Gazellen im Schnee – Rennfahrerinnen gesucht!

Mach das Rad runter.

Nimm das Rohr als Verlängerung, dann geht die Schraube besser auf.

Der Sprinter ist ganz schön in den Schnee gefahren – aber den kriegen wir Mädels gemeinsam da raus.

Schnee ist wie Wüste. Bei beiden Extremen gilt: Unter diesen Bedingungen zu fahren, ist eine wahre Herausforderung!

Wenn Frauen so reden, dann sind sie bei Rallyevorbereitungen. Rallye? Rennen? Frauen? Schnee? Ja genau, alles das ist die ‚Aicha des Gazelles’. Ein Wüstenrennen von Frauen für Frauen. Doch heute bin ich im Auftrag der Mitarbeiterkommunikation unterwegs, um den Gazelles-Finalistinnen im Schnee bei den Wüstenvorbereitungen für das Rennen zu begleiten.

Aber noch mal kurz zurückgespult, zum Verständnis. Die „Rallye Aicha des Gazelles 2010“ steht unter der Schirmherrschaft des Königs von Marokko und geht über ca. 2.500 Kilometer. Sie besteht aus sieben Etappen, wovon zwei Marathon-Etappen sind, die über zwei Tage gehen. Die Teams dürfen nur Kompass, Trip Counter und Karte zur Orientierung verwenden, also kein GPS, keine Ferngläser und keine mobilen Telefone. Es gewinnt nicht das schnellste Team, sondern das, das im Rahmen der vorgegebenen Zeitleiste die kürzeste Strecke zwischen den Checkpoints gefunden hat.

Tja, neben den Profis und letztjährigen Gewinnerinnen, der Französin Anne-Marie Ortola und der Irin Jeanette James geht auch wieder ein zweites Team mit einem Mercedes-Benz Viano 4matic an den Start. Und dies besteht in diesem aus zwei Mitarbeiterinnen von Daimler.

Bewerberinnen„Rennfahrerinnen gesucht!“ – mit diesen Worten hat Daimler im Januar über das Intranet alle weiblichen Mitarbeiter im Konzern aufgerufen, sich zu bewerben. Voraussetzungen: die Bewerberinnen müssen zwischen 25 und 60 Jahren sein. Sie sollten körperliche Fitness, geistige und körperliche Belastbarkeit mitbringen, ein gutes Stück weit technisches Verständnis und Spaß am Autofahren (idealerweise Offroad-Erfahrung), gute französische Sprachkenntnisse (das Rennen findet im französischsprachigen Marokko statt) und einen ausgeprägten Orientierungssinn haben.

Die Resonanz auf die Bewerbungen war riesig: über 200 Daimler-Frauen wollten am Steuer des Renn-Viano sitzen. Doch nur zwölf konnten bei der Endausscheidung dabei sein. Und eben diese zwölf trafen sich am 3. Februar im bitterkalten und verschneiten Münsingen auf der Schwäbischen Alb zur Endausscheidung. Und mittendrin dabei, ausgerüstet mit Schneeboots und dickem Wintermantel im Namen der Transporter-Mitarbeiterkommunikation: meine Person. Aufnahmegerät, Spiegelreflexkamera, Camcorder rausgekramt und los geht’s. Eine spannende Sache.

Konditionstraining im SchneeTagesziel: Die Rallye-Profis Ortola und James wählen die besten zwei aus der Gruppe aus. Und so versammelten sich die Damen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Münsingen. Die Location ist wie geschaffen für Rallyes: Hindernisparcours, hoher Schnee, unwegsames Gelände. Das ideale Terrain zur Rallyevorbereitung.

„Schnee ist wie Wüste“, so Rallye-Profi Jeanette James zum Auftakt. „Ob Du in einer Schneewehe oder in einer Düne feststeckst, ist egal. Aus beidem mit deinem Fahrzeug rauszukommen ist eine Herausforderung.“

Und so stand den Teilnehmerinnen ein intensiver Prüfungstag bevor. „À mon signal, vous partez tous en courant“, ruft Anne-Marie Ortola auf französisch. Die Teilnehmerinnen schauen sich kurz an, dann rennen Sie los. Konditionstest im Schnee.

