Heute diskutieren was uns morgen betrifft

Bild 1Als ich im Juni dieses Jahres per Mail eine Einladung zur „Engineering-Tagung“ der Hans Böckler Stiftung (in Kooperation mit der IG Metall) bekam, wusste ich noch nicht, was sich dahinter verbergen würde. Da sich die Agenda aber interessant las, es hatten sich Herr Dr. Weber (Forschungs- und Entwicklungsvorstand der Daimler AG) und Herr Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker angekündigt, habe ich mich für beide Tage angemeldet. Beim nächsten Treffen des AKU (Arbeitskreis Umwelt der Mitarbeiter) erfuhr ich dann mehr. Auch der AKU war aufgefordert, einen Beitrag zu leisten. Es sollte ein „Markt der Möglichkeiten“ stattfinden, an dem wir auch einen Stand haben würden. Das Thema der Tagung war „Umweltfreundliche Technik. Gute Arbeit. Mehr Nachhaltigkeit durch Mitbestimmung“ Die Tagung war speziell für Ingenieure entwickelt worden, die ja auch heutzutage den Spagat zwischen den Anforderungen einer sich ändernden Arbeitswelt und dem Problem der Entwicklung von umweltfreundlichen Technologien schaffen müssen. Eine erste Tagung fand im letzten Jahr bei Airbus statt, die Zweite bei uns im Mercedes-Event-Center in Sindelfingen. Tagungsteilnehmer waren vor allem Betriebsräte und Vertrauensleute aus ca. 50 Firmen aus ganz Deutschland. Viele hatten mit der Automobilindustrie zu tun, doch viele kamen auch aus ganz anderen Branchen.

Zum Auftakt der Veranstaltung gab es verschiedene Vorträge. Den Anfang machte Erich Klemm (Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Daimler AG). Er macht sich bei Daimler vor allem Gedanken darüber, wie wir den Übergang vom Verbrenner-Motor zum Elektromotor schaffen, ohne dass dabei die Mitarbeiter auf der Strecke bleiben. Ein Problem, das vor allem auf die Kollegen im Stuttgarter Motorenwerk zukommen wird.

Frau Schwitzer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, sprach die Probleme der Leiharbeit, der Arbeitszeitverkürzung, der Mehrarbeit und die damit verbundenen sozialen Aspekte, auch für Ingenieure, an.

Herr Dr. Weber informierte über die Bemühungen von Daimler, durch grüne Technologien, die Umweltproblematik in der Automobilindustrie zu lösen. Er stellte die verschiedenen Entwicklungs-Pfade wie Elektroantrieb, Wasserstofftechnologie, Hybridantrieb oder Range-Extender vor. Manchem Teilnehmer war dies etwas zu viel Werbung und zu wenig konkret.

Werbung in eigener Sache machte auch Herr Prof. Dr. von Weizsäcker. Er stellte, neben seinem neuen Buch „Faktor 5“, sein Konzept für ein umweltschonenderes und zukunftssicheres Wirtschaften vor. Seiner Meinung nach können wir vor allem durch Reduzierung unseres Energieverbrauchs bei gleichbleibendem Wohlstand 65 % CO2 einsparen. Weitere 30 % können wir bei der Energiegewinnung holen und um 5 % sollten wir unseren Wohlstand reduzieren. Weitere Inhalte waren der Ressourcenverbrauch in unserer westlichen Gesellschaft, die geringen Recyclingquote, vor allem auch bei Metallen, die Verteilungs(un)gerechtigkeit und die Möglichkeiten, diese zu überwinden.

Bild 2

Im Anschluss an die Vorträge gab es die Möglichkeit, mit den Vortragenden zu diskutieren und seinen eigenen Standpunkt darzulegen. Nach dem Ende der Diskussionsrunden konnten sich alle Teilnehmer den „Markt der Möglichkeiten“ ansehen. Etwa 10 Aussteller haben ihre Projekte oder Produkte vorgestellt. So war VW mit seinem BHKW (Blockheizkraftwerke als Ersatz für z.B. Ölheizungen) genau so vertreten, wie studentische Projekte, die sich mit dem Umwelt-Thema beschäftigt haben. Wir haben den AKU präsentiert und einige unserer Projekte wie z. B. den Leichtbausitz für den smart gezeigt oder neuartige LED-Leuchtstoffröhren vorgestellt, die kein giftiges Quecksilber mehr enthalten und nebenbei noch langlebiger und Strom sparender als herkömmliche Leuchtstoffröhren sind. Gefreut haben wir uns, dass sowohl Dr. Weber, als auch Herr Klemm den Weg zu unserem Stand gefunden haben. Leider war die Zeit von Dr. Weber sehr begrenzt.

Für die Gäste der Daimler-Entwicklung war nun Schluss, während die Teilnehmer der Tagung sich jetzt zu ihren verschiedenen Workshops getroffen haben, in denen es um Themen wie Global Engineering, Greentech und Weiterbildung, Lean Office und Ganzheitliche Produktionssysteme im Büro und andere ging. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen wurden dann am nächsten Tag präsentiert.

Die Ergebnisse der verschiedenen Workshops haben mir gezeigt, dass noch viele Fragen für eine ökologische und sozial verträgliche Zukunft offen sind und speziell auch Ingenieure als Innovationsentwickler hier ganz besonders gefordert sind. Hier ist eine Sensibilisierung und Schulung aller Akteure, seien es die Ingenieure selbst, die Vorgesetzten, die Personalabteilungen oder die Interessenvertreter ein wichtiger Anfang.

Mein persönlicher Abschluss war ein gemeinsames Mittagessen mit dem Stellvertretenden Betriebsratvorsitzenden von VW, mit dem ich über die Ökobilanzen von Elektrofahrzeugen diskutieren konnte. Er hatte dieses Thema auch in der Diskussionsrunde angesprochen und sehr deutlich die heute noch nicht gelösten Problematiken angesprochen.

So bin ich am Freitagnachmittag mit dem Gefühl zurück an meine Arbeit gegangen, dass die Veranstaltung der letzten zwei Tage ein konstruktiver Schritt in die richtige Richtung ist, wir aber noch einen weiten Weg vor uns haben.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
No votes yet.
Bitte warten...

Tags: , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. DigitalLife Day 2018: Die Zukunft bei Daimler (er-)leben!

    Rainer Hoferichter: Gibt es Videomitschnitte des Tages?? Für alle die Zuhause bleiben mussten :-(

  2. 20 Jahre smart: 20 years of thinking forward

    A.Hohnwald: 3std Anfahrt nach Hambach mit der gesamten Familie um die heiligen Hallen...

  3. 20 Jahre smart: 20 years of thinking forward

    Ursula Bauer: Auch ich bin seit Jahren überzeugte Smartfahrerin und werde mich leider ab...

  4. 20 Jahre smart: 20 years of thinking forward

    Andre Ruiters: Schon komisch das Frau Winklers Eindruck von dem Treffen ein ganz anderer...

  5. 20 Jahre smart: 20 years of thinking forward

    Dieter Porr: Als langjähriger Mitarbeiter in Wörth und nun schon seit etlichen Jahren Rentner,...