GASTBEITRAG: Auch im Rollstuhl Mercedes fahren

Wie kommt man als Besucher des Mercedes-Benz Museums zu einer Probefahrt in einer B-Klasse mit den neuesten Innovationen von Mercedes-Benz  – den Fahrhilfen und den Sitzanpassungen?

Wir, das sind Willi Lang und Oliver Fleiner, sind die meiste Zeit auf den Rollstuhl angewiesen. Auf unserer Homepage „behindert-barrierefrei.de“ beschäftigen wir uns mit aktuellen Themen zu Behinderung, Barrierefreiheit, und Mobilität.

Menschen mit Behinderung zu informieren, Mut zu machen und am Leben teilzuhaben ist unser Ziel.

Mobilität steht bei uns an vorderer Stelle. Denn Mobilität bedeutet für uns Teilhabe am Leben. Dabei geht es nicht nur darum in den eigenen Wänden mobil zu sein – nein, auch räumliche Entfernungen zu überwinden. Sei es um Arztbesuche oder Behördengänge selbstständig zu erledigen, Einkäufe zu tätigen, den Arbeitsplatz ohne fremde Hilfe zu erreichen oder einfach, wie für die meisten Menschen problemlos möglich, Freunde und Verwandte zu besuchen, oder eine Reise zu unternehmen.

Am „Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung“ besuchten wir das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart. Neben zahlreichen Infoständen rund um die Thematik „Behinderung“ stellte Mercedes-Benz seine Innovationen „Fahrhilfen und Sitzanpassungen“ für behinderte Selbstfahrer vor. Hier konnten alle Fahrhilfen und auch der Schwenk-Hebesitz „Turny“ in Augenschein genommen werden. Der Turny ist ein automatischer Beifahrersitz, der von der Beifahrerposition den Sitz um ein Viertel dreht und dann soweit absenkt, dass man bequem auf den Rollstuhl umsetzen kann.

In einer B-Klasse, die mit einer behindertengerechten Fahrhilfe ausgestattet war, konnte sich mein Kollege Oliver Fleiner bei einer Probefahrt durch Bad Cannstatt mit der neuen Technik vertraut machen. Nach nur einigen Minuten Fahrt hatte er mit der neuen Fahrhilfe ein absolut sicheres Fahrgefühl, da die Handbedienung sehr einfach und logisch aufgebaut ist.

Für z.B. Querschnittsgelähmte oder Personen, die ihren Rollstuhl nicht verlassen können ist der Rollstuhl quasi das, was für andere Menschen die Beine sind. Deshalb benötigt man – bis auf wenige Ausnahmefälle – ein Fahrzeug mit einer Schiebetür, um den Rollstuhl ins Fahrzeug zu verladen. Bei einem Fahrzeug ohne Schiebetür und ohne Verladesystem fragt man sich nach dem Umsetzen vom Rollstuhl auf den Fahrersitz: „…und wie bring ich jetzt meine ‚Beine’ ins Fahrzeug“?

Unserer Meinung nach sollte Mercedes eine Komplettlösung bestehend aus Handbedienung, Schiebetüre und Verladesystem ab Werk anbieten. Der Käufer hätte dadurch nur einen Ansprechpartner von der Beratung über die Kaufabwicklung bis hin zum Garantiefall. Leider ist es momentan so, dass die Verladehilfe für den Rollstuhl vom Behinderten selbst bei einem weiteren Anbieter bestellt werden muss. Denn ohne das Verladesystem eines zweiten Anbieters bleibt nur die Möglichkeit den Rollstuhl auf den Beifahrersitz zu legen. Problem: Der Rollstuhl wird in den meisten Fällen zu schwer sein (insbesondere die Elektrorollstühle), um diesen auf dem Fahrersitz sitzend, von außen über sich selbst nach rechts auf den Beifahrersitz zu legen. Dabei darf man natürlich auch nicht vergessen, dass zum einen die Räder oftmals sehr verschmutzt sind und zum anderen die Befestigung eines Rollstuhls auf dem Beifahrersitz nicht ausreichend möglich ist und somit ein erhöhtes Sicherheitsrisiko (scharfes Bremsen, kurvige Straßenführung, Unfall) besteht.

Deshalb unsere Frage: Wird Mercedes-Benz mittelfristig ein Verladesystem ab Werk anbieten können – entweder eine Eigenentwicklung oder in Kooperation mit einem entsprechenden innovativen Partnerunternehmen?

In Zeiten, in denen die Fahrzeuge immer breiter werden und die Parkplätze aber gleich schmal bleiben, wäre aus unserer Sicht das Optimum natürlich dann erreicht, wenn auch die Limousinen von Mercedes-Benz mit Schiebetüren ausgestattet wären. Wir sind der Meinung, dass dies nicht nur der Zielgruppe der behinderten Menschen sondern zum Beispiel auch Familien mit kleinen Kindern im Kindersitz entgegen kommen würde. Hierzu freuen wir uns auf Ihre Meinungen und Kommentare.

Unsere Frage: Können die Kunden in absehbarer Zukunft auf eine Schiebetüre in Limousinen hoffen?

Wir bedanken uns bei den Mercedes-Benz Mitarbeitern des Museums sowie der Abteilung Business Innovation, die sich für „Fahrhilfen und Sitzanpassungen ab Werk“ verantwortlich zeigt, für Ihre freundliche Unterstützung.

Ihr behindert-barrierefrei e.V. Team

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Oliver Fleiner und Willi Lang


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