50 Jahre Mercedes-Benz Automatikgetriebe

IMG_0372Hedelfingen, das Werk der Getriebe. Vor über 50 Jahren hätte keiner gedacht, dass dort heute bereits die 5. Generation an Automatikgetriebe gebaut wird. So ein Jubiläum muss natürlich gefeiert werden. Und deshalb wurden alle Mitarbeiter vom Werksteil, zusammen mit Herrn Dr. Wolfgang Bernhard (Vorstandsmitglied für Produktion und Einkauf Mercedes-Benz Cars & Mercedes-Benz Vans), zu einer Feier eingeladen, um dieses besondere Ereignis gemeinsam zu würdigen. In der neuen Halle 43/2 wurden extra für diesen Tag Sitzgelegenheiten, ein Catering und natürlich die fünf Generationen der Getriebe aufgebaut. Und die Kollegen kamen zahlreich, wobei es mir trotz der großen Teilnehmerzahl sogar möglich war ein paar Worte mit Herrn Dr. Bernhard zu wechseln.

Nach einer kurzen Begrüßung vom Leiter Getriebeproduktion, Herr Engling, wurden wir auf eine Zeitreise zu den Anfängen der Automatikgetriebeproduktion mitgenommen. Bereits 1956 wurde das Gelände in Hedelfingen der Firma Schaudt abgekauft, die Villa des Besitzers war im Kaufpreis enthalten. Sie steht heute noch und wird als Büro genutzt.

1960 war dann der Umzug der Automatikgetriebeproduktion von Untertürkheim nach Hedelfingen. Bereits 1966 musste schon das erste Produktionsgebäude (das jetzige Gebäude 35) aus Platzgründen erweitert werden. 1968 entstand die 1. Generation eines Prüfstandes für Automatikgetriebe. 1975 lief das 1.000.000ste Getriebe vom Band und bereits 6 Jahre später musste bereits erneut eine Produktionshalle gebaut werden. Im Jahre 1985 fand dann die Feier „25 Jahre Automatensaal“ statt; im Automatensaal werden die Steuereinheiten und Schaltschieber produziert.

Viele Kollegen aus der damaligen Zeit, waren ebenfalls geladen. Es wurde berichtet, dass damals nur Wenige an den Erfolg der Automatikgetriebe geglaubt hatten, weshalb viel Pionierarbeit notwendig war. Wie immer wenn Neues entsteht.

Einer dieser Zeitzeugen war Herr Dr. Zürn, der uns alle mit seinen Erzählungen sehr beeindruckte. Er erwähnte beispielsweise, dass die damaligen GM-Getriebe von den Amerikanern nicht zum Einbau in einen Mercedes geeignet waren. Daher verbaute man 1955 im Mercedes 300c (W186) ein 3-Gang-Getriebe von Borg-Warner. 1957 wurde bereits ein Hydrak – eine hydraulisch automatische Kupplung (4-Gang-Zahnrad-Wechselgetriebe) eingebaut. Aber schon kurze Zeit später hatte man ein Getriebe aus eigener Entwicklung: das K4A 025 – die ersten 100 wurden noch in Untertürkheim gebaut. Damals diskutierte der Vorstand heftig darüber, ob sich ein Automatikgetriebe durchsetzen werde. Heute, mehr als 40 Jahre später, sind wir natürlich alle schlauer.

Die Herstellung eines solchen Getriebes war sehr teuer und im Fahrzeug eingebaut hatte es einen höheren Benzinverbrauch als eines mit Schaltgetriebe. Der damalige Konstrukteur Rudolf Uhlenhaut hatte gewettet, dass er schneller von Hand schalten könne als ein Automatikgetriebe. Die Wette hatte er verloren, da es bei Automatikgetrieben keine Zugkraftunterbrechung gibt und diese deshalb schneller schaltet.

Die Entwicklung der ersten Schaltschiebegehäuse war äußert schwierig. Die deutschen Ingenieure hatten ein amerikanisches Getriebe als Muster vorgelegt bekommen und beim ersten Anblick sofort abgewinkt. Das Teil war nicht in einen Mercedes zu bekommen. Die ersten Exemplare wurden deshalb in mühevoller Handarbeit angefertigt, was sehr aufwändig war. Erst in den darauffolgenden Jahren fand man Möglichkeiten diese maschinell herzustellen.

Ich hätte den ganzen Tag diesen phantastischen Geschichten lauschen können. Am Ende bedankte sich dann noch der Betriebsrat bei der Belegschaft und erwähnte dabei, dass man zu dieser Zeit vier D-Mark in der Stunde verdiente. Damals hatten sogar ungelernte Kräfte die Möglichkeit eine hochwertige Arbeit zu bekommen und Worte wie beispielsweise „Nachtschicht“ waren im Wortschatz der Belegschaft kaum geläufig.

Ich habe den Tag sehr genossen und freue mich schon auf die 75 Jahr Feier, frei nach dem Motto: Den Anderen immer einen Schritt voraus.


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