Renntransporter – Trucks you can trust

Wer schon einmal den aktuellen Formel 1- bzw. DTM-Actros gesehen hat, wird zustimmen, dass es sich um ein äußerst beeindruckendes Fahrzeug handelt, auch von innen. Vorn im Hals des Aufliegers öffnet sich hinter einer Glastür eine ganz andere Welt: Hier ist der Aufenthalts- und Rückzugsraum für die Rennfahrer.

Im aufgeräumten Spind ist oben Platz für den Helm, unten stehen die Rennfahrerschuhe, dazwischen hängt die Rennmontur. Eine gemütliche Rundsitzgruppe lädt zum Entspannen ein, im Kühlschrank warten temperierte Getränke.

Renntransporter von heute sind nicht nur Transportmittel, sondern auch eine gepflegte Lounge.

Renntransporter alt & neuGanz so fein hatten es die Vorgänger der aktuellen Rennfahrer in den Silberpfeilen der dreißiger und fünfziger Jahre nicht, ihnen würde der Renntransporter des Jahres 2009 wie von einem anderen Stern erscheinen. Doch die Auszeichnung „Trucks you can Trust“ hätten auch die Urahnen der Renntransporter, der Lo 2750 von 1934 und das „blaue Wunder“ aus den 1950er-Jahren, schon verdient gehabt.

Das Blaue Wunder: spektakulärer Renntransporter von 1955

RenntransporterDen schnellen Renntransporter hatte der Prototypenbau von Mercedes-Benz auf Wunsch des unvergessenen Rennleiters Alfred Neubauer eigens für besonders eilige Frachten entwickelt.

Die einzigen Vorgaben: Er sollte schnell sein und einen Grand-Prix-Rennwagen oder einen Rennsportwagen befördern können. Ergebnis ist ein einzigartiges Fahrzeug, das damals wie heute fasziniert. Die Plattform bildet der verlängerte Rohrrahmen des Luxus-Coupés Mercedes-Benz 300 S. Den leistungsfähigen Motor – schon mit Benzin-Direkteinspritzung – steuert der Sportwagen 300 SL bei, Karosserieteile wie die Türen und Kotflügel sowie Elemente der Ausstattung kommen von der gutbürgerlichen Limousine Mercedes-Benz 180.

Nach dem Rückzug von Mercedes-Benz Ende 1955 aus dem Rennsport dient der Renntransporter zunächst als Ausstellungsfahrzeug in den USA, dann verrichtet er zehn Jahre lang Arbeit im Fahrversuch von Mercedes-Benz. Rudolf Uhlenhaut, zur „aktiven“ Zeit des Renntransporters Leiter der Rennabteilung und später Vorstand, lässt das Unikat 1967 verschrotten. Jahrzehnte später baut Mercedes-Benz den spektakulären Renntransporter nach alten Fotos wieder neu auf. Er lässt die Zeiten von Rennsportlegenden wie Juan Manuel Fangio, Stirling Moss, Karl Kling, Hans Herrmann und anderen wieder wach werden.

1934: Lkw übernehmen den Transport der neuen Silberpfeile

Den fahrgast- und ladefreundlich niedrigen Rahmen hatte Mercedes-Benz bereits in den zwanziger Jahren entdeckt und später als Plattform für Renntransporter genutzt. Schon 1934 im Geburtsjahr der Silberpfeile übernehmen Lastwagen den Transport. In großen weißen Lettern steht stolz „Mercedes-Benz Rennabteilung“ auf der hölzernen Bordwand des Lo 2750, so die nüchterne Bezeichnung des Renntransporters.

Auch die Renntransporter dieses Typs transportieren Siegerfahrzeuge: Der neue Silberpfeil W 25 mit Kompressormotor siegt im Juni 1934 beim Internationalen Eifelrennen auf dem Nürburgring. Auftakt einer Siegesserie, die bis 1939 anhalten wird. Die Renntransporter sind stets dabei, nach Siegen paradieren sie stolz mit den Silberpfeilen auf der Ladefläche.

