Ab in die Wüste!!! (II) – Die Vorbereitung

[Hier geht’s zum 1. Teil]

Kaum zu glauben – Sahara wir kommen

In Marokko angekommen lernten wir  an der Gepäckausgabe ein Rallye-Team aus Österreich kennen – Susi, Tierärztin und Christa, Unternehmergattin. Gemeinsam stiegen wir in ein uraltes Mercedes-S-Klasse-Taxi, das gut und gerne eine halbe Million Kilometer auf dem Buckel hatte. Unser Taxifahrer war mächtig stolz und aufgeregt vier echte Gazellen persönlich kennen zu lernen. Im Vergleich zu Deutschland kennt jedes kleine Kind in Marokko die Rallye Aicha des Gazelles und das ganze Land verfolgt die Berichterstattung im Vorfeld und während der Rallye.

Die restlichen Teilnehmerinnen des Navigationsworkshops waren eine illustere Mischung aus interessanten Persönlichkeiten. Es war wirklich alles dabei, von der Architektin bis  zur Briefträgerin und wie sich später herausstellte sogar eine Cousine des Königs. Manche waren ein  bisschen durchgeknallt, aber auf eine sehr sympathische Art – Schwestern im Geiste eben. Besonders erwähnenswert war Kiki, eine Frauenärztin aus Lyon. Bettina und ich hatten sie sofort ins Herz geschlossen. Wir waren fortan unzertrennlich und nur am Lachen, was unsere Trainer ab und an leicht an den Rand der Verzweiflung trieb, aber ihnen dennoch immer ein warmes Lächeln abrang.

Nach einem Tag Theorie und Kartenkunde, bei der wir uns oft dachten, wie wir denn bitte Kopierdreck von Sandfeldern unterscheiden sollten, ging es nachts mit Verspätung um halb eins mit dem Flugzeug von Casablanca ins Landesinnere nach Ouarzazate, um uns nach recht kurzem Schlaf früh morgens um 6 Uhr auf die 6-stündige Fahrt in Richtung Sahara zu machen.

Theorie und Wirklichkeit oder „Aha, so sieht der Berg in echt aus!“

Einen kleinen Vorgeschmack wie schwer das mit dem Navigieren werden würde, bekamen wir schon in unserer ersten Praxiseinheit. Bewaffnet mit Karte und Kompass fuhren wir durchs Gelände, stiegen immer wieder aus, schauend suchend in die Landschaft und versuchten die Bergformationen aus der Karte am Horizont zu finden. Umständlich hantierten wir mit dem Kompass und nach dem Motto „3 Leute 4 Meinungen“ gingen unsere Peilungsversuche aus.

Das war es also – unser Abenteuer. Allein auf uns gestellt mit 60 Jahre alten, schlecht kopierten Karten, nur mit einem Kompass und einem weitgehend serienmäßigen Allrad-Minivan auf einer Wegstrecke von minimal 200 Kilometer bis zu 8 zwei Meter hohe versteckte, rote Fahnen in einem Gelände für Offroad-Fahrzeuge zu finden. Das würde was werden.

Ich war zum ersten Mal richtig froh darüber eigentlich nur für das Fahren zuständig zu sein.

Sobald die Räder durchdrehen, sofort stoppen! – Ausgrabungsarbeiten

Nachdem wir nach zwei Tagen Orientierungstraining im Gelände eine leise Ahnung hatten, was navigationstechnisch auf uns zu kommen sollte, ging es in die Dünen zum Fahrtraining. Erstmal starteten wir mit kleinen Sandhügelchen. Immer schön Gas geben, nicht zu viel und nicht zu wenig. Wenn man stecken bleibt, sofort vom Gas, wenn es geht zurück und noch mal versuchen oder das Auto wieder ausgraben.

Das klappte alles prima und schon bald fühlten wir uns wie zuhause und brausten beherzt durch den feinen, weichen Sand. Das war ja einfach. Naja einfach bis aus kleinen Sandhügelchen großen Dünen wurden.

Jetzt wussten wir auch wozu der zweite Ganghebel war. Wenn es richtig berghoch ging – umstellen auf 4L. Um in der Rückwärtsfahrt Schwung zu holen mit 4H. Fuß weg von der Kupplung und auch immer schön die Handbremse lösen. Klingt einfach – theoretisch – praktisch … nun, wenn man halb schräg in einer Düne steht, die das Auto partout nicht hoch möchte und „full speed“ durch ein Kuhle genau im Heading gerade rückwärts nach hinten fahren muss, um mehr Schwung holen zu können, kann das alles schon mal komplex und schweißtreibend werden.

Steigert sich die Schwierigkeit, weil es nicht nur eine Düne, sondern gleich mehrere hintereinander sind und hat man bereits zum dritten Mal das Auto ausgegraben, fährt durch den tiefen, weichen Sand, obwohl es längst schon dunkel geworden ist und denkt zusätzlich einen Augenblick zu lange darüber nach, dass man ja die Rallye mit einem Viano bestreitet, kann man schon mal ins Grübeln kommen, ob der Navigationspart nicht doch der Bessere ist.

Hier geht’s zum 3. Teil


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