„Off Duty“: Socialbar Stuttgart

Unsere Mitarbeiter  sind nicht nur während ihrer Arbeitszeit motiviert, sondern engagieren sich oft auch in ihrer Freizeit in sozialen und anderen außergewöhnlichen Projekten. Diese wollen wir in der Reihe „Off Duty“ kurz vorstellen. Heute sprechen wir mit Tim Strebe, der die Socialbar Stuttgart organisiert.

Tim Strebe1. Um was geht’s?

Neben meinem Beruf möchte ich mich für andere einsetzen! Wie kann ich das tun? Ich habe eine tolle Projektidee! Wie finde ich Mitstreiter? Wie schaffen wir Aufmerksamkeit für unser Anliegen? Wir möchten uns für eine kinderfreundlichere Stadt einsetzen! Wer macht mit?

Ich bin seit vielen Jahren ehrenamtlich aktiv und immer wieder stellte ich fest, dass viele Organisationen und Einzelpersonen tolle Ideen und Visionen für soziale, kulturelle oder ökologische  Projekte haben, aber an der Realisierung scheitern. Oft bilden sich kleine Teams und diese gehen hoch motiviert an den Start. Dann stoßen sie aber häufig auf so viele Hürden und Fragen, dass sie irgendwann entmutigt aufgeben. Ich fand das vor allem deshalb schade, weil unsere „Vorgänger“ bei uns und in anderen Organisationen sicherlich schon vor ähnlichen Schwierigkeiten standen, die verwendeten Lösungsansätze aber leider nirgends notiert wurden. Das Thema ließ mich nicht mehr los und ich grübelte immer mehr, wie man das Wissensmanagement über Organisationsgrenzen hinweg verbessern, voneinander lernen und vor allem Projekte und Anliegen gemeinsam vorantreiben könnte.

Socialbar Stuttgart2. Wie kam es dazu?

Vor etwa zwei Jahren machte ich mich auf nach Berlin, um dort ein wenig Großstadtluft zu schnuppern, einige Freunde zu besuchen und mehr über die Berliner „Nachhaltigkeitsszene“ zu erfahren. Freunde hatten immer wieder begeistert von spannenden Projekten wie Flash Mobs, Carrot Mobs, sozialhelden.de, wheelmap.org, pfandtastisch-helfen.de oder der Suche nach dem „Super-Zivi“ berichtet – und ich wollte nun einmal persönlich sehen und hören, was es damit so auf sich hat…

In Berlin angekommen war ich hin und weg von all den guten Gesprächen mit engagierten jungen Menschen, die in ihrer Stadt so richtig etwas bewegen und mit immer neuen Ideen an den Start gehen. Auf der Rückreise wünschte ich mir nichts sehnlicher, als entweder nach Berlin zu ziehen – oder möglichst rasch ähnlich Motivierte in Stuttgart aufzuspüren. Meine Bekannte berichtete mir dann vom Konzept der „Socialbar Berlin“, bei der sich viele aus der „Nachhaltigkeitsszene“ regelmäßig treffen, sich unterstützen und neue Kooperationen eingehen. Das sei doch eine klasse Möglichkeit, ähnlich Motivierte auch in Stuttgart zu vernetzen. Ich klickte mich direkt ins Wiki www.socialbar.de und der Text sprach mich sofort an: „online vernetzen, offline etwas bewegen – die Socialbar ist ein Treffen von Weltverbesserern, Web-Aktivisten, Social Entrepreneurs, NGOs, ehrenamtlichen Helfern, Politikern und Unternehmen mit sozialer Verantwortung, die bei der Socialbar zusammenkommen, sich kennen lernen, Kontakte knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und Kooperationen einzugehen.“

Ich wollte eine Socialbar in Stuttgart, und zwar sofort….

3. Was waren die Highlights?

Zunächst dauerte es doch noch fast ein Jahr, um – unterstützt von der Stuttgart Connection – einige Mitstreiter zu finden. Wir fingen direkt an zu tüfteln und formulierten im Frühjahr 2010 unser Konzept: Ziel der Socialbar Stuttgart ist es ist, sozial, kulturell, ökologisch und generell am Gemeinwesen interessierte Stuttgarter Bürger und gemeinnützige Organisationen miteinander zu vernetzen, offline und online – und neue Projekte mit Mehrwert anzustoßen. „Offline“ vernetzen sich die Teilnehmer im Rahmen von zweimonatig stattfindenden Veranstaltungen unter einem bestimmten Thema an stets unterschiedlichen Orten. Neben zwei bis drei Kurzvorträgen von Stuttgarter Organisationen á 10 Minuten steht v.a. der persönliche Austausch der Teilnehmer im Vordergrund. Im Rahmen eines „Miniworkshops“ am Ende der Veranstaltung werden stets aktuelle Fragestellungen der Referenten aufgegriffen und gemeinsam diskutiert. Über Twitter, Facebook, XING und das eigene Wiki besteht zudem die Möglichkeit, sich auch online zu vernetzen und auszutauschen.

