Die Kirche zu Gast bei Daimler

Sollen die Mitarbeiter in der Motorfabrik alle beten lernen? – oder warum sonst sind 45 Pfarrerinnen und Pfarrer bei Daimler ?
Heute, am 28. Oktober 2010, ist bereits der vierte Praktikumstag meines einwöchigen Schülerpflichtpraktikums der 12. Klasse im Bereich Politik und Außenbeziehungen bei der Daimler AG.
Ich wusste, dass der Besuch von 45 Pfarrerinnen und Pfarrern vom „Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt“ auf dem Programm stand – aber was erwartet mich da genau?

Mein Tag begann um 8.20 Uhr im Büro von Dr. Jens Arnold, der im Bereich Politik und Außenbeziehungen im Team „Regional Issues“ regionalpolitische Fragestellungen betreut.
Zusammen mit der Doktorandin Regina Langer und Herrn Dr. Arnold fuhren wir in einem neuen E-Klasse T-Modell zum Mercedes-Benz Motorenwerk Bad Cannstatt. Dort wurden letzte Vorbereitungen getroffen, um den Betriebsbesuch der 45 Pfarrerinnen und Pfarrer des Fachdienstes „Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt“ unter der Koordination der Vorsitzenden Esther Kuhn-Luz, einer Wirtschafts- und Sozialpfarrerin, vorzubereiten.

Damit war dann schon mal klar, dass sich die Pfarrerinnen und Pfarrer nicht ausschließlich für die tollen Autos von Daimler interessieren.
Der „Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt“ (KDA) stellt die Verbindung zwischen Arbeitswelt bzw. der Wirtschaft mit den Kirchengemeinden, Kirchenbezirken und der Landeskirche her. Der KDA informiert sich zum Beispiel bei Betriebsbesuchen über die Probleme und Herausforderungen in der heutigen Arbeitswelt, um eventuelle Konflikte oder beruflich bedingte Krisensituationen in der Seelsorgearbeit aufgreifen zu können. Im Sinne einer guten Standortpartnerschaft ist es für die Daimler AG wichtig, den Dialog zu allen Anspruchsgruppen im Unternehmensumfeld zu pflegen – so auch zur Kirche.

Cool wäre gewesen, wenn die 45 Pfarrerinnen und Pfarrer in ihren Pfarrgewänder gekommen wären – sie kamen natürlich in „zivil“ – langweilig. Schade, das wäre bei einer Führung durch die Produktionshalle sicherlich ganz witzig gewesen.
Bei der Begrüßung stellte Herr Mauser, der Leiter der Personal Produktion Powertrain, das Unternehmen kurz vor und wies auf die große Bedeutung von Daimler für die Arbeitswelt in der Region hin. Es folgte eine Tour durch die Fertigungshalle der Motorenproduktion unter der Leitung von Herrn Hammer und Herrn Thum. Bei dieser Gelegenheit fanden auch erste kurze Gespräche mit den Beschäftigten statt.

In einem sehr interessanten und kurzweiligen Vortrag referierte Herr Dr. Ulsamer, der Leiter für föderale und kommunale Projekte des Bereichs Politik und Außenbeziehungen der Daimler AG, über die Mobilitätskonzepte der Zukunft mit dem Schwerpunkt auf Elektromobilität.
Amüsant war die freiwillige Sitzordnung der Pfarrerinnen und Pfarrer. Sie saßen tatsächlich überwiegend in den hinteren Sitzreihen –  ganz wie Gottesdienstbesucher in der Kirche. Dabei sind es doch immer die Pfarrer, die die Leute auffordern, weiter vorne Platz zu nehmen.

Mit einem Bus fuhren wir zum Mittagessen in die Ausbildungsstätte Esslingen/Brühl. Ich denke, dass es das erste und wahrscheinlich auch das letzte Mal war, dass ich zusammen mit 45 Pfarrern in einem Bus saß. Nach längerem Anstehen konnte sich dann jeder etwas zu essen holen. Auf dem Speiseplan standen halbe Hähnchen, Salate, Fisch oder beispielsweise Nudeln mit Tomatensoße. Anschließend erläuterte Herr Storr, der Leiter für Ausbildung und Training im Werk Untertürkheim, Einzelheiten über die Ausbildungsstätte, die Anzahl der jeweiligen Ausbildungsplätze, die Ausbildungsberufe und das Auswahlverfahren. Die Pfarrer waren auch bei diesem Thema sehr interessiert und stellten einige Fragen. Sie zeigten sich aber besonders erfreut über die Möglichkeiten für Jugendliche mit Lernschwäche, für die Daimler ein spezielles Ausbildungsangebot zum Metallwerker bereitstellt. Nach dieser kurzen, aber informationsreichen Präsentation führten drei Ausbildungsleiter durch die Ausbildungsstätte.

Hierbei wurde mir, wie schon in den vergangenen Tagen, wieder mal sehr bewusst, wie vielfältig so ein Praktikum bei Daimler doch ist. Ursprünglich war ich davon ausgegangen hinterherzulaufen, zuzuschauen oder bestenfalls die Sachen der Anderen zu sortieren. Beim Interview mit Frau Kuhn-Luz versuchte ich den „Ton zu angeln“ und erhielt so einen kurzen Einblick in die Arbeitswelt der Kameraleute. Bei dieser Führung kam ich mir zum ersten Mal bei diesem Praktikum nicht wie der Jüngste vor, denn die Azubis waren auch nicht älter als ich. Wir wurden durch die verschiedenen Stationen der Ausbildung geführt. Daimler bildet verschiedenste Metallberufe aus u. a. Metallwerker, Fertigungsmechaniker, Gießereimechaniker, Technische Maler und Industriemechaniker.

Nach der Führung und Gesprächen mit den Auszubildenden sammelten wir uns wieder im Besprechungsraum. Zwei Mitglieder aus dem Betriebsrat schilderten den Arbeitsalltag aus Sicht der Arbeitnehmer und ihre Sicht auf das Unternehmen.  Aufmerksam, ja fast andächtig wie bei der Predigt lauschten die Pfarrer den Vorträgen. Gegen Ende kam da dem einen oder anderem die Zeit doch relativ lange vor, ähnlich wie bei uns – nur in der Kirche.

Zum Diversity Management bei Daimler referierte Frau Münchinger. Sie klärte über den Anteil der Frauen in Spitzenpositionen, über Integration oder der Beschäftigung von Benachteiligten auf.
Um 16:30 Uhr folgte die Abschlussdiskussion mit allen Beteiligten. Spannende Fragen zu Themen wie beispielsweise Nachhaltigkeit und die Umsetzung bei der Daimler AG kamen auf.
Schon interessant als Schüler einen kleinen Einblick in diesen Weltkonzern Daimler zu erhalten.

Nach ca. einer Stunde gingen den Pfarrern tatsächlich die Fragen aus und der KDA bedankte sich für die Gastfreundschaft und die offene und lebhafte Diskussion. Als kleine Aufmerksamkeit bekamen alle Süßigkeiten – oder vielleicht auch Nervennahrung – für die anstehende Heimfahrt.
Wenn ich die Stunden gemeinsam mit den kirchlichen Würdenträgern mit 40 multipliziere, komme ich immerhin auf 320 Stunden. Mal sehen, wann mein Opa das mit seinen sonntäglichen Kirchgängen auch erreichen kann?!

Marius Wirth, Schülerpraktikant im Bereich Politik und Außenbeziehungen der Daimler AG


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