After-Work in Worpswede

StaatsgalerieWussten Sie, was ein Kniestück oder Bruststück ist? Und dass Worpswede, eine 9.000-Seelen-Gemeinde, eine der Keimzellen des deutschen Expressionismus war? Oder dass Clara Westhoff die beste Freundin von Paula Modersohn-Becker und die Ehefrau von Rainer Maria Rilke war?

Ich nicht. Anstatt Staub zu saugen oder Fern zu schauen, habe ich eben den Wikipedia-Eintrag zu Paula Modersohn-Becker gelesen, dabei meine Kenntnisse über den deutschen Expressionismus um die Jahrhundertwende aufgefrischt und meine neu erworbene CD „Das Rilke-Projekt“ in die Anlage geschoben.

Was war Auslöser dieser „Kulturlücken-Füllaktion“? Meine Teilnahme an einer Abendakademie in der Staatsgalerie Stuttgart, „Das Portrait in der Malerei“: eineinhalb Stunden Führung und Vortrag. Was hängen blieb? Interessante Einsichten – und das Gefühl, weiter lesen zu müssen. „Ein Kniestück ist ein Portrait, das den gesamten Körper bis zum Knie wieder gibt. In dieser Pose wurden früher als Auftragsarbeit vor allem Könige, Fürsten und Adlige dargestellt. Beim Bruststück steht das Gesicht, entweder in einer Frontalansicht oder im Seitenprofil, im Vordergrund. Und Portraitmalerei konnte früher bereits das, was heute professionelle Bildbearbeitung schafft: Vorteilhaftes hervorheben, Unvorteilhaftes „wegpinseln“.

Der Abend war Teil einer Veranstaltungsreihe, die aus der Kooperation der Daimler AG mit der Stuttgarter Staatsgalerie entstanden ist. Attraktive Angebote sollen den Mitarbeitern ermöglichen, in die Welt der Kunst einzutauchen. Sozusagen: den Einstieg erleichtern. Warum erleichtern? Es gibt viele Gründe, weshalb das Kunst- und Kulturangebot nicht “von der breiten Masse“ genutzt wird. Einer davon ist: „Kunst ist anstrengend“. Der andere: „Kunst ist teuer“. Daimler hat mit seinem Engagement dafür gesorgt, dass diese Einstiegsbarrieren für Mitarbeiter gesenkt werden. Ja, Kunst ist anstrengend. Aber sie wird, auch bei Besuchen nach 18 Uhr, weniger anstrengend, wenn man eine gute Museumsführerin hat, die Hintergründe und Zusammenhänge erklärt. Auch das zweite Argument hat Daimler entkräftet. Denn die Mitarbeiter am Standort Stuttgart konnten kostenlos an allen vier Abendakademien zu diversen Themen der Dauer- und Sonderausstellung der Staatsgalerie teilnehmen. Die Resonanz war gewaltig! Über 700 Besucher, darunter Mitarbeiter und ihre Begleitpersonen, haben dieses Angebot genutzt.

Warum engagiert sich das Unternehmen für Kunst und Kultur? Kunst und Kultur sind wichtiger Bestandteil einer Gesellschaft. Ein reiches kulturelles Leben und eine lebendige Kunstszene sind Nährboden für Kreativität und Innovation. Hier können neue Trends, neue Ideen und nicht zuletzt neue Lebenswelten und -konzepte entstehen. Zudem ist eine vielfältige Gesellschaft auch gleichzeitig die Lebenswelt unserer Kunden, die Funktionalität, anmutendes Design und Premium-Qualität im „Kunstwerk Auto“ verbunden sehen. Das Fahrzeugdesign ist ein Beispiel, bei dem Kunst und IngenieursKUNST sich die Hand reichen. Nicht umsonst befindet sich ein Designstudio in Como in Italien, in einem Land, in dem Formen, Farben, Materialien und Stoffe von jeher eine wichtige Rolle spielen. Auch die Daimler Kunstsammlung ist ein Beispiel dafür, wie das Unternehmen seit den 1970er Jahren Kunst als integralen Bestandteil des Arbeitsalltags versteht.

Ich persönlich empfinde es als Privileg, in einem Unternehmen zu arbeiten, das unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche fördert und sich im lokalen und regionalen Umfeld seiner weltweiten Standorte engagiert. Und ich weiß es zu schätzen, dass es mich nur einen Mausklick gekostet hat, mich anzumelden um einen exklusiven Abend in einem kleinen Kreis von Kollegen zu verbringen und mir über Schönheit, Anmut, Botschaft, Linien und Formen Gedanken zu machen. Und manchmal ist so ein Abend auch ein Impuls, den man gerne weiter verfolgt.


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