Ein Kamel namens Erika

…oder der 3. Platz mit einem 32 Jahre alten Mercedes-Löschfahrzeug  bei der Allgäu-Orient- Rallye

Am 30.04.2010 startete zum 5. Mal die  Allgäu-Orient Rallye in Oberstauffen. Ziel dieser Rallye  ist es, mit dem Erlös aus dem Verkauf der mind. 20 Jahre alten Rallyeautos eine Molkerei in Jordanien, in der Nähe der Hauptstadt Amman, zu unterstützen.

In diesem Jahr startete unser Team STR-AMM , welches aus 7 Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Wendlingen am Neckar bestand, neben 2 PKWs auch mit einem ehemaligen Löschfahrzeug, einem Mercedes 1017 AF, Baujahr 1978. Das Fahrzeug verrichtete noch bis zum 26.03.2010 zuverlässig seinen Dienst und wurde dann durch ein modernes LF 10/6, Mercedes Atego 1229, abgelöst. (Ein anderes Team mit Daimler-Mitarbeitern hatte seine Eindrücke schon hier dokumentiert.)

Die Idee, mit diesem Fahrzeug an der Rallye teilzunehmen, wurde 2009 geboren. Was folgte, waren unzählige Sitzungen, um diese Reise – welche uns über insgesamt 6000 km durch 11 Länder führen sollte – zu planen. Dabei gab es manchen Stolperstein zu überwinden, wie z.B. das Fahrverbot für LKW an Sonn- und Feiertagen, das Fahrverbot über die alte Brennerstrasse,  die Zollausfuhrerklärung und die Ladeliste in verschiedenen Sprachen.

Am 30.04. war es soweit, wir starteten gegen 09:30 Uhr mit der Startnummer 1 in Oberstauffen. Beim Start wurde jedem Team eine Roadbook, ein Lösungsbuch und eine Einwegkamera ausgehändigt. Das Roadbook gilt es genauestens zu studieren, da jede erfüllte Aufgabe später mit Punkten belohnt wird. Bei dieser Rallye geht es nicht um Schnelligkeit. Auf dem Treppchen landen nur diejenigen, die die Sonderaufgaben, wie z.B. ein türkisches Kinderlied vor laufenden Fernsehkameras singen, ein Foto des Teams inklusive der Fahrzeuge auf einem Sportplatz schießen (wobei auf dem Foto ein Ball zu sehen sein muss), aus jedem durchquerten Land eine Flasche Wein und eine mit Wasser mitbringen usw.. Solche Aufgaben galt es zu lösen, wobei wir alles im Lösungsbuch sauber dokumentieren mussten.

Die Grundregeln besagten auch, dass die Fahrzeuge einen Wert von 1111 € nicht übersteigen dürfen bzw. mindestens 20 Jahre alt sein müssen – zudem ist die Benutzung von Autobahnbenen und Navis tabu.

Wir hatten als einziges Team, welches mit einem LKW startete, keine Sonderregelung. Dies wollten wir auch nicht.

Unser erstes Ziel war unsere Partnerstadt Millstatt in Österreich, welche wir am Abend erreichten. Am nächsten Morgen ging es über Slowenien nach Ungarn, wo wir dann abends eine Unterkunft fanden, welche das vorgeschriebene Budget von 11 € pro Übernachtung nicht sprengte.

Unser immerhin schon 32 Jahre altes AF, mit 22 000 km auf der Uhr gestartet, lief von Tag zu Tag besser. Der Verbrauch pendelte sich auf der Ebene bei ca. 25 l/100 km ein, in den Bergen, vor allem ging es in der Türkei bis auf 1600 Höhenmeter hoch, betrug er auch mal bis zu 40 l/100 km.

Nach der Durchquerung von Ungarn verlief die Reise weiter über Rumänien, Bulgarien und Griechenland in die Türkei, wo wir in der Millionenmetropole Istanbul einen wohlverdienten Ruhetag einlegten.

