INTERVIEW: „Unsere Stärke sind unsere Mitarbeiter“

Personalvorstand Wilfried Porth (links) und Gesamtbetriebsratsvorsitzender Erich Klemm (rechts) äußern sich im Kurzinterview – das zeitgleich in der Mitarbeiterzeitung „inside“ erscheint –  im Sinne einer Zwischenbilanz zu den Auswirkungen des Maßnahmenpaketes zur Senkung der Arbeitskosten. Sie geben einen Ausblick für 2010 hinsichtlich Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzung. Auch auf die Stärken von Daimler gehen sie ein.

Wilfried Porth - Personalvorstand und Arbeitsdirektor Erich Klemm - Gesamtbetriebsratsvorsitzender

Welche Wirkung hat das seit Mai 2009 geltende Maßnahmenpaket zur Senkung der Arbeitskosten bisher gehabt?

Wilfried Porth:

Eine sehr entscheidende. Dieser Beitrag aller unserer Mitarbeiter, vom Tarifbeschäftigten bis hin zum Aufsichtsrat und natürlich auch von uns Vorständen, ist wesentlich zur Überwindung der Krise. Zusammen mit anderen Einsparmaßnahmen, wie z. B. der Senkung der Material- und Fixkosten, werden wir das angestrebte Einsparvolumen von 4 Milliarden Euro in diesem Jahr sogar übertreffen.

Uns ist bewusst, dass der Beitrag der Belegschaft – von der Verschiebung der Tariferhöhung, den Arbeitszeitanpassungen bis hin zu den Einschnitten bei den Leistungen des Unternehmens – zu schmerzlichen Eingriffen führt. Daher möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meinen besonderen Dank aussprechen, dass wir gemeinsam diesen Kraftakt stemmen.

Es ist uns dabei sehr wichtig, dass wir unnötige Härten vermeiden. Deswegen haben wir bei verschiedenen Maßnahmen gemeinsam mit dem Betriebsrat Anpassungen vorgenommen. Dazu gehören zum Beispiel die Vorschusszahlungen beim Wechsel von Kurzarbeit in Arbeitszeitverkürzung, die monatsgenaue Berechnung des Weihnachtsgelds oder auch der Verzicht auf Rückforderungen von pauschal ausbezahltem Urlaubsgeld bei Verfall von Urlaub. Ich denke, wir haben hier faire Lösungen gefunden.

Erich Klemm:

In der schwersten Absatzkrise der Unternehmensgeschichte konnten wir mit dieser Vereinbarung eine zusätzliche Sicherung der Arbeitsplätze erreichen. Das ist vor allem für die rund 16.000 Kolleginnen und Kollegen entscheidend, die nach August 2004 eingestellt wurden. Die Liquiditätssituation des Unternehmens hatte sich nach dem 1. Quartal 2009 dramatisch dargestellt. Das Maßnahmenpaket hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Lage jetzt deutlich besser ist.

Wie geht es in 2010 weiter mit Kurzarbeit bzw. Arbeitszeitverkürzung?

Wilfried Porth:

Bis Ende Juni gilt auch weiterhin: „Wer nicht in Kurzarbeit ist, für den gilt Arbeitszeitverkürzung.“ Von diesem solidarischen Ansatz, der alle Bereiche in die eine oder andere Maßnahme einschließt, weichen wir auch nicht ab.
Eine frühere Beendigung von Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzung, die wir in unserer Vereinbarung für den Fall vorgesehen haben, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse bereits vorher nachhaltig verbessern, wird es nicht geben. Wir  müssen im Truckbereich im kommenden Jahr immer noch mit sehr niedrigen Auftragseingängen rechnen und auch in den Pkw-Werken ist – trotz der verbesserten Absatzlage in einigen Märkten – keine durchgängige Verbesserung des Geschäfts absehbar.

Nach wie vor halte ich die Instrumente Kurzarbeit bzw. Arbeitszeitverkürzung für die beste Lösung, um bei schwankender Auslastung mit der bestehenden Belegschaft über die Runden zu kommen und strukturelle Anpassungen  zu vermeiden.

