DFB und Mercedes-Benz – Auf Jahre hinaus unschlagbar

Man nehme die folgenden Zutaten: Das Fahrgestell und den Motor von einem Trabbi – den Rest hingegen von einem Mercedes, könnte das funktionieren? Eher nicht.

Im Fußball jedoch sind einige Planspiele außer Kraft gesetzt, nicht nur der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Als die beiden Fußballverbände der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik 1990 zusammen gingen, sagte Franz Beckenbauer einen seiner vielen legendären Sätze: „Damit werden wir auf Jahre hinaus unschlagbar sein.“ Die Prognose hielt zwar nur sechs Spiele (dann verlor das neue deutsche Team in Wales mit 0:1) und es dauerte sechs Jahre bis zum nächsten Titel – aber in der Nationalmannschaft sind Spieler aus den neuen Bundesländern nicht mehr wegzudenken. Ende November wurde in Leipzig der zwanzigste Jahrestag der „Fußball-Einheit“ mit einem Spiel der Legenden gefeiert. Dabei siegte die DDR-Auswahl mit 2:1.

Ebenfalls seit zwanzig Jahren ist Mercedes-Benz Generalsponsor des Verbandes. Diese Partnerschaft, die kein Werbestratege hätte besser erfinden können, wurde von Werner Niefer und Franz Beckenbauer 1990 im Hotel am Schlossgarten in Stuttgart besiegelt, nachdem beide Partner schon seit 1972 freundschaftlich verbunden waren.

Seit dieser Zeit gab es bei der Nationalmannschaft mehr Trainer (sechs) als Titel (zwei). Es gab wenige Tiefen (EM Holland/Belgien, EM Portugal) – aber viel mehr Höhen, wobei die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Lande mit dem „Sommermärchen“ herausragte. Besonders auffällig: Zu den Treffen der drei Spitzen DFB-Präsident (Mayer-Vorfelder), Bundestrainer (Klinsmann) und Generalsponsor (Mercedes-Benz) reichte der öffentliche Nahverkehr, keiner hatte mehr als fünf Kilometer zu fahren. Die große Fußball-Welt im schwäbischen Mikrokosmos.

Werner Niefer und Franz Beckenbauer haben sich 1990 im Hotel am Schlossgarten sicherlich nicht vorstellen können, welche Aufmerksamkeit die deutsche Nationalmannschaft zwanzig Jahre später generiert. Mehr als 30 Millionen Zuschauer sahen einzelne Spiele des deutschen Teams bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2010 in Südafrika – Logos und Schriftzüge der beiden Partner werden in alle Welt hinaus transportiert mit positivem Image. Bundesverdienstkreuz, Bambi, „Sportler des Jahres“ – das gehört inzwischen zur Nationalmannschaft wie die Luft zum Ball oder der Stern auf den Trainingsanzug. Die Nationalmannschaft ist salonfähig, es gibt nur wenig bessere Botschafter in diesem Lande.

Wenn der Mannschaftsbus reden könnte oder der Busfahrer reden würde – die Inhalte würden alle Doku-Soaps übertreffen. Wolfgang Hochfellner fährt seit 1992 diesen Bus, was aber weitaus mehr ist als eine Fahrt mit einer Mannschaft. Es sind jedes Mal richtige Werttransporte. Die Fracht im Mannschaftsbus ist das Kostbarste, was es im deutschen Sport gibt. Zählt man die Ablösesummen der Spieler zusammen, ist man schnell bei 250 Millionen.

Es gab zwar keine gefährlichen Momente in all dieser Zeit – aber doch heikle Augenblicke. Beim ersten Heimspiel in der Ära Klinsmann in Berlin im September 2004 gegen Brasilien kam der Bus im Stau beispielsweise kaum vorwärts. Die vornehmlich jungen Spieler wurden immer nervöser und blasser, bis Jürgen Klinsmann aufstand, zum Mikro griff und sagte: „Locker bleiben, ohne uns fangen sie nicht an.“

Und unvergessen auch, als bei einer Europameisterschaft ein zweiter DFB-Bus im VIP-Transfer eingesetzt wurde. Helmut Kohl hatte den Platz eingenommen, auf dem damals beim Team immer der Trainer saß (vorne rechts) – am Straßenrand standen die Fans der deutschen Nationalmannschaft und jubelten, weil sie hinter verglasten Scheiben die Fußballstars vermuteten. Drinnen saß Helmut Kohl und winkte jovial dem Fußballvolk zu…


Über den Autor:
David Vorsteher, Mitarbeiter im Team der Sportkommunikation
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