Die Replica basiert auf einem zeitgenössischen Lastwagen von 1936. In aufwendiger Restaurierungsarbeit wurde der ehemalige Wassersprengwagen der Stadtreinigung München nach historischen Vorlagen exakt zum Renntransporter umgebaut. Jetzt blinkt der Stern auf der Kühlermaske so stolz in der Sonne, als hätte der Lkw tatsächlich die historischen Siege von Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch, Hermann Lang und Luigi Fagioli begleitet.

Aktueller Actros als Renntransporter für Formel 1 und DTM

Renntransporter ActrosAuch die aktuellen Renntransporter der Baureihe Mercedes-Benz Actros kennen Sieger. Sie fahren in der Formel 1 zum Beispiel den Rennwagen von Lewis Hamilton, Weltmeister mit Vodafone McLaren-Mercedes 2008 und mit bisher elf Grand-Prix-Siegen bereits mit 24 Jahren einer der erfolgreichsten Fahrer in der Formel 1. In der kommenden Saison werden sie für das neue Werksteam Mercedes Grand Prix unverzichtbare Dienste leisten. Aber auch die AMG Mercedes C-Klassen von Fahrern der DTM (Deutsche Tourenwagen-Masters) wie Paul Di Resta, Ralf Schumacher, Bruno Spengler und Gary Paffett werden in Renntransportern auf Basis des Actros zu den Rennstrecken in ganz Europa transportiert.

Fünf Stufen hoch klettert der Fahrer heute hinauf zu seiner geräumigen Megaspace-Kabine. Das Cockpit beeindruckt mit einer Vielzahl von Anzeigen und Schaltern. Ein Kühlschrank ist für den Fahrer an Bord, Klimaanlage und Standheizung, ein Komfortbett mit punktelastischem Lattenrost vermittelt Liegekomfort wie zuhause. Für die Morgentoilette gibt es einen Rasierspiegel und Handtuchhalter.

Was heute Sicherheitssysteme leisten, war früher Science-Fiction

Der Actros ist außerdem extrem sicher, ebenso wie die heutigen Rennwagen. Über die üppige serienmäßige Sicherheitsausstattung des Actros hinaus verfügen die Renntransporter von Mercedes-Benz über ein umfangreiches Sicherheitspaket mit Stabilitätsregelung, Wankregelung, Spurassistent sowie einer Abstandsregelung mit dem weltweit einzigartigen Active Brake Assist.

Dieser Notbremsassistent leitet, sofern ein Auffahrunfall droht, selbständig eine Vollbremsung ein. Über eine derartige Sicherheitstechnik verfügt kein aktueller Rennwagen. Aus dem Blickwinkel von 1934 und 1955 sind die elektronischen Helfer ohnehin Science-Fiction: Was heute selbstverständlich ist, war damals nicht einmal denkbar.

Im Obergeschoss bietet der Trailer des Actros Platz für zwei Rennwagen hintereinander. Sie werden über eine Hebebühne hinein- und hinausbefördert. Im Erdgeschoss ist jede Menge Platz für Werkzeugkästen, zum Teil zur Arbeit in den Boxen der Rennstrecken herausnehmbar in Rollcontainern untergebracht. Die Seitenwand ist klappbar, in außen zugänglichen Staufächern wartet weiteres Material. Wie ein Wunder erscheinen auch die Renntransporter 2009 dem Betrachter – nur die Farbe blau ist inzwischen verschwunden.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
No votes yet.
Bitte warten...

Tags: , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. „S 124“ oder eine unerwartete Reise

    Jessica Abt: Hallo Matthias, klar liest deinen Kommentar noch jemand :) Die aktuellsten Kommentare...

  2. „S 124“ oder eine unerwartete Reise

    Matthias: Ob den Kommentar noch jemand lesen wird :-) Ich kann die...

  3. Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé: Familien-Liebling und Rennstrecken-Biest

    Rudi: So genial das Auto sein mag, wer hat den Namen verbrochen? ...

  4. Die neue B-Klasse: Sportlich, praktisch, großzügig

    Franz-Josef: Ja, ein schönes Automobil. Mercedes hat außen an den richtigen Stellen "geschraubt"....

  5. Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé: Familien-Liebling und Rennstrecken-Biest

    Stein: Man muss nicht alles toll finden, was da so gebaut wird. Habe...