôt les gazelles! A dans 39 jours!!!“ verabschiedet.

Bis Bald,

Christina & Marie

Die Rallye Aicha des Gazelles ist eine Wüstenrallye in Marokko, an der ausschließlich Frauen teilnehmen dürfen. Am 19. März fällt der Startschuss und dann heißt es für die 220 Teilnehmerinnen: Ab in die Wüste! Und das ohne Navigationsgerät, sondern mit Karte und Kompass.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
No votes yet.
Bitte warten...

Tags: , , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. Alter – alles Kopfsache? Wie wir älter besser werden können

    Jessica Abt: Hallo Herr Müller, Daimler tritt gegen Diskriminierung und...

  2. Die Zukunft des Parkens: Meine Top 5 der Parkinnovationen

    Markus Schell: Zu Punkt 2: Daimler hat sich bereits Ende 2015/ Anfang 2016 an...

  3. Die Zukunft des Parkens: Meine Top 5 der Parkinnovationen

    Atorf: zu: Die spannende Frage, die ich mir stelle: Macht das Auto auch...

  4. Großer Preis von Großbritannien 2018 – Hamilton nach Aufholjagd auf 2

    Brandenburger: Das erste F1-Rennen das ich live erleben durfte. Ich fands super :)...

  5. Die Zukunft des Parkens: Meine Top 5 der Parkinnovationen

    Rene Baumann: Nummer 2 finde ich mega cool und nutze ich aktuell auch schon...