ReifenwechselDanach geht es zur zweiten Station. Die Situation ist diese: Der Vito hat einen Platten, das Rad muss gewechselt werden. „Das habt ihr andauernd bei einer Rallye,“ so Renn-Profi Ortola. Rad wechseln? Gar kein so leichtes Unterfangen bei dem weichen Schneeuntergrund. Aber die Damen stellen sich allesamt geschickt an, holen Wagenheber, Schlüssel und Verlängerungsrohr (der Hebelwirkung wegen!) aus dem Kofferraum des Vito. Und flugs im Zweierverbund ist das Rad gewechselt. „Teamwork ist wichtig,“ zeigt sich Rennfahrerin James zufrieden. „In der Wüste bist du auf den anderen angewiesen. Allein kommst du da nicht weit.“

Auf zum nächsten Parcours. Dort ist ein Sprinter im Schnee hoffnungslos festgefahren. Die Vorderräder stecken bis zur oberen Kante im Schnee, hinten hat sich der Transporter quergestellt. Ortola kurz und knapp: „Holt den da raus, macht ihn wieder fahrtüchtig!“

SchneeschippenDie Damen legen sofort gemeinsam los. Idee ist: Schaufeln rausholen und ausbuddeln. Fußmatten unter die Antriebsräder legen. Gas geben und ausgraben. Schnell hat man sich gefunden und verständigt. Andrea setzt sich ins Fahrerhaus. Bettina nimmt die Schaufel in die Hand und buddelt am Vorderrad. Isabelle schiebt die Fußmatte unters Rad, Nadine und Maria dirigieren die Fahrerin. „Jetzt gib Gas und raus“. Andrea tritt aufs Gas. Der Sprinter erwacht zum Leben, bebt und windet sich in seinem Schneegefängnis. So ganz will er noch nicht. Hilft schieben? Weiß man nicht, aber Einsatz muss sein. Und so sind sechs Gazelle-Aspirantinnen am Werk, um den Sprinter zu befreien. Und es klappt. Nach einigen Minuten steht das Fahrzeug frei. Stolze und glückliche Gesichter, die da sagen: Wir haben es geschafft. Ortola nickt wohlwollend, fügt hinzu: „Gut. Bei der Raylle bleiben die Fahrzeuge immer im Sand stecken. Tout le temps.“

TestfahrtParallel zum Sprinter-Freikriegen fahren die einzelnen Bewerberinnen im Vito mit Unterbodenschutz über einen ehemaligen Panzer-Parcours. Alles ist zugeschneit. Mit Schmackes gilt es, die steilen Hügel zu erklimmen. Genauso schnell braust der Van den Hügel dann auch wieder runter. Das Fahrzeug setzt auf, die Besatzung wird durchgeschüttelt. Kein Problem für die Kandidatinnen. Und schon gar nicht für das Fahrzeug.

Später am Tag ist Theorie angesagt: mit Kompass und Kartenmaterial gilt es umzugehen. Wo ist Norden? Wie richte ich die Karte aus? Wie zeichne ich wichtige Informationen ins Material ein? Kurze Erklärung der Profifahrerinnen, dann sind die Teilnehmerinnen auf sich alleine gestellt. „Wäre in der Wüste ja auch so,“ sagt Rennfahrerin Jeanette James knapp.

Nach einer persönlichen Fragerunde (Motivation der Teilnahme, Erfahrungen uvm.) mit jeder Teilnehmerinnen und den Profi-Gazellen ziehen sich James und Ortola zur Beratung zurück. Jetzt sollen aus allen Bewerberinnen die beiden besten ausgesucht werden. Die Auswahl ist schwer. Doch die Damen haben ein ausgefeiltes Bewertungssystem, das nach Punkten rechnet. Nach längerer Beratung treten die Rennfahrerinnen vor die Gruppe.

Spannung liegt in der Luft, zwölf Augenpaare sind auf die Lippen von Jeanette James gerichtet. Viel Leidenschaft, Energie, Hoffnung und Begeisterung ging dem jetzigen Moment voraus. Dann kommt die Erlösung: „Wir haben uns für Bettina und Andrea entschieden.“ Jubel bei den Gewinnerinnen. Sportsgeist bei den restlichen Teilnehmerinnen: Es wird sich gratuliert, umarmt. Man freut sich über den Erfolg der anderen. Der Tag hat die Gruppe zusammengeschweißt.

Und für Bettina und Andrea geht es bald los. Sie werden an einem Orientierungs-Training in der Wüste von Marokko teilnehmen. Dann wird es ernst: die Rallye startet am 13.03.2010 in Sete, Südfrankreich. Nach einer kurzen Überfahrt nach Tanger startet die Fahrt über mehrere Etappen und endet am 27.03.2010 in Essaouira am Atlantikstrand von Marokko.

Dann sind die Gazellen nicht mehr im Schnee, sondern im Wüstensand.

Und ich stell’ jetzt erstmal die Winterstiefel wieder in den Schrank!

Die Mercedes-Benz Vans Rallye-Team sind komplett: Renn-Profis Anne-Marie Ortola und Jeanette James (jeweils außen) für Viano #1. An Bord des Viano #2: Das Mercedes-Mitarbeiterinnen-Team Bettina Singhartinger (2. v.l.) und Andrea Spielvogel.

Sieger-Foto

Und hier noch ein paar Videoeindrücke von diesem spannenden Tag:

Für diejenigen, die genauer wissen möchten, wie es bei der Gazelle Rallye aussieht, der kann sich hier einen Film von der Rallye im letzten Jahr anschauen.


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