Arbeitskultur und Arbeitsweise in Japan (Teil 2)

Gestern habe ich ja bereits hier über zwei wichtige Erfahrungen mit japanischen Kollegen während meines 10wöchigen Projekteinsatzes für FUSO in Kawasaki gebloggt. Heute möchte ich das Bild noch mit zwei weiteren Erkenntnissen bereichern:

3. Emotionen müssen erfühlt werden und werden nicht geäußert!

Eines der wichtigsten und schwierigsten Themen bei einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Japanern ist die Art und Weise der Kommunikation. Wichtig hierbei ist, möglichst langsam und nicht zu laut zu sprechen. Lautes Sprechen wird als unhöflich und aufbrausend empfunden. Langsames sprechen ist erforderlich, weil viele Japaner nicht besonders gut in Englisch sind. Man muss Ihnen genügend Zeit geben die englischen Worte in die japanische Denkweise zu übersetzten, um den Inhalt zu verstehen.Zeit und viel Geduld sind hier vor Allem ratsam, weil ich es nicht erlebt habe, dass ein Japaner nochmals nachfragt, wenn er etwas nicht verstanden hat. Weiterhin zeigen Japaner Ihre Emotionen nur sehr wenig und es ist oftmals schwer deren Meinung zu Themen zu erkennen.

Emotionen und Gefühle werden in Japan nur selten geäußert. Sie müssen vielmehr erfühlt werden. Das macht die Kommunikation unheimlich spannend aber auch nicht immer einfach. Besonders auffällig ist, dass es kein klares „Ja“ und „Nein“ gibt.

Man muss daher ein Gefühl entwickeln, wann der japanische Kollege den Sachverhalt verstanden hat, diesem zustimmt oder ihn ablehnt. Eine kleine Übersetzungstabelle (ohne Gewähr,) kann vielleicht helfen oder einen Eindruck geben, dass ein „Ja“ nicht immer „Ja“ bedeutet und ein „Nein“ nicht immer „Nein“:

• Kurz gesprochenes „yes“ -> „habe dir zugehört und dich einigermaßen verstanden“

• Langgezogenes „yes“ mit leichtem „Summen in der Stimme“ -> „habe das Problem verstanden und stimme mit dir überein.“

• Mehrfaches „yes“ mit euphorischem Unterton in der Stimme -> „Stimme mit dir überein und wir können uns gemeinsam an die Arbeit machen.“ Das Nein wird im japanischen oftmals durch das englische „Maybe“ ersetzt…

• Kurzes „maybe“ –> „Stimme deiner Aussage nicht so ganz zu“ oder „habe es nicht richtig verstanden.“

• Langezogenes „maybe“ mit langem „hmmmm“ -> „Ich weiß die Antwort auf deine Frage im Moment nicht, werde aber versuchen dir später eine Antwort zu geben“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kommunikation nicht immer einfach ist mit den japanischen Kollegen. Wenn man jedoch geduldig und ruhig kommuniziert und ein Gefühl für deren Emotionen bekommt ist es sehr spannend.

4. Japaner sind verspielt und mögen es bunt!

Insbesondere bei diversen Prozessworkshops machte ich die Erfahrung, dass Japaner Probleme gerne spielerisch darstellen und lösen. Man sollte sich daher nicht zu schade sein, Prozesse bspw. mit Legosteinen oder diversem Spielzeug zu erklären oder nachzuspielen. Diese Art mag zwar unorthodox sein aber die Kollegen waren sofort bei der Sache und fingen an über das Thema zu diskutieren. Prozesse können somit viel einfacher und effektiver verständlich gemacht werden, weil es für alle Beteiligten der anschaulichste Weg ist und sprachliche Probleme vermindert werden können.

Ziel muss es in solchen Workshops sein, die japanischen Kollegen zur Diskussion anzuregen. Gelingt einem dies, so wird relativ schnell ein Konsens in der Gruppe gefunden. Bei der Gestaltung von Powerpointfolien habe ich weiterhin die Erfahrung gemacht, dass es durchaus, entgegen der Norm, hilfreich sein kann, die Folien ein wenig farbenfroher und bildlicher darzustellen. Wer einmal in den diversen Vergnügungsvierteln und Spielhallen in Tokio unterwegs war, kann diese verspielte Art der Japaner und die Liebe zu farbenfrohen Dingen nachvollziehen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen sehr viel Spaß gemacht hat und sehr lehrreich für mich war. Trotz der unterschiedlichen Arbeitsweise und Mentalität sollte man immer bedenken, dass diese Art nicht schlechter ist, sondern lediglich anders. Auch bei FUSO werden schließlich seit vielen Jahren sehr erfolgreich Trucks gebaut! Ungemein positiv fiel mir bei den Japanern der Zusammenhalt in der Gruppe auf. Wenn gemeinsame Entscheidungen getroffen werden, werden diese auch sehr verlässlich und konsequent umgesetzt.

Insbesondere wenn man die Regeln der Höflichkeit, Zurückhaltung und Respekt bewahrt und ein bisschen Geduld und Ruhe bei der Entscheidungsfindung mitbringt macht die Arbeit viel Freude und ist zielführend. Bei ausreichender Höflichkeit verzeihen Japaner fast alles.

Ich würde mich über Feedback und weitere Diskussionen zum Thema „Arbeiten in Japan und mit Japanern“ freuen.


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