Ein Kamel namens Erika (2)

[ Hier gehts zum 1. Teil]

…oder der 3. Platz mit einem 32 Jahre alten Mercedes-Löschfahrzeug  bei der Allgäu-Orient- Rallye

Am 10.05. starteten wir morgens um 06:00 Uhr Richtung jordanische Grenze. Hier hatten wir zum ersten Mal seit Beginn der Reise Regentropfen auf der Scheibe. Unserem LF spendieren wir 2 Liter Öl (insgesamt haben wir nur 4 Liter auf 6000 km gebraucht). Zwei Stunden später erreichten wir an der jordanischen Grenze, wo aufgrund des hohen Bekanntheitgrades der Rallye ein Ferrsehteam zum Interview auf uns wartete.

Wir begrüßten unsere nachgereisten Fans und Familienangehörige, die den Rest der Reise mit uns verbrachten. Nach kurzer Stärkung stand nun das nächste und letzte Etappenziel der Rallye an – die Wüste Wadi Rum am südlichen Ende Jordaniens –  die wir vor Einbruch der Dunkelheit erreichen mussten.

Auf dem kerzengeraden Highway überraschte uns dann ein Sandsturm. Es war nahezu unmöglich, die Geschwindigkeit zu halten, da wie aus dem Nichts immer wieder Hindernisse auf der Strasse auftauchten. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir endlich die vermeintlich gut beschriebene und ausgebaute Strasse durch die Wüste Wadi Rum, die uns zum Camp führen sollte. Also, Allrad rein und los ging die spaßige Fahrt. Unser LF wühlte sich ohne große Anstrengungen durch die vom Sandsturm aufgehäuften Sandberge.

Nicht ganz so gut erging es den “ normalen“ Rallye- PKWs: nach ca. 5 km lagen schon die ersten Stoßstangen und Auspuffe auf der Strasse. Als mindestens 40 Fahrzeuge im tiefen Sand strandeten, entschied sich unser  Team dazu, die Fahrzeuge an die Seite zu fahren und in der Wüste zu übernachten. Dank Notstromaggregat und mitgebrachter Dosenwurst kein Problem.

Der Ausblick auf die wunderschöne Wüstenlandschaft am nächsten Morgen entschädigte uns für die Torturen der letzten Tage. Das Thermometer kletterte schon in den Morgenstunden auf über 30°C. Die gestrandeten Fahrzeuge wurden über Nacht von der Wüstenpolizei geborgen. So konnten wir die restlichen 20 km bis zum Camp ohne Zwischenfall hinter uns bringen.

Auf der angrenzenden Kamelrennbahn fand dann die letzte Sonderprüfung statt und wir konnten unser Lösungsbuch und die Wein- und Wasserflaschen an das Organisationskomitee übergeben. Bei der Sonderprüfung galt es, einen Rundkurs auf Zeit zu absolvieren und dabei Geschicklichkeitsübungen abzulegen. Da wir unseren LF nicht unnötig strapazieren wollten, wurde es von diesen Prüfungen befreit. Die beiden Volvos erledigten die Aufgaben mit Bravour.

Der offizielle Teil der Rallye war vorüber, wir reisten mit unseren Fahrzeugen über Aqaba am Roten Meer, Madaba (berühmte Mosaikstadt), das Tote Meer (gut für Nichtschwimmer), Petra (Indiana Jones hat seine Spuren hinterlassen), dem Mount Nebo (hier hat Gott laut Bibel, dem Moses das gelobte Land gezeigt) nach Amman. Dort fand am 16.05. die Siegerehrung statt.

Kurz vor Amman besuchten wir natürlich unseren Erwin (ein Kamel), welchen zwei unserer Teammitglieder bei der ersten Rallye gewonnen hatten. Erwin ist nun schon 4 Jahre alt und hat sich sichtlich darüber gefreut, dass ihn seine Besitzer aus dem fernen Deutschland besuchen (zumindest hatten wir den Eindruck). Er hat sich hingelegt und sich streicheln lassen. Die Hartgesottenen unter uns probierten einen Schluck Kamelmilch, die angeblich gut schmeckte.

