GASTBEITRAG: AutomotiveRELOADED – OpenSpace für kreative Querdenker

Was wird es 2020 im Automotive Bereich nicht mehr geben? Neue Geschäftsmodelle durch vernetzte Autos mit der Umwelt. Alternative Reisemöglichkeiten der Zukunft – das waren drei von insgesamt 17 Themen die am Donnerstag, 17. Juni in der Phoenixhalle in Stuttgart bearbeitet wurden.

T-Systems, die Universität St. Gallen, das Branchenmagazin AutomotiveIT und wir, das Enterprise 2.0 Expertennetzwerk doubleYUU, luden zu einem OpenSpace mit dem Thema „AutomotiveRELOADED – Networks of the future“. Es kamen rund 100 Teilnehmer aus den Branchen Automotive und IT um in einem offenen Format innovative Ideen zu entwickeln und zu diskutieren.  Außer dem Oberthema und einer Keynote gab es keinerlei Agenda und Programmpunkte.

In einem OpenSpace sollen die Teilnehmer interdisziplinär in einer offenen, hierarchiefreien und kreativen Arbeitsweise Ideen entwickeln und in Projekte überführen. Jeder kann sich einbringen, jede Idee zählt. So ist es also durchaus denkbar, dass der Student für einen Moment wichtiger ist als der Abteilungsleiter.  Bei einem OpenSpace  zählt der Inhalt,nicht der Status. Die dabei entstehende Energie ist intensiv und erzeugt Aufbruchstimmung. Mobilität ist eine wichtige Komponente dabei und stellte an diesem Tag also eine gute Brücke zu dem Oberthema her. Durch das sogenannte „Gesetz der zwei Füße“ wird jeder Teilnehmer motiviert eine Gruppe auch wieder zu verlassen, sich woanders einzubringen (mehr zum OpenSpace).

Besonders kreativ ging es in der Gruppe „Omas Auto“ zu – diese beschäftigte sich mit den nahenden Herausforderungen des demographischen Wandels. Die Fragestellung „wie könnte man eine sich an den Fahrer anpassende Armatur entwickeln“ (für die Großeltern mit einer großen Tachometeranzeige, für die Enkel dürfen es auch der Drehzahlmesser und die Batteriekapazität sein), führte die Diskutierenden zu der Gruppe „Individualität im Fahrzeug durch IT“.

IMG_1695Automotive Reloaded

Als Höhepunkt der Gruppe wurde eine Idee geboren, die sich mit Augmented Reality beschäftigt, also  mit einer digital veränderten Realität.

So könnte man die Scheiben, den Rückspiegel und die Seitenspiegel so mit Projektionsmitteln ausstatten,  dass man als Fahrer eine Mischung aus Realität und virtueller Welt sieht. Bei Nebel bekomme ich beispielsweise ein klares virtuelles Bild meiner Umgebung auf die Scheiben projiziert. Weitergedacht kann ich aber auch das virtuelle Aussehen meines eigenen Autos ändern – sodass die Fahrer in meiner Umgebung auf ihren Scheiben das Design meines virtuellen und nicht meines echtes Auto sehen. Aus Fahrersicht sieht das Fahrzeug dann plötzlich aus wie der Silberpfeil oder wie ein schwarzer SL 500.

IMG_1833Automotive Reloaded

Weitergedacht fährt der Chef unter der Woche mit seinem Firmenlogo auf der Karosserie eines SL 500 und am Wochenende in den Farben des VfB Stuttgart (ok – ich als Hamburger mit St. Pauli-Logo). Der Clou dabei: alle anderen Fahrer sehen durch ihre Scheiben ebenfalls das eingestellte Design, denn die Projektionsmittel auf den Scheiben und Rückspiegeln der Fahrzeuge gehören zur Serienausstattung eines jeden Fahrzeugs der Zukunft. Ich sehe also die eingestellten Designs meiner Mitfahrer und diese sehen meines. So könnte man z.B. auch im Internet Designs gewinnen und sofort auf sein Auto downloaden. Sieht so die Individualität der Zukunft aus?

Bei allen guten Ideen stellt sich natürlich die Frage der Umsetzbarkeit. Wir hatten in diesem OpenSpace viele IT-Spezialisten dabei, hier wäre die Sicht von Entwicklungsingenieuren ebenfalls spannend gewesen. Auch die Sicherheit ist natürlich ein großes Thema. So wäre es fatal nebst einer neuen Augmented-Karosserie einen Virus zu laden, der bei voller Fahrt eine Vollbremsung veranlasst.

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Als ein Beispiel dafür, wie die aus dem Mitmachweb geprägten Schlagwörter Offenheit – Transparenz – Vernetzung auch in der Automobilbranche angewendet werden, findet sich der amerikanische Autohersteller Local Motors. Mit weniger als 50 Angestellten schaffte man es in 18 Monaten ein Fahrzeug zu entwerfen, das Serienreife und Straßentauglichkeit bewies. Mit einer wachsenden Zahl von Fans, Unterstützern und Hobby-Designern stemmte man dieses Projekt, das vollkommen transparent und offen über die eigene Homepage und den eigenen Youtube Kanal gemanagt wurde. Das produzierte Modell, der Rally Fighter, ist das erste OpenSource-produzierte Automobil unserer Zeit. Mehr dazu gerne in meiner Keynote, die ich an diesem Tag gehalten und auf Slideshare gestellt habe:


Mit diesen Eindrücken schließe ich nun den Bericht über diesen OpenSpace. Wenn Sie an der Weiterarbeit der Ideen und den genannten Projekten Interesse haben, so ist dies herzlich gerne möglich. Auf der Facebookseite AutomotiveRELOADED – Networks of the future haben wir alle Themen unter dem Reiter Diskussionen angelegt und entwickeln diese weiter. Der nächste OpenSpace ist bereits in Planung für Oktober – sehen wir uns?

Dann schreiben Sie bitte jetzt eine Email an Anja.Hahn[ät]doubleYUU.com warum Sie dabei sein sollten.

Über den Autor:

Dr. Willms BuhseDr. Willms Buhse ist Enterprise 2.0 Experte und Gründer von doubleYUU, einem Beratungsunternehmen spezialisiert auf die Einführung von Prinzipien des Web 2.0 in Unternehmen.

Von 2003 bis 2008 war er in der Geschäftsleitung von CoreMedia, einer Beteiligung der Deutschen Telekom. Zuvor war Dr. Willms Buhse über fünf Jahre bei der Bertelsmann AG in Gütersloh, Hamburg und New York sowie bei Roland Berger. Dr. Buhse ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher, u.a. des Standardwerks „Enterprise 2.0 – die Kunst loszulassen“.


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