Väter gegen Kindesmissbrauch

Bereits seit April 1987 arbeite ich bei Daimler in Esslingen/Mettingen. Angefangen habe ich in der Graugussgießerei als Kernmacher. Privat und beruflich ist in der Zwischenzeit einiges passiert.

Hinsehen, nicht wegschauen!

Die Gießerei wurde fast komplett automatisiert und ich wurde zum Maschinen- bzw. Anlagenführer. Im Februar 2004 startete ein Pilotprojekt: Einführung „Ganzheitliche Anlagenbetreuung“ in der Gießerei, welches ich seitdem als Produktionsmitarbeiter begleite. Derzeit bin ich für die gesamte Produktion Eisenguss zuständig. Es war für mich eine große Umstellung von der Maschine an den Schreibtisch. PC und Auswertungen, Besprechungen, Protokolle, Checklisten erstellen, alles waren ganz andere Tätigkeiten als bisher. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und heute bin ich froh, so einen vielseitigen und interessanten Job zu haben. Ich habe viel Kontakt mit den verschiedensten Menschen: Produktionsmitarbeiter, Vorgesetzte, Mitarbeiter der Instandhaltung, der Planung und von Fremdfirmen.

Engagement geht jedoch oft über den Beruf hinaus

Deshalb nun zu mir und meinem privaten Projekt: Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet, wohne in Unterensingen und habe drei Kinder, die zurzeit 20, 17 und 12 Jahre alt sind.

Rückblick:
Vor 16 Jahren gründeten wir in unserer Gemeinde einen Väterstammtisch, kurz PaSta (Papa Stammtisch). Ziel war es, sich einmal im Monat zu treffen und dabei auch Unternehmungen mit unserem Nachwuchs zu besprechen. Wir gingen mit den Kindern zelten, machten Waldwanderungen und Familienausflüge. Aber auch wir Väter haben unseren Spaß zusammen, denn in der Zwischenzeit organisieren wir den Rosenmontagsball im Dorf, haben einen Stand beim Dorffest, machen Hüttenwochenenden und treffen uns regelmäßig, einfach so.

Bei einem dieser Treffen, es war Ende 2007, habe wir PaStas folgendes festgestellt: Unseren Kindern geht es gut, sie haben eine schöne Kindheit und sind wohlbehütet aufgewachsen. Leider haben das nicht alle Kinder und deshalb waren wir der Meinung, dass wir dafür etwas tun müssen.

Wir fragten uns, wo und wie man helfen könnte und es entstand die Idee, für ein Kalenderprojekt. Nicht irgendein Kalender, sondern ein Kalender der auf den „ sexuellen Missbrauch von Kindern“ aufmerksam machen sollte. Es ist erschreckend und unfassbar, dass allein in Deutschland alle 30 Minuten ein Kind sexuell missbraucht wird.

Das war für uns Antrieb und Motivation, diese Missstände so vielen Menschen wie möglich vor Augen zu führen. So gründeten wir im Februar 2008 den Verein Serie X e.V., der gemeinnützig anerkannt und ausschließlich zum Wohle von Kindern und Jugendlichen tätig ist. Derzeit haben wir 70 Mitglieder. Der Kalender ist für das Jahr 2010 produziert worden. Zwölf Väter setzen darin ein persönliches Zeichen gegen den Missbrauch. Nackt, auf den Bauch liegend und ein „X“ bildend.

Ja wir wollen mit diesen Bildern provozieren, Diskussionen anregen, die Menschen zum Nachdenken animieren, wachrütteln. Sie sollen nicht weg- sondern hinzuschauen.

Wir werden oft gefragt: Die Bilder sind schön aber warum ist dieser nackte Mann im Bild?

Die Antwort ist recht einfach: ein Kalender mit Edelweißbildern hätte wohl niemanden interessiert. Und wir Erwachsene bestimmen selbst über unseren Körper, den missbrauchten Kindern wurde diese Selbstbestimmung gewaltsam genommen. Es sind 12 Fotografien entstanden, die quer durch Deutschland realisiert wurden, von Berlin Tempelhof bis zur Zugspitze, vom Hockenheimring bis zu den Bavaria Studios in München. Über 5500 km haben wir auf eigene Kosten zurückgelegt.

Die Sache war es uns Wert. Es sind Motive, die alltägliche Orte zeigen, die jedoch ungewöhnlich und spannend aus der Vogelperspektive mit einem 12 Meter hohen Stativ aufgenommen wurden. Für dieses Projekt konnten wir den Fotografen Wilfried Adam gewinnen, der ohne zu zögern bereit war mitzumachen.

Dank der kostenlosen Bereitstellung von Papier, Layout, Druck, Weiterverarbeitung und Logistik, haben wir 4500 Kalender produziert – und das für null Euro. Somit können wir den Verkaufspreis von 29.95 Euro komplett weitergeben. Zusätzlich haben wir eine CD mit dem Titel: X- Dream, der Traum einfach Kind zu sein aufgenommen und dazu einen Videoclip gedreht, ebenfalls alles kostenfrei.

Noch in diesem Jahr wird der Verein 12.000 Euro (das wir durch Spenden, Benefizkonzert, Kalenderverkauf bereits eingenommen haben) an Organisationen weitergeben, die sich für missbrauchte Kinder einsetzen. Durch die tatkräftige Unterstützung meiner Kollegen und Vorgesetzten, die von der Idee begeistert waren, hatte ich die Möglichkeit unser Kalenderprojekt im Betrieb publik zu machen.

Dafür möchte ich mich bei allen bedanken!

So nun hoffe ich, durch meinen Bericht das Interesse sehr vieler Menschen geweckt zu haben. Deshalb nehmt euch bitte Zeit und besucht unsere Homepage Serie-x.de. Dort gibt es weitere Informationen und es können auch Kalender bestellt werden.

Ich wünsche mir, dass durch unser Projekt ein paar Kinderseelen gerettet werden.


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