Das türkische Fernsehen, welches ebenfalls mit einem Team gestartet war, hatte bei dieser Ruhepause die Möglichkeit, die Teilnehmer zu interviewen und eine Sondersendung im türkischen TV-Kanal TRT zu senden.

Nach dem Ruhetag ging es mit einem Le-Mans-Start wieder los. Nachem einem Gruppenbild vor der berühmten „Blauen Moschee“ geschossen wurde, mussten wir zügig die Fähre über den Bosporus zu erreichen, welche uns nach 15minütiger Überfahrt auf die asiatische Seite der Türkei brachte.

Obwohl es einen kleinen Umweg bedeutete, ließen wir uns Kappadokien nicht nehmen, wonach wir in der Millionenstadt Kayseri eine Sonderaufgabe zu erledigen hatten.

In der Grenzstadt Kilis übernachteten wir ein letztes Mal in der Türkei (allerdings in Schlafsäcken, die 3 Sterne hatte das Hotel wohl vor 50 Jahren bekommen). Aufgrund von Erfahrungsberichten früherer Rallyeteilnehmer, klebten wir unsere Blaulichter ab, um keine Schwierigkeiten an der Grenze zu bekommen. Auch tankten wir unsere Fahrzeuge voll (in der Türkei kostet der Liter Diesel 1,50 €), da es Gerüchten zufolge in Syrien sehr schwierig ist, Diesel zu bekommen.

An der Grenze hatten wir dann keinerlei Probleme. Nach einer Stunde hatten wir syrischen Boden unter den Füßen. Leider stellten wir dabei auch fest, dass der Liter Diesel nur 0,40 € kostet und in rauen Mengen vorrätig war.

Am ersten Bahnübergang sahen wir Spuren, die auf 2 aufgerissene Ölwannen hindeuteten. Es stellte sich heraus, dass ein Team in der Nacht mit ihren 2 190ern wohl ein wenig zu schnell unterwegs war und den Bahnübergang als Schanze genutzt hatte. Doch selbst in Syrien scheint die Ersatzteilversorgung kein Problem zu sein, an beiden Fahrzeugen wurde die Ölwanne getauscht und das Team konnte die Rallye fortsetzen.

Die nächste Sonderaufgabe stand an:  Wir durften in Salamiyah einem Kinderheim die mitgenommenen Kinderrollstühle übergeben. Die Freude war entsprechend groß. Der weitere Weg führte uns durch die Wüste in die weltberühmte, von den Römern erbaute Oasenstadt Palmyra. Es ist erstaunlich, aber die Ruinen sind frei zugänglich, d.h. man kann mit den Fahrzeugen direkt an den Ruinen parken, und das alles kostenlos.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf, um unser nächstes Ziel, Damaskus, gegen Mittag zu erreichen. Auf dem Weg dorthin fiel uns auf, dass sehr viele Rundhauber im Einsatz waren. Es kamen Erinnerungen an unseren alten 1013er auf, welcher als Tankwagen in Afrika immer noch treu seinen Dienst tut – und das im Alter von immerhin 37 Jahren! Die Straße nach Damaskus säumten unzählige LKW-Werkstätten, die allerdings nicht ganz unseren europäischen Standards entsprachen.

In Damaskus angekommen, hatten wir trotz zweitem Ruhetag, mehrere wichtige Aufgaben zu erledigen. Es galt, ein bestimmtes Hamam zu finden und unseren Besuch dort mit der Einwegkamera zu dokumentieren. Danach musste der Film entwickelt werden, um dann anschließend die Fotos in das Lösungsbuch zu kleben. Das Lösungsbuch sollte sauber und leserlich ausgefüllt werden.

Auch mussten wir beispielsweise aus jedem durchreisten Land ein typisches Rezept mitbringen. Solche Aufgaben kosteten uns mindestens einen Tag, doch wie sich später herausstellte, hat es sich gelohnt.

[Fortsetzung folgt!]


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