GASTBEITRAG: Bergrallye unter Strom

Anlässlich der diesjährigen, erstmalig stattfindenden 3-tägigen 1. Rallye für Fahrzeuge mit E-Antrieb im Rahmen der 13. Silvretta Classic Rallye im österreichischen Montafon, war mir als Blogger die Möglichkeit gegeben, einen Smart electric drive am 1. Tag zu pilotieren.

Passend zur Veranstaltung war ich für zwei Tage angereist, um auch gleich der Eröffnungsveranstaltung am Vortag auf einer Berghütte, wohin der Veranstalter – die Autozeitung Auto Motor und Sport – geladen hatte, beizuwohnen.

Drei Tage, 159 Kilometer und rund 2.500 Höhenmeter hieß es zu bewältigen. Die B-Klassen und die Smart electric drive sollten mit dieser Aufgabe wohl die geringsten Probleme haben, zumal ich beide Typen an Fahrzeugen bereits im Vorfeld schon mehrmals bewegen konnte. Bergstrecken mit den Smart electric drive war ich zuvor jedoch nur die Steigung zum Casino in Monaco gefahren – mit der Alpenwelt in Österreich nicht ganz zu vergleichen.  Da ich die bisherigen Versuchsfahrzeuge von Daimler bereits kannte, dürfte die Zuverlässigkeit des SLS E-CELL, dessen Fahrzeug ja noch im Entwicklungsstadium  ist, wohl den anderen Fahrzeugen in nichts nachstehen.

Unser Fahrzeug, ein Smart electric drive, stand aufgeladen im Teilnehmerzelt in Partenen bereit. Normale angegebene Reichweite: 135 km, im Mittel. Mein Beifahrer war ein Mitarbeiter der Daimler AG, den ich bereits am Vorabend auf der Berghütte habe kennenlernen dürfen.

Vor der eigentlichen Rallye hieß es jedoch erst mal, das Briefing im „Vallülasaal“ des örtlichen Stromlieferanten in Partenen zu absolvieren, um Besonderheiten der Wegstrecke – aber auch der zahlreichen Wertungsübungen, die es zu absolvieren hieß, mitzubekommen.

Insgesamt 3 Wertungsprüfungen wären demnach bei der ersten Etappe von knapp 62 Kilometer zu bewältigen, zuzüglich einer „Geheimen“ Prüfung, dessen Örtlichkeit noch nicht bekanntgegeben worden ist.

Nachdem das Teilnehmerfeld der Oldtimer unterwegs war, hieß es, die E-Autos in die Startaufstellung zu bringen. Unser Smart electric drive musste also aus dem Zelt hinaus, wenige Meter weiter in die Startaufstellung. Und da war er wieder, der Effekt: Losfahren, und keiner hört es, egal mit welchen Fahrzeug mit Elektroantrieb man unterwegs ist. Genau dieser Augenblick fasziniert jedes Mal. Dabei ist es egal, ob ein Smart losfährt, oder eben ein Entwicklungsträger des E-CELL SLS. Losrollen, kein Ton, lediglich der Holzboden des Zeltes knarzte ein wenig. Gerade das Anrollen fasziniert. Wer bereits in den Genuss gekommen ist, ein Fahrzeug mit E-Motor zu fahren, weiß von was ich hier erzähle.

In der Startaufstellung sah man die anderen 24 Teilnehmerfahrzeuge, neben die der  Daimler AG durchaus mir bekannte Namen wie Audi e-tron, Tesla Roadster oder auch das Mitsubishi i-MiEV oder der e-Mini. Aber auch mir ganz unbekannte Fahrzeuge, wie ein Tazzari Zero oder Citycom CITYEL-LI waren dabei. Faszinierend, auf welche Namensideen hier die Hersteller kommen. Wer hatte davor schon mal von einen Protoscar Lampo 2 gehört, oder gar Think City? – Doch genau um das ging es bei dieser Rallye auch: den zahlreichen Zuschauern am Wegesrand die Fahrzeuge vorzustellen  und deren Interesse zu wecken.

Gegen 12:50 Uhr war unser Smart an der Reihe, auf die Wegstrecke geschickt zu werden. Erstes Ziel: Die Innenstadt von Bludenz, wo die Fahrzeuge den Zuschauern in der Fußgängerzone vorgestellt werden sollten. Über Bartholomäberg und Silbertal ging es dann zurück nach Schruns.

Der Smart selbst absolvierte die komplette Strecke problemlos, nach entsprechenden Bergauf und -abfahrten stand am Nachmittag, nach der Absolvierung der Strecke, noch immer eine Leistung von 75 % auf der Anzeige. Bis auf die letzten 20 km fuhren wir ohne Klimaanlage, wir öffneten lediglich die Seitenfenster, um erst mal unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden. Bergabfahrten wurde für Energierückgewinnung genutzt, um möglichst sparsam unterwegs zu sein. Im Grunde war diese Sparsamkeit aber mehr als sinnlos: Energie war für die Tagesetappe durchaus ausreichend vorhanden.

Bei der Wegstrecke warteten noch 4 Wertungsprüfungen auf uns – gar kein Problem, wir hatten ja 2 Stoppuhren dabei, doch das funktionierte dann nicht wirklich – eine Stoppuhr setzte aus, schon stimmten die Zeiten nicht mehr, an denen ich mich als Fahrer orientieren konnte. Eine Wertungsprüfung gestaltet sich folgendermaßen: Für eine Wegstrecke von z.B. 100 Metern hat man 10 Sekunden Zeit – jedes Hunderstel an Über- oder Unterschreitung kostet einen Strafpunkt. Gemessen werden die Zeiten anhand von Lichtschranken oder klassischen Schläuchen, die man überfahren muss. Knifflig wird es, wenn man mehrere Wertungsprüfungen hintereinander hat, sodass man diese mit 2 Stoppuhren stoppen muss.

Mein persönliches Fazit:

Der Smart electric drive hat meine Meinung wieder bestätigt:  Für die Zwecke, im urbanen Verkehr, für was er gedacht ist, gibt es für mich nichts Besseres. Der Kofferraum entspricht der normalen Serienversion und es passt mehr rein, als man denkt. Auch in den Alpen hat diese Art der Motorisierung gezeigt, dass genau diese Herausforderung gemeistert wird – doch das war mir davor schon klar.

Nun such ich noch jemanden, der mir den Smart electric drive für eine Woche mal für meinen Alltagsbetrieb hinstellt – täglich auf die Arbeit – ganz knapp an der Reichweitengrenze.  Träumen kann man ja noch….

Markus Jordan, Finanzwirt und Blogger bei Mercedes-Benz Passion Blog


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