Arbeitskultur und Arbeitsweise in Japan – Teil I

Tipps und Tricks zur erfolgreichen Projektarbeit, ein Erfahrungsbericht!

Während meines 10-wöchigen Projekteinsatzes bei FUSO in Japan erlebte ich eine spannende Zeit und konnte viele Erfahrungen im Umgang und mit den japanischen Kollegen bei der Arbeit sammeln. Das Kennen und Respektieren von Arbeitsweise, Mentalität und Kultur sind bei einer erfolgreichen Zusammenarbeit mit japanischen Kollegen sehr wichtig und für Mitteleuropäer manchmal nicht einfach zu verstehen.

Der Artikel soll meine Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag mit den japanischen Kollegen näher bringen. Weiterhin werden ein paar, aus meiner Sicht, wichtige Punkte und Verhaltensregeln beschrieben, die es beim Umgang mit japanischen Kollegen zu beachten gilt. Wenn man diese Regeln beachtet und auch das Verhalten der japanischen Kollegen zu deuten weiß, macht es die Arbeit ungemein einfacher und erfolgreicher. Ich würde mich freuen, wenn andere Kollegen ihre Erfahrungen aus Japan in diesem Forum mitteilen und für Diskussionen, Kommentare oder Ergänzungen bedanke ich mich im Vorfeld.

Seit April 2009 arbeite ich als Trainee bei Daimler. Mein Zielbahnhof nach dem Trainee-Programm ist das OMCD (Operational Management Counsel Department). Das OMCD ist für die nachhaltige Umsetzung von Lean Management und TOS (Truck Operating System) bei Daimler Trucks verantwortlich.

Ein Einsatz im Rahmen von CAReer führte mich zu einem 10-wöchigen Projekteinsatz nach Japan, genauer gesagt zu FUSO Mitsubishi Truck and Bus Cooperation in Kawasaki. In Japan bestand meine Aufgabe in der Projektunterstützung bei der Implementierung von Lieferantenmanagement- und Logistikprozessen im Rahmen des HDEP (Heavy Duty Engine Platform)-Anlaufs bei FUSO.

Im Detail bestanden meine Aufgaben darin als eine Art Informationsdrehscheibe und Ansprechpartner für die deutschen Arbeitspaketleiter mit den japanischen Verantwortlichen zu fungieren und die japanische Seite bei der Projektarbeit sowie der wöchentliche Pflege des TIP (Taktischen Implementierungsplan) zu unterstützen.

Innerhalb dieser 10 Wochen arbeitete ich also intensiv mit den japanischen Kollegen zusammen. Mein Schreibtisch war im Logistics Office von FUSO untergebracht und ich saß in Mitten von ca. 40-50 japanischen Kollegen in einem Großraumbüro. So viel also zu mir.

Im Folgenden nun 4 Punkte, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind und die ich gern in zwei Blogbeiträgen thematisieren möchte:

1. Japaner sind schüchtern und zurückhaltend aber unheimlich neugierig!
Besonders in den ersten 2-3 Wochen war mir aufgefallen, dass die japanischen Kollegen sehr zurückhaltend mir gegenüber waren und Kontakt zu vermeiden versuchten. Ein Austausch fand anfangs lediglich mit meinem japanischen Betreuer statt. Dieser war jedoch sehr neugierig und wollte so ziemlich alles von einem wissen (Ausbildung, Arbeit, Wohnung in Japan, Hobbies, etc…). Aus Höflichkeit habe ich auf seine Fragen geantwortet und ich denke es war recht hilfreich um das Eis ein wenig zu brechen.

Interessant an der Sache ist aber, dass nach ca. 3 Wochen auch die anderen Kollegen mich zu akzeptieren begannen und immer mehr auf mich zukamen. Sie sprachen mich lustigerweise auf Dinge an, die ich nur meinem Betreuer erzählt hatte. Sie wussten also so Sachen in welchem Stadtteil ich in Tokio wohne und was man am Wochenende so gemacht hatte. Der Kommunikationsweg gestaltete sich dermaßen, dass mein Betreuer erstmal vorgeschickt wurde um den „Neuen“ ein wenig zu beobachten.

Selber habe ich diese Erfahrung am Ende meiner Zeit in Tokio gemacht, als das Vertrauen mit den japanischen Kollegen wesentlich besser war. Als ein weiterer deutscher Trainee in die Logistik Abteilung kam, waren sie auch zunächst völlig zurückhaltend ihm gegenüber. Komischerweise fragten Sie mich dann letztendlich wer das so ist, was der so macht etc…

Zusammenfassend kann man also sagen, dass ein gewisses Maß an Offenheit sehr wichtig ist um Vertrauen zu schaffen. Des Weiteren sollte man sich nicht beunruhigen lassen, wenn einem am Anfang ein wenig Zurückhaltung entgegengebracht wird. Dies ist keine Unhöflichkeit seitens der japanischen Kollegen, sondern lediglich eine Art von Vorsichtsmaßnahme. Was sicherlich Abhilfe schafft, um das Eis früher zu brechen sind kleine Willkommensgeschenke. Gummibärchen kommen super an!

2. Erfolgreiche Zusammenarbeit erfordert Geduld und Gelassenheit!
Während meiner täglichen Projektarbeit machte ich die Erfahrung, dass Entscheidungsprozesse in Japan viel langsamer anlaufen als in Deutschland. Entscheidungen und Konsens werden meist zunächst in „internen“ Meetings getroffen. Hierbei sind die japanischen Kollegen unter sich. Dies soll sicherstellen, dass die Akzeptanz der Entscheidungen bei allen Beteiligten gegeben ist und niemand „sein Gesicht“ verliert. Die Harmonie innerhalb der Gruppe soll also bestehen bleiben.

Als Außenstehender, der auf Feedback und Entscheidungen wartet, um mit seiner Arbeit fortzufahren, ist dies eine regelrechte Geduldsprobe. Mir kam oftmals der Gedanke, dass man mich vergessen hat. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass dies in den seltensten Fällen so war. Vielmehr fanden im Hintergrund Besprechungen und Konsensfindung statt. Als Außenstehender heißt es da schlicht weg Geduld zu bewahren und darauf vertrauen, dass Entscheidungen getroffen werden. Es macht da wenig Sinn unnötigen Druck auszuüben.

Der Vorteil an diesem Prozess der Entscheidungsfindung ist jedoch, dass wenn Entscheidungen getroffen sind, alle dahinter stehen und diese bedingungslos unterstützten.

Soviel zu meinen ersten zwei Erkenntnissen. Weitere zwei Erkenntnisse werden in diesem Bericht fortgesetzt.


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