Eine Chinesin zwischen zwei Welten – Teil II

Vor einiger Zeit habe ich einen Blog-Beitrag über meine Promotion veröffentlicht. Ich bedanke mich bei den Kollegen, die sich freiwillig als Probanden angemeldet haben. Sie haben damit eine große Unterstützung für das Projekt erbracht. Ebenfalls hatte ich auch Meldungen von einigen Kollegen bekommen, die für das Thema China und Deutschland allgemein sehr interessiert sind. Desto mehr fühle ich mich verpflichtet, noch weiter über das Projekt zu berichten.

Vor kurzem habe ich die Datenerhebungsphase abgeschlossen und beginne nun mit der Datenanalyse. Zum besseren Verständnis, was genau ich analysiere, stelle ich die Aspekte im Rahmen dieses Artikels vor.

Im Theorieteil meiner Promotionsschrift beschäftige ich mich mit der Thematik “effektive Führung in China und Deutschland”. Dabei gehe ich auf tiefgehende kulturelle Unterschiede der zwei Länder ein, insbesondere auf das Wertvorstellung sowie auf die Wirkung von unterschiedlichen Lerngewohnheiten in einem Leadership Training.

In der Empirie messe ich die oben genannten Parameter, um zu prüfen, inwieweit sich die Theorie bestätigt.  Ein vereinfachter Leitfaden für diese Analyse sieht folgendermaßen aus:

1) Sind chinesische Führungskräfte im Vergleich zu deutschen Führungskräften wirklich so unterschiedlich, sodass man jede Gruppe unterschiedlich behandeln muss?

Einerseits kommen sie aus zwei unterschiedlichen Kulturkreisen, aber auf der anderen Seite sprechen die chinesischen Führungskräfte Englisch, arbeiten täglich mit deutschen Kollegen und nutzen z.B. die gleichen modernen Arbeitsinstrumente. Doch es gibt scheinbar Unterschiede, aber vielleicht sind sie kleiner als gedacht? Wissenschaftler beschäftigen sich deshalb gerne mit der Frage: Sind die Unterschiede „signifikant oder nicht signifikant“?

Zu dieser Frage habe ich  Werte zu Kulturmerkmalen erhoben. Damit will ich beantworten, ob die zwei Gruppen von Führungskräften wirklich signifikant unterschiedlich sind oder nicht.

2) Bevor ich die Kulturen vergleiche, muss ich eine Analyse zur  interkulturellen Äquivalenz der Messungsinstrumente durchführen. Was ist eine interkulturelle Äquivalenz?

Das heißt, dass ich genau prüfen muss, ob die Messinstrumente, z.B. der Fragebogen, eine Vergleichbarkeit ermöglicht oder nicht. Wenn man beispielsweise Chinesen und Deutschen die Frage stellt „Geben Sie bitte auf einer Skala von 0 (nie) bis 5 (sehr häufig) an, wie häufig Sie Kuchen backen“, dürfen sich die Backpulver-Forscher nicht wundern, dass man in China fast immer mit 0 antwortet. In China hat man keinen Backofen zu Hause und kennt „Kuchen-Backen“ bis heute nicht wirklich. Umgekehrt ist es genau so. Mit solchen Fragen kann man keine interkulturelle Äquivalenz erreichen. Damit wären schließlich die Daten nutzlos, weil man nicht das Gleiche gemessen hat.

3) Wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, kann eine der Kernfrage analysiert werden: Was sind die Veränderungen im Führungsverhalten bei den chinesischen und bei den deutschen Führungskräften, nachdem beide Gruppen das gleiche Leadership-Training erhalten haben?

Um diese Frage beantworten zu können, habe ich von mehreren Testgruppen beschreiben lassen, wie die Führungskräfte vor dem Training  und wie sie nach dem Training führen. Die Befragung erfolgte sowohl als Selbst- als auch als Fremd-Einschätzung. Dazu habe ich das Full-Range Multifactor  Leadership Questionnaire benutzt. Full Range bedeutet, dass dieser Fragebogen möglichst alle relevanten Führungsaspekte abdeckt.

4) Ein Wissenschaftler muss umsichtig sein. Es gibt noch andere Faktoren, die den Transfer beeinflussen.

Ob und was man von den Trainingsinhalten in die tägliche Arbeit transferiert, hängt sehr stark von den Trainingsinhalten selbst und den didaktischen Lernmethoden ab. Doch es kommen auch weitere Faktoren ins Spiel, z.B. die Unterstützung durch Vorgesetzte bzw. Kollegen, die eigene Motivation und vieles mehr. Wenn man mich fragt, ob die signifikanten unterschiedlichen Auswirkungen des Trainings sich ausschließlich auf Kulturunterschiede zurückführen lassen, wäre meine Antwort momentan: “Ich weiß noch nicht genau, vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht. Wir werden es ganz genau wissen, wenn ich mit meiner Analyse fertig bin.”

Also, ich lege los…


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