Grün… oder doch Weiß? Die IAA 2009

Letzte Woche saß ich pünktlich um 6.00 Uhr voller Vorfreude im Auto von Stuttgart nach Frankfurt, um der IAA am ersten Pressetag einen Besuch abzustatten. Und um als Redakteurin vor Ort zu sein für eine konzerninterne Kommunikationsplattform, die die internationalen Daimler-Pressemanager mit Informationen versorgt.

Dieses Mal war ich sehr gespannt auf die IAA, denn an einem, nein: DEM Pressetag war ich noch nie dort gewesen. Viele Journalisten stellte ich mir vor, die von Pressekonferenz zu Pressekonferenz jagten und sich auf Leitern und Hockern die besten Aussichten auf die Neuheiten und wichtigen Köpfe der großen Hersteller streitig machten. Ich stellte mir die Hallen menschenleerer vor, als bei den Besuchertagen und ich erwartete natürlich, dass mir der ein oder andere „Promi“ über den Weg laufen würde. Alles in allem wurde ich nicht enttäuscht.

Ich betrat das Messegelände an der Halle 11 und wurde zwangsläufig direkt in die BMW-Welt gelotst. Ich wusste zwar, dass BMW in diesem Jahr eine eigene und neue Halle haben würde und hörte vorab auch, dass diese am Ende des Universums läge, aber was mich erwartete, war einfach nur riesig und ganz schön weiß.

Geblendet und überrascht von diesem gigantischen Auftritt lief ich vorbei an einer schräg an die Wand gebrachten Rennstrecke a la überdimensionale Carrera-Bahn, auf der – noch – streng in Reihen die bayerischen Fahrzeuge parkten. Chic gemacht und trotz Strenge und Starrheit sogar irgendwie dynamisch anmutend, aber wieso nur musste ich sofort an das Mercedes-Benz-Museum denken…

 

Den Weg zur Festhalle legte ich an der frischen Luft zurück – Frühsport auf der IAA, denn Halle 11 liegt gefühltermaßen zumindest am Ende von Frankfurt. Die Location von Mercedes-Benz sah auf den ersten Blick genauso aus, wie zwei Jahre zuvor: dunkel, elegant, aber irgendwie auch gemütlich durch die runde Form und die Ehrwürdigkeit des Gebäudes und die mit einem überdimensionalen pagodenförmigen Dach abgehängte Decke. Es fehlte dieses Mal eigentlich nur der große „Catwalk“, die stilisierte Straße.

Die Show, die zur Pressekonferenz geboten wurde, war sehenswert. Am sehenswertesten war natürlich der SLS AMG, den alle sehnsüchtig erwarteten. So wurde er auch spannend angekündigt: Lichteffekte im Einklang mit klassischem Gesang, der in rasende Drum’n Bass-Rhytmen überging. Und dann kam das Wunderding auf die Bühne: lippenstiftrot und anmutig. Wunderschön. Dagegen wirkte Lewis Hamilton, der den Wagen präsentierte, richtig blass…

 

Davon inspiriert wollte ich die anderen roten Wunderdinger sehen, die von den Italienern. „Was für ein Krach“, dachte ich kurz, als ich die Halle der Italiener betrat, aber dann wurde mir klar, dass es das Motorengeräusch des F430 Scuderia sein musste, das da aus den Lautsprechern dröhnte. Ich bin kein Fan von diesen Autos, aber das hat schon beeindruckt, bevor man überhaupt zu den eigentlichen Objekten der allgemeinen Begierde kam.

Und da hätten wir dann auch das Thema mit den Journalisten auf Leitern. Hier standen sie: Dicht gedrängt auf mobilen Podesten, auf Klapptritten und Aluleitern, alle heiß auf den F430, auf Ferrari-Chef Luca Montezemolo und… ja, da hätten wir dann gleich wieder einen populären Herrn: Michael Schumacher – eigentlich keine Überraschung. Ich glaube, das wird für die traditionell sehr aufgebrezelten Mädels bei Alfa am Stand gegenüber der einzige Moment der ganzen Messe gewesen sein, an dem sie keine Beachtung erhielten…

 

Aalglatt ist ein Stichwort für die Halle des Volkswagen-Konzerns. Die Agenturen von BMW und VW haben sich vielleicht abgestimmt. Oder wahrscheinlicher: Wie blöd, wenn zwei Frauen auf einer Party dasselbe Kleid tragen. Weiß soweit das Auge reicht. Und da vielleicht gerade der Blick in die Ferne schweift: Der ein oder andere hatte seine Beine nicht im Griff, als er durch eine stufenreiche Eislandschaft stieg.

Der Rückweg zum Rebstock-Parkhaus führte erneut durch die BMW-Halle. Eine schöne Idee mit der „Carrera-Bahn“, wirklich. Aber was ich am Morgen vor offizieller Standöffnung nicht so recht realisiert hatte: Da sollten wirklich Fahrzeuge ihre Runden drehen, und wohl mit Besuchern am Lenkrad! Ich setzte mich auf die Tribüne vor der Bahn, um mir anzuschauen, was das Besondere am Fahren auf der Rennstrecke sein könnte. In dem Moment: Nichts. Mit vielleicht 20 km/h 300 Meter in einer Messehalle Runden in einem BMW zu drehen… na ja. Auf jeden Fall mal etwas Neues. Ich hörte aber, es solle tolle Shows dort geben und dass das im Mittelpunkt stehe, wozu Autos da sind: Das Fahren…
Mini hat in diesem Jahr im Übrigen einen größeren Stand als zuvor, und der ist wirklich richtig stylisch – sicher auch wegen des 50. Geburtstags. Da auch dieses Auto damit wirbt, bald als batteriebetriebener Elektro-Flitzer groß raus zu kommen, tat mir der Auftritt von smart in der Festhalle ein bisschen weh. Denn dieser präsentierte sich vergleichsweise unscheinbar gegenüber dem Mini. Geärgert hat mich, dass Mini sich damit brüstet, das erste Fahrzeug zu sein, das mit der neuen Generation der Lithium-Ionen-Batterien angetrieben Berlin und New York erobern wird. Sollte sich das nicht smart riesengroß auf die Fahne schreiben? Der smart fortwo ed ist doch bereits seit 2008 erfolgreich in einem Pilotprojekt in London auf den Straßen und dann auch in Berlin!

Mein Fazit

Was für ein erholsamer Messebesuch an einem Pressetag! Wie fabelhaft, nicht nur alle Fahrzeuge wirklich aus der Nähe sehen, sondern sich auch entspannt hineinsetzen und „fühlen“ zu können. Die IAA 2009 soll die „grünste“ von allen bisherigen sein. Zumindest schreiben sich die Hersteller die niedrigen Verbrauchswerte der einzelnen Modelle groß auf die Fahrzeug-Türen. Hybrid ist schon Realität – sogar für Porsche. Elektro stottert noch ein bisschen vor sich hin. Für sich beanspruchen wollen nahezu alle Hersteller die neuen Technologien, aber die eigentlichen – und üblichen – Renner der Messe waren sicher die „Wuchtbrummen“: Mercedes SLS AMG, Maserati GranCabrio, Ferrari F430, Porsche Panamera,…


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