Im Juni 2010 ging dann endlich die erste Socialbar Stuttgart im Coworking-Space Stuttgart an den Start – und wurde ein voller Erfolg. Über 50 interessierte kamen ins H7 gegenüber vom Hauptbahnhof, drängten sich mit kühlem Bier bewaffnet bei über 30°C in einem kleinen Raum um einen wärmenden Beamer und lauschten den Kurzvorträgen zum Thema „Chancen von Web 2.0 für soziale Organisationen“. So spannend die Vorträge auch waren, in Erinnerung ist den Teilnehmern vor allem der persönliche Austausch geblieben. Es wurden Visitenkarten ausgetauscht, aktuelle Projekte diskutiert und – es lässt sich nie vermeiden – über den Bahnhof gegenüber diskutiert.

4. Wie geht’s weiter?

Jetzt, Anfang 2011, können wir stolz auf vier erfolgreiche Socialbars zurückblicken zu den Themen Web 2.0, Bürgerschaftliches Engagement, Vernetzung Alt-Jung und Integration.  Wir durften stets um die 60 Bar-Besucher mit Getränken und Snacks versorgen und freuen uns über 212 Facebook- Freunde, 206 Twitter-Follower, eine intensive Nutzung des Wikis und ein breites Medieninteresse mit Berichten in SuR, Lift und Stuttgarter Zeitung.

Neben der aktiven Vernetzung möchten wir künftig noch stärker konkrete Anliegen der Referenten in den Mittelpunkt stellen, um den Austausch mit dem bunten Publikum von Web-Spezialisten, Führungskräften, Stiftungsmitarbeitern, Sozialarbeitern, Arbeitslosen, Studenten und Rentnern zu intensivieren. Wir möchten verstärkt Stuttgartern die Möglichkeit geben, neue Projektideen vorzustellen, um über die Socialbar Mitstreiter zu finden und die Projekte mit möglichst breiter Unterstützung des Publikums rasch „up and running“ zu bekommen. Um dies zu beschleunigen, möchten wir auch die Zusammenarbeit mit Politik, Wirtschaft und anderen Organisationen intensivieren.

5. Was motiviert Sie nach acht Stunden Arbeit?

Mich motiviert vor allem ein großes Maß an Dankbarkeit für das, was mir im Leben bisher ermöglicht wurde und der tiefe Herzenswunsch, mich für andere einzusetzen und solchen, die weniger gesegnet waren, aktiv beizustehen. Ich finde es toll, wie sich die Daimler AG auch im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) engagiert, aber letztendlich ist es jeder Einzelne, der sich täglich neu entscheiden muss, seinem Nächsten beizustehen. Ich möchte soziale Verantwortung nicht nur fordern, sondern auch vorleben – getreu dem „Off Duty“-Gedanken stelle ich dafür gerne einen Teil meiner Freizeit zur Verfügung.

Ich treffe aber auch immer wieder auf Kollegen, die mein Engagement zwar begeistert und die auch selbst gerne etwas tun würden – irgendwie aber keinen Zugang zum bürgerschaftlichen Engagement finden. Genau diese Kollegen möchte ich verstärkt zur Socialbar einladen, um ihnen über die Vernetzung mit engagierten Menschen und interessanten Organisationen den Zugang zu einem möglichen eigenen Ehrenamt zu erleichtern. Entsprechend möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich einladen zur nächsten Socialbar am 01.03.2011 ab 19.00 Uhr zum Thema „Ein neues Wirtschaften ist möglich: Sozialunternehmertum in der Region“ in der GLS-Bank Stuttgart am Eugensplatz 5.

6. Was arbeiten Sie beim Daimler?

Mit „invisible hand“ und „Gewinnmaximierung“ konnte ich mich schon im Studium nicht besonders anfreunden. Stattdessen überwog stets die Begeisterung für soziale Themen. Entsprechend wollte und will ich mich auch hier bei Daimler im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten für eine soziale Gestaltung wirtschaftlichen Handelns einsetzen. Nach der Nachwuchsgruppe, u.a. mit einem CSR-Projekt in Indien trat ich in den Bereich Compliance ein, um Maßnahmen gegen Korruption zu entwickeln und umzusetzen. Seit Juni 2009 arbeite ich im Umweltschutzmanagement After-Sales und unterstütze dort die Ländergesellschaften bei der Einhaltung von Umweltgesetzen. Nachhaltigkeit ist meine Leidenschaft und ich möchte mich weiter dafür einsetzen, dass sowohl die Firma als Ganzes als auch jeder Einzelne seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachkommt. Und da fang ich doch einfach mal klein an – bei mir selber.

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