Zwei Jahre China

Zwei Jahre ChinaEigentlich eine recht naheliegende Sache für meine Familie und mich – der berufliche Einsatz in China und der Umzug nach Peking. Schließlich hatten wir das immer vor: Meine Frau und ich haben Sinologie studiert, schon mal ein Jahr in Shanghai gelebt und sind immer wieder auf Reisen in China gewesen. Während des Studiums in den 90er Jahren haben wir sogar darüber nachgedacht, später vielleicht auf eigene Faust nach China zu gehen, um mit einer lokalen Anstellung hier zu leben … das hätte natürlich bedeutet, dass wir Themen wie Visa, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen, Versicherungen, soziale Absicherung und all diese Dinge selbst in die Hand hätten nehmen müssen.

Inzwischen ist alles ganz anders gekommen. Ich war die letzten sieben Jahren bei Daimler in Stuttgart und Ende 2010 ging es los – für zwei Jahre nach Peking. Noch in Deutschland gab es natürlich mehr als genug zu organisieren; die Anzahl der to-do-Listen nahm ständig zu und die Biester wurden immer länger und unübersichtlicher. Zum Glück macht Daimler das nicht zum ersten Mal – vieles wurde uns von den Kollegen des dafür zuständigen Fachbereichs abgenommen und professionell organisiert. Wir wurden außerdem auf Themen hingewiesen, um die wir uns unbedingt kümmern sollten. Stichworte: Steuern und Versicherungen sowie andere Ansprüche und Leistungen. Das klappte meistens reibungslos – aber die eine oder andere Behörde oder Stelle prüft die Unterlagen zu meinem Arbeitseinsatz wohl immer noch.

Ich frage mich inzwischen ab und zu, wie wir das alles auf eigene Faust hinbekommen hätten …

zwei_jahre_china_4Zwei Jahre China

Wir sind jetzt seit rund 3 Monaten hier und es ist ganz klar anders als bei unseren bisherigen Chinaaufenthalten. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir nun mit unserem einjährigen Sohn hier sind. Wir müssen unseren Alltag hier schlicht ganz anders organisieren und sehen jetzt auch vieles mit anderen Augen. Wir sind nicht mehr so unbefangen, schauen uns zum Beispiel das Essen – Qualität und Zutaten – genauer an und googlen die aktuelle Luftverschmutzungswerte: ist der Smog heute wirklich so stark, dass der Kleine besser im Indoor-Playroom (es gibt für alles eine Lösung) spielt, statt draußen auf Augenhöhe mit dem Verkehr herumgeschoben zu werden. Dann das Thema Sicherheit: Auf den Rückbänken der normalen Taxis kommt man nur ganz selten an die Sicherheitsgurte ran, die man ja für Babyschale und Kindersitz braucht – meist sind sie unter einem Schonbezug verschwunden. Und: Wer möchte schon nach dem Aussteigen einen Kindersitz mit sich durch die Stadt schleppen? Also sind Fußmärsche (nach Check der Luftqualität :-) ) oder ein eigenes Auto die besten Möglichkeiten, um von A nach B zu gelangen. Hieraus lässt sich mein nächstes to-do ableiten: Lernen für die Theorieprüfung des chinesischen Führerscheins.

Wir lernen China von einer auch für uns ganz neuen Seite kennen – als extrem kinderfreundlich. Unser Sohn (auch noch blond und blauäugig) steht im Mittelpunkt. In Kaufhäusern können wir ganz in Ruhe einkaufen, weil sich drei Verkäuferinnen gleichzeitig vor seiner Karre tummeln und Grimassen schneiden, wobei auch mit guten Ratschlägen nicht gespart wird: er ist zu leicht angezogen, die Ärmel besser über die Finger krempeln, er ist müde, er hat Hunger und und und. In Restaurants kam es schon vor, dass der Kleine von mehreren Kellnern die gesamte Zeit herumgetragen wurde und allen Tischen seine Aufwartung gemacht hat. Wir konnten mal wieder ganz in Ruhe essen.

Ich bin gespannt, was die nächsten Monate bringen …


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