Apfelmus für die Sicherheit

Was passiert, wenn ein Lkw über einen Apfel fährt? Na klar, es gibt Apfelmus. Da grinst jeder Erwachsene und stellt fest, wie schlau die Kleinsten schon sind. Das ist der erste Gedanke, den die Kinder des Don Bosco-Kindergartens  als  letzte Woche in Wörth am Rhein morgens laut in die Runde rufen, bevor ein Axor die Frucht zu Püree zermalmt.

Walfried Hoffmann und Joachim Haas vom Team „ProfiTraining“ für Mercedes-Benz Lkw  im Werk Wörth erklären den 50 Jungen und Mädchen zwischen zwei und sechs Jahren den toten Winkel und demonstrieren Größe und Kraft eines Lasters. „Kinder & Lkw“ nennen sie diese Aktion zur Verkehrssicherheit. Im Pkw-Bereich hat vor kurzem die Mercedes-Benz Driving Academy das Programm „RoadSense“ in Deutschland ins Leben gerufen, das  Schüler zwischen 13 und 15 Jahren für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisiert und sich mit Bedingungen des sicheren Mitfahrens beschäftigt.

Seit knapp vier Wochen bin ich nun als Praktikantin in der Abteilung „Wirtschaftskommunkation Nutzfahrzeuge“ tätig und habe zum ersten Mal Kontakt „zum Produkt“. Klar, auf der Autobahn rauscht man an den Brummis vorbei und ärgert sich über Elefantenrennen und blockierte Spuren. Aber als heute auf einem Wendehammer plötzlich ein 18-Tonner mit Auflieger vor mir steht, da blicke ich mit Respekt nach oben und fühle ich mich mit meinen 1, 60 Meter Körpergröße den Kindern näher als den Erwachsenen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Meterangaben für Länge, Breite und Höhe eines Lkw sind schwer einzuschätzen. Deswegen stellen sich die Kinder Schulter an Schulter und stellen fest: Sieben Mädchen und Jungen sind nötig, um die Breite eines Lkw abzumessen, ungefähr 70 Schritte sind es, bis sie diesen einmal umrundet haben. Fazit: Ganz schön groß so ein Laster.

Ich bin beeindruckt, als der Lkw eine Kurve fährt, um den gefährlich großen Wendekreis zu demonstrieren. So habe ich das selbst noch nie gesehen. Zu meiner Schulzeit bestand Verkehrserziehung lediglich aus der Regel, nach links und rechts zu schauen, wenn ich die Straße überqueren will.

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Danach sollen die jungen Teilnehmer Pylonen in einer Reihe vor dem Fahrerhaus aufstellen. Ich stelle mit Freuden fest, dass manche Dinge sich eben doch nicht ändern. Pylonen sind nach wie vor super Tröten oder neudeutsch Vuvuzelas. Bei dieser Aktion geht es ja schließlich darum, den Kindern spielerisch etwas beizubringen. Als dann alle Pylonen an ihrem Platz  stehen, geht’s los. Einmal selbst auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Ein Riesenlenkrad, viele Knöpfe und Schalter und nach vorne erstaunlich wenig Sicht. Nur noch wenige der orangenen Hütchen sind von dort oben noch für die Kinder einsehbar. Deswegen lautet die Regel: „Wenn ich den Fahrer nicht sehe, kann er mich auch nicht sehen“.

Weiter geht’s zum Actros. Ich nutze nun selbst einmal die Chance und schaue mir das Innere an. Über die Alu-Leiter als Einstieghilfe bin ich bei einer Lkw-Höhe vergleichbar mit vier Kindern sehr froh. Als ich endlich sitze, stellt sich ein tolles Gefühl ein: Ich fühle mich mächtig und erhaben. Wahrscheinlich liegt das aber eher daran, dass ich einmal größer bin als alle anderen.

Der Höhepunkt ist sicher die Vorführung mit Apfel und Fahrradhelm. Ein bisschen verloren sieht der kleine Apfel neben dem riesengroßen Reifen des Lkw aus. Der Axor fährt im Schneckentempo an, ein kurzes Krachen und Knirschen, dann sind Apfel und Helm mühelos wie ein Käfer unter der Schuhsohle zerquetscht. Auch wenn ich das Ergebnis schon vorher kenne, löst dieses Bild irgendwie ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aus.

Nach zwei Stunden ist das Spektakel vorbei und die Kleinen sind etwas müde, aber auch um einige Erfahrungen reicher. Langsam bewegt sich der bunte Haufen mit den hellgrünen Mützchen zurück in den Kindergarten.


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