Auf dem Parkplatz des Regency Palace Hotels in Amman hatten sich alle Rallyefahrzeuge versammelt. Neben vielen W 126, W124 und 190ern (unsere Marke stellte die meisten Fahrzeuge) waren auch einige Volvos vertreten. Von den 256 gestarteten Fahrzeugen, darunter auch 8 Motorräder, waren nur 17 Stück durch Defekte gestrandet. Und, noch viel wichtiger, es gab keine Unfälle bzw. Verletzte!

Wichtig war nun, die Fahrzeuge auszuräumen, die Nummerntafeln abzunehmen (um die Fahrzeuge in Deutschland abmelden zu können) und sich langsam aber sicher von den treuen Gefährten zu verabschieden. Unser LF fuhren wir zu einem Stützpunkt der Civil Defense, wo es gleich von der Mannschaft der jordanischen Feuerwehr neugierig inspiziert wurde.

Der Rettungsdienst ist in Jordanien anders geregelt, als bei uns in Deutschland. In der „Civil Defense“ sind der Rettungsdienst, die Feuerwehr und gewisse militärische Aufgaben, in einer Behörde zusammengefasst. Es gibt keine „Freiwilligen“, die wie bei uns, feuerwehrtechnischen Aufgaben in kleineren Gemeinden und Städten übernehmen.

In einer großen und eindrucksvollen Zeremonie konnten wir dann am 16.05.2010 im Hauptquartier der Civil Defense unser LF 16/TS  feierlich an Major General Abdalla Suleiman Abdalla Al-Hamadneh übergeben. Auch hier war das Fernsehen und die Presse zahlreich vertreten und ein Foto von uns gelangte sogar in die größte jordanische Tageszeitung.

Am folgenden Abend fand auf dem Gelände des königlichen Automuseums die Siegerehrung der 5. Rallye Allgäu-Orient statt. Nach der Besichtigung der ausgestellten Fahrzeuge nahm der Agrarminster in Vertretung der durch die Aschewolke in London gestrandeten Prinzessin Basma die Ehrungen vor.

Und  siehe da- von 97 gestarteten Teams erreichten wir den 3. Platz!!

Voller Stolz konnten wir ein aus Bronze gegossenes Kamel in Empfang nehmen, welches wir sogleich auf den Namen „Erika“ tauften. Kaum am 18.05. in Deutschland angekommen, meldete sich auch schon der SWR, um eine kleine Reportage über uns für die Landesschau zu drehen. Der Bericht wurde am 21.05. gesendet.

Ich möchte zum Schluss noch einige Erfahrungen weitergeben, vielleicht spielt ja der eine oder andere mit dem Gedanken, an der Rallye 2011 teilzunehmen www.allgäu-orient.de: Die Rallye ist zwar als Low-Budget-Rallye konzipiert, aber es muss sich jeder im Klaren darüber sein, dass doch einige Kosten (Fahrzeugkauf, Visas, Rückflug, Treibstoff, Übernachtungen, evtl. Ersatzteile, usw.) auf ihn zukommen. Ich schätze, dass bei uns die Gesamtkosten zu ca. 35 % von  Sponsoren gedeckt wurden.

Also, frühzeitig Werbung machen um Sponsoren an Land ziehen! Die Impfungen nicht vergessen! Und in den meisten Unterkünften, vor allem in Asien, bietet es sich an, mit dem Schlafsack im Bett zu übernachten. Nicht wegen der Temperaturen, sondern eher wegen den kleinen Mitbewohnern…

So, das war mein Bericht über eine für mich unvergessliche Erfahrung. Wer Interesse hat; wir veranstalten am 23.07.2010 im Treffpunkt Stadtmitte in Wendlingen am Neckar eine„After-Rallye-Party“, wo der von uns gedrehte Film vorgestellt wird. Ich freue mich auf euch!


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