Erich Klemm:

Leider befürchte ich, dass wir vor allem im Truck- und Van-Bereich noch länger Kurzarbeit haben werden. Im PKW-Bereich besteht dagegen Hoffnung, dass in den nächsten Monaten die Kurzarbeit auf ein niedrigeres Niveau sinkt. Andererseits arbeiten viele Bereiche gleichzeitig am Kapazitätslimit und leiden entsprechend unter der Arbeitszeit­verkürzung. Das gilt zum Beispiel für die Entwicklung, Forschung und Planung, aber auch für einzelne Produktionsbereiche wie z.B. die Produktion der E-Klasse. Wir sind deshalb der Auffassung, dass die vereinbarte Überprüfung der Arbeitszeitregelung am Jahresende 2009 zum Ergebnis hätte führen müssen, dass die Arbeitszeit dieser Situation angepasst wird. Die jetzt entspanntere Liquiditätssituation des Unternehmens hätte einen solchen Schritt auch ermöglicht. Unsere Vereinbarung sieht allerdings vor, dass beide Seiten einer abweichenden Regelung zustimmen müssen. Das Unternehmen will die Arbeitszeitverkürzung um 8,75 % bis zum Ablauf der Vereinbarung im Sommer 2010 in vollem Umfang aufrechterhalten.

Was sind aus Ihrer Sicht die Stärken von Daimler, die uns wieder nach vorne bringen?

Wilfried Porth:

Um am Markt bestehen zu können, müssen wir unsere Kunden für unsere Produkte begeistern, und wir müssen besser sein als die Konkurrenz. Das ist ein hoher Anspruch. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir ihm gewachsen sind.

Wir sind ein hervorragendes Team, wir haben hervorragende Mitarbeiter. Wenn jeder an seinem Platz sein Wissen, seine Erfahrung und sein Engagement einbringt, dann sind das viele große und kleine Schritte in die richtige Richtung, die Wirkung zeigen. Wenn nicht gleich heute, dann morgen.

Und wir bei Daimler haben gerade in Krisenzeiten immer wieder gezeigt, dass wir gemein­sam anpacken können, um unser Unternehmen voranzubringen. Ich habe das an allen Standorten und in den unterschiedlichen Bereichen erlebt, in denen ich im Laufe meines Berufslebens eingesetzt war. Diesen Willen und diese Kraft setzen unsere Mannschaft auch jetzt wieder ein. Unsere Stärke sind unsere Mitarbeiter.

Im Übrigen sollten wir unser Licht nicht unter den Scheffel stellen, wir sollten zeigen, was wir können und was wir sind. Auch nach außen. Jeder kann dazu beitragen, dass Daimler auch in der Öffentlichkeit wieder besser wahrgenommen wird. Wir sind alle Vertreter unseres Unternehmens. Und wir können alle stolz auf unser Unternehmen sein. Ich bin es. Gerade jetzt, wo Daimler seine Stärke bei einem harten Gegenwind zeigt.

Erich Klemm:

Die größten Stärken dieses Unternehmens sind die Motivation der Belegschaft und die Strahlkraft der Marke Mercedes. Beides ist unter Druck geraten und beides gilt es zu hüten und zu schützen, damit dieses Unternehmen eine Chance auf eine erfolgreiche Zukunft hat. Wir haben in der Vergangenheit die besten Ingenieure eingestellt. In der Forschung, Entwicklung und der Planung ist das Know-how vorhanden, die Produkte auf den Markt zu bringen, die dem Anspruch der Marke Mercedes gerecht werden. Wir können den Automobilbau – aber auch anderes – neu erfinden. Wir haben gut ausge­bildete Facharbeiter und eine insgesamt trotz allem Ärger und Druck der letzten Jahre immer noch motivierte Mannschaft, die die Ideen der Ingenieure umsetzen können. Die Unternehmensleitung muss diese geballte Kraft nach vorne lenken und darf sie nicht blockieren. Das ist für den Erfolg dieses Unternehmens und damit für unsere Arbeitsplätze von zentraler Bedeutung.

Eine weitere Stärke haben wir alle zusammen in den letzten Monaten bewiesen: aufgrund der guten Vereinbarungen, die wir getroffen haben, sind wir krisenfest. Wir sind in der Lage, hochflexibel auf einen dramatischen Nachfrageeinbruch zu reagieren und so die Gefährdung unserer Arbeitsplätze abzuwenden. Auch darauf sind wir stolz.



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