Leben und Arbeiten im Truck

Der Truck im Fernverkehr ist das einzige Fahrzeug, in dem gearbeitet und gelebt wird. So wird für den Trucker, der über Wochen hinweg auch in unterschiedlichen Ländern und Klimazonen von seiner Heimat entfernt ist, der Arbeitsplatz zu einem zweiten Zuhause. Da Arbeits- und Wohnbereich relativ klein sind, werden besondere Anforderungen an die Gestaltung eines Fahrerhauses gestellt.

Zudem müssen gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich des Fahrerarbeitsplatzes erfüllt werden. Hierzu zählen zum Beispiel eine gute Sicht oder eine gute Erreichbarkeit von Instrumenten. Es müssen aber auch ebenso die menschlichen Bedürfnisse, wie zum Beispiel Essen, Trinken und Schlafen berücksichtigt werden.

Selbstverständlich gibt es weitere Bedingungen, die beachtet werden müssen, aber nicht von uns beeinflusst werden können. Dazu zählen die Infrastruktur, Rast- und Autohöfe, die Anzahl und Ausrichtung der Parkplätze, Toiletten usw.

Als Hersteller von Nutzfahrzeugen können wir nur Einfluss auf die Gestaltung der Fahrkabine nehmen. Wir möchten im Folgenden einen kleinen Einblick in die Arbeits- und Vorgehensweise der Forschung und Entwicklung zu dieser Thematik geben. Was bedeutet es, wochenlang mit dem Truck „On the Road“ zu sein? Vielleicht sogar in unbekannten und teilweise gefährlichen Ländern, deren Sprache und Sitten man nicht kennt. Genau solchen Fragen stellen wir uns auch und scheuen uns nicht davor, solche Erfahrungen selbst zu erleben, damit wir uns besser in den Alltag eines Fernverkehrsfahrers hineindenken können. Denn nur aus diesem Verständnis heraus können wir Ideen entwickeln und Innovationen realisieren, um das Fahren, Regenerieren und Schlafen im Truck zu verbessern.

Fahren und Regenerieren im Truck

Ein Hauptaugenmerk wurde auf das Autobahnfahren gelegt, was sehr stark durch Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverbote gekennzeichnet ist. Dies führt dazu, dass Trucks vermehrt in Kolonnen fahren, wodurch der Blick des Fahrers deutlich eingeschränkt wird. Eine Folge davon ist eine erhöhte Schläfrigkeit aufgrund der Monotonie.

In einer Fragebogenstudie wurden 250 Trucker an Rast- und Autohöfen von den Diplom-Psychologinnen Nina Jellentrup und Jenna Lüttgen nach den Begleiterscheinungen ihrer monotonen Fahraufgabe und ihren Reaktionen darauf interviewt. Wissenschaftlich begleitet wurde diese Befragung von dem renommierten Verkehrspsychologen Prof. Hans-Peter Krüger des Instituts für Verkehrswissenschaften an der Universität in Würzburg. Anhand der Ergebnisse aus der Befragung konnten wir einige Gegenmaßnahmen entwickeln. Der Einsatz eines Massagesitzes, die Installation einer vitalisierenden Beduftungsanlage und die Darbietung von aktivierender Musik sind nur ein paar Beispiele. Die Wirksamkeit der Maßnahmen haben wir anschließend in einem realen Fahrversuch im Alltagsbetrieb bei einer großen Spedition überprüft.

Schlafen im Truck

Der Schlaf eines Truckers in der Nacht ist oft nicht optimal. Das führt mit der Zeit zur Müdigkeit auch am Tage, also während der Fahrt. Ursachen für einen mangelnden Schlaf gibt es natürlich viele. Wir haben uns auf den Lärm auf Rastplätzen und die Schlafgewohnheiten des Fahrers konzentriert.

Gemeinsam mit dem international bekannten Schlafforscher Prof. Jürgen Zulley vom Institut für Schlafforschung der Universität Regensburg haben wir erstmals Schlafstudien in einem Actros 1860 durchgeführt, den wir zwecks dieser Studie zu einem „rollenden Schlaflabor“ umgebaut haben. Es ergaben sich wichtige Erkenntnisse über die Schlafqualität und das Schlafverhalten, die für die zukünftige Konstruktion von Fahrkabinen genutzt werden können. Für einen gesunden und erholsamen Schlaf ist neben einem qualitativ hochwertigen Bett auch eine entsprechende Lärmdämmung und eine optimale Klimatisierung mit genügend Frischluft notwendig. Somit kann automatisch das Leistungsvermögen des Truckers am nächsten Tag verbessert werden.

In Zusammenarbeit mit renommierten Wissenschaftlern unterschiedlicher Fakultäten, Psychologen und vor allem den Truckern haben wir wertvolles Wissen sammeln können, um den Bedürfnissen eines Truckers besser gerecht zu werden. Dies soll dazu beitragen, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Lkw-Fahrer zu verbessern. So leisten wir einen Beitrag dazu, dass die Sicherheit beim Fahren von Trucks weiter verbessert wird und Trucks wirtschaftlicher gefahren werden können. Auch das haben wir in Fahrstudien nachweisen können.

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