GASTBEITRAG: Sehr geehrte Herren und Damen

Sehr geehrte Herren und Damen – diese Anrede hat sich bei mir festgesetzt. So nämlich begrüßte Sozialforscher Dr. Carsten Wippermann bei seinem Vortrag Teilnehmer und Gäste der 4. Daimler Konferenz zum Thema ‘Vielfalt im Unternehmen‘.

Seine Formulierung ist hintersinnig und listig zugleich: hintersinnig, weil sie zeigt, wie tief sich unser Umgang mit den kleinen und großen Unterschieden in unser Unterbewusstsein eingegraben hat und listig, weil sie uns auffordert, darüber nachzudenken, was diskriminierender ist: sich als erster durch die Tür zu drängen oder diese den Damen mit starkem Arm als „Kavalier der alten Schule“ aufzuhalten?

Offene Diskriminierung ist leicht zu erkennen. Aber es gibt sie auch gut getarnt als allseits geschätzte Tradition. Und um dies zu erkennen, muss man zuweilen tief schürfen. Ganz so tief schürfend ging es bei der Daimler Konferenz dann doch nicht zu, aber die Vorträge, Workshops und Diskussionen bewegten sich doch im Spannungsfeld von „Zielsetzung durch den Vorstand“ und „konkrete Veränderungen bei den Mitarbeitenden“.

Dass Daimler an seiner internen Konferenz (Thema: Best Practice Sharing) auch externe Diversity-Expertinnen und -Experten teilnehmen ließ – sogar solche der direkten Konkurrenz – ist so ungewöhnlich wie verdienstvoll und zeugt von Selbstbewusstseins und Klugheit. Schließlich ist der Diversity Gedanke keine neue Management-Methode, die kurzfristig das Ergebnis einzelner Unternehmen verbessert. Vielmehr ist es für die gesamte Wirtschaft (und Gesellschaft) essentiell, endlich zu lernen, Unterschiede als wertvolle Ressource anzuerkennen und dass Ausgrenzungen jeder Art Gift sind im globalen Business.

Wie die Ressource Vielfalt nutzbar gemacht werden kann im Unternehmen, war Gegenstand der Konferenz und wurde in vielen Facetten dargestellt und diskutiert. Für den Gast spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Was auffiel: der große Anteil Männer unter den Teilnehmern obwohl Diversity – zumindest in den letzten Jahren – vor allem als Frauenförderung begriffen wurde; die Überzeugungskraft, mit der Vorstand und Aufsichtsrätin zu motivieren in der Lage sind; das Niveau der Diskussion; das Engagement auf allen Ebenen; die Professionalität des „Global Diversity Office“ (ein tolles informatives und emotionales Video zu Beginn; eine perfekte Organisation und eine fernsehreife Moderation).

Und fast zu Abschluss der Veranstaltung – der handfeste Beweis dafür, dass sich im Hause Daimler spürbare Veränderungen anbahnen. Er kam in Form einer fast trotzig vorgetragenen Klage eines Mitarbeiters, der wegen des Ziels, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, für sich keine Aufstiegschancen mehr sieht. Die Gläserne Decke für Männer? Das vielleicht (noch) nicht. Aber vielleicht doch die Erkenntnis, dass Mann zu sein alleine nicht mehr hilft, sondern Qualifikation wichtiger ist als Geschlecht, Alter, Religion oder Herkunft. Das ist es doch, was Diversity Management bringen soll und offensichtlich gehört Daimler auch auf diesem Handlungsfeld zu den erfolgreichen Unternehmen. Vielen Dank, dass ich Ihr Gast sein durfte.

Martin Siebert, Süddeutsche Zeitung GmbH, Redaktionsleiter des Magazins „Vielfalt erleben“.


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