Produktionsverlagerung und Grundeinkommen

Produktionsverlagerung

Das aktuelle Thema C-Klasseverlagerung in die USA wird ja in der betriebsinternen Öffentlichkeit sehr stark diskutiert. Höhepunkt war wohl der vergangene Freitag, als ca. 15.000 Kollegen der Frühschicht in die Sindelfinger Innenstadt vor das Sterncenter zogen. Mehr als 200 Mitarbeiter fuhren von Untertürkheim mit dem Auto nach Sindelfingen, da so schnell keine Busse aufzutreiben waren. Das Thema trifft den aktuellen Zeitgeist, den wir viel zu lange verdrängt haben. Im Kern geht es einmal um ökonomischen Gründe. Kein Land der Welt wird auf Dauer Handeldefizite/-überschusse dulden können. Das trifft Deutschland doppelt, da wir ja noch Exportweltmeister sind.

Vor diesem Ungleichgewicht haben wir Jahre lang profitiert und wollten deshalb die Probleme der Handelsbilanzdefizite nicht sehen. Die Gefahr ist groß, dass es m. E. hier zu protektionistischen Maßnahmen kommen könnte. Das sich hier Betriebsrat, Gewerkschaften, Bürgermeister, Landräte, Kirchen usw. für die Arbeitsplätze in der Region stark machen ist für mich ein ganz normaler Prozess, da es, je nach Schätzung, in um rund 50.000 Arbeitsplätze in der Region geht.

Studie

Die neuste Studie für die Region des IMU Instituts u. a. im Auftrag der IHK und IG Metall zeigen die Region als einzigartiges Automobilcluster in der Welt. Wobei die Vorteile auch schnell in Nachteile (Monostrukturen) umschlagen können, wie die aktuelle Krise zeigt. Der zweite Aspekt sind ökologische. Transporte, beispielsweise  werden durch höhere Energiepreise teurer. Zudem dürfte die CO2 Diskussion mit jeder Dürre, mit jedem Hochwasser oder jeder Missernte an Schärfe zunehmen. Deshalb wird der Trend zu regionalen Kreisläufen wieder stärker werden (müssen).

Rationalisierung, der richtige Weg?

Prof. Götz Werner (Besitzer der DM Drogeriemarktkette) hat sich hierzu Gedanken gemacht. Er schreibt in seinem Buch, dass man radikal ökonomisch und radikal links denken müsste, um für die Überproduktionskrise Lösungen finden zu können.

Im Prinzip ist Rationalisierung ja was Tolles. Menschen müssen weniger viel und weniger hart arbeiten, da dies beispielsweise Maschinen erledigen. Natürlich stellt sich dann sofort die Frage: „Wovon soll ich denn leben, wenn es nicht mehr Arbeit für alle gibt?“ Das ist die entscheidende Existenzfrage die sehr viele umtreibt. „Frei sei ein Mensch erst richtig wenn er zu etwas auch nein sagen kann“. Unter Hartz IV gibt es diese Freiheit aber nicht. Dabei gäbe es Arbeit gerade genug z. B. in der Altenpflege, bei der Ausbildung unserer Kinder oder in der Krankenpflege….

Wir alle, Politiker, Arbeitgeber, Gewerkschaften usw. müssten begreifen, dass uns die Produktionsarbeit langsam ausgeht und wir diese Gesellschaft auf andere Beine stellen müssen. Wir können jedes Jahr mehr produzieren, niemand braucht/bräuchte zu hungern.

Lösungsansätze

Die Lösung von Götz Werner ist die von ihm mitinitiierte weltweite Bewegung des „Bedingungslosen Grundeinkommens“ (BG). Diese Thesen müssen nun mehr Menschen diskutieren und den ggf. modifizieren, damit dieser Weg begehbar wird. Im Grunde gehen Kindergeld, Rente, Grundsteuerfreibetrag schon in die Richtung eines BG, es ist nur nicht richtig zu Ende gedacht. Wir leben gerade in Deutschland in einer Zeit größten Reichtums, warum soll uns der Übergang zu mehr Konsum und weniger Arbeit nicht gelingen? Unternehmer, Betriebsräte, Gewerkschaften müss(t)en die Treiber dieser politischen Entwicklung sein, da man sich in einem Hamsterrad befindet in dem keine Seite für sich einfach ausbrechen kann. Bisher endeten diese Entwicklungen leider oft in einer Inflation, Depression oder schlimmstenfalls im Krieg. Das will sicherlich keiner. Mit der Wirtschaftskrise ist wohl auch dem letzten klar geworden, dass es der Markt allein nicht richten wird. Es bedarf hier Regularien seitens der Politik. Nach dem letzten Weltkrieg hat man sich zusammengesetzt und ein Grundgesetz zusammen entworfen.

Warum sollte es jetzt nicht gelingen so etwas wie einen Zukunftskongress zu veranstalten, in dem Politiker und Wirtschaftsakteure über langfristige Rahmenbedingungen zum Wohle der Bevölkerung verständigen. Wir sollten möglichst viel Wohlstand für alle produzieren, dies möglichst umweltschonend und mit möglichst viel Freiheit für den Einzelnen. Interessanterweise findet man deshalb Befürworter des BG in allen Parteien, von der FDP, CDU, Grünen, SPD Linken…da sich dort alle Parteien ein Stück weit wiederfinden. Wie sagt Götz Werner „Wer ein Ziel/Vision vor Augen hat findet Wege, wer etwas verhindern möchte findet Gründe“. Warum suchen wir nicht gemeinsam nach lebenswerten Wegen für eine lebenswerte Zukunft?

Prof. Götz Werner war vor kurzem Gast bei Daimler: beim Arbeitskreis Umwelt. Sein Buch wurde ihm dabei aus den Händen gerissen. Die Diskussion unter den ca. 200 Teilnehmern im vollbesetzten Saal war einer im positivsten Sinne, lebhaftesten die es in 15 Jahren Arbeitskreis Umwelt gab.

Schlussfolgerung

Mit einer Produktionsverlagerung werden nur die Symptome einer Krankheit bekämpft , jedoch nicht die Krankheit selbst. Heute die Verlagerung um Kosten zu sparen und morgen andere. Produktion nur noch in Nachfrageländern oder in Ländern mit einem günstigen Wechselkurs.

Was passiert jedoch, wenn sich plötzlich die Parameter ändern? Kaufverhalten, Löhne, Rohstoffpreise, Gesetze oder der Wechselkurs. Vor kurzem gingen die Autoexperten noch davon aus, dass der Luxusautomarkt massiv ansteigen wird, gekauft werden aber gerade eher kleinere Autos.

Udo Bangert, Betriebsrat Pkw-Entwicklung


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