GASTBEITRAG: Pl0gbar unter gutem Stern

Pl0gbar meets Twitterlounge

Waaaas? Die Pl0gbar, dieses lose, monatliche Treffen südwestdeutscher Web-2.0-Menschen, trifft auf Daimler-Twitterer? In der Beach Lounge am Mercedes-Museum sollen sich also kommerzfeindliche Internetpiraten im Schlabberlook friedlich mit diesen schnieken Businesstypen vom Daimlerweltkonzern austauschen? Gibt es da nicht unüberbrückbare Gräben? Endlose Diskussionen? Fiese Schlägereien?

Die Webleute sind nicht so

Alles Quatsch, war alles ganz anders.

Zunächst sind diese Internetleute, die sich unter dem Label „Pl0gbar“ seit zwei Jahren in vielen Städten organisieren, total friedliche, nette Menschen. Sicher, Konventionen zählen bei ihnen nicht ganz so viel wie bei der IHK, zum Beispiel wird jedermann und -frau sofort geduzt. Aber ansonsten hat man viel Respekt voreinander. Von Jung bis etwas älter, von Studenten, Angestellten, Freiberuflern bis hin zu Unternehmern ist alles dabei.

BigRedZebra

Claus Hammer

Eines verbindet: die kommunikativen Möglichkeiten des Internet, wie wir es heute kennen. Man kennt sich von Twitter, schreibt, liest und kommentiert in Blogs und probiert gemeinsam all die tollen Dienste aus, die die Web-2.0-Welt so zu bieten hat. Viele sind beruflich unterwegs in der Online-Branche, sind also richtige Auskenner. Und warum dann überhaupt noch treffen im realen Leben?

Gleichgesinnte treffen

„Ich treffe hier alte Bekannte, lerne aber auch immer wieder neue Leute kennen“, sagt zum Beispiel die Zuckerbäckerin, beruflich im Finanzbereich tätig. Ähnlich äußert sich Heinz Kamke, in irgendeinem Verband für Kommunikation zuständig: „Es macht einfach Spaß, Gleichgesinnte zu treffen. In meinem privaten Umfeld findet man eher weniger Leute, die sich mit Twitter oder so etwas beschäftigen.“ Noch etwas verbindet auf den ersten Blick: die Liebe zum Gerät. Internetmenschen diesen Schlags verfügen über internetfähige Mobiltelefone und das iPhone von Apple ist mit einer Marktdurchdringung von 90 Prozent der unangefochtene Favorit. Die Maschinchen bleiben denn auch nicht verschämt in der Hosentasche stecken, sondern liegen in den Händen, werden vorgeführt. Es wird gemeinsam geschaut und auf dem Laufenden geblieben. Hier sagt niemand: „Steck doch mal das Ding weg. Mit dir kann man sich ja gar nicht unterhalten…“ Keine Bange, es wird bei diesen Treffen eifrig kommuniziert. Am Donnerstag Abend eben dieses Mal mit den Leuten „vom Daimler“.

Die Daimlerleute sind nicht so

Denn die sind ja auch nicht so, wie man die sich als Otto-Normal-Blogger so vorstellt. Zunächst mal lassen sie sich rein äußerlich, vom Alter und von den Umgangsformen her gar nicht unterscheiden. Schon nach kurzer Zeit haben sich die etwa 70 Teilnehmer in der edel gestalteten Korbsofalandschaft verteilt und nur Eingeweihte wissen noch, wer woher kommt. Begeistert das Web vielleicht doch einen ähnlichen Menschenschlag? Oder macht das Internet alle gleich? Die Daimlerleute sind jedenfalls auch webheads. „Das sind alles Mitarbeiter, die entweder selber twittern oder sich beruflich für sehr stark für die neuen Webtechniken und die social media interessieren“, erläutert Uwe Knaus vom Daimler-Blog.

Das Internet ist die Zukunft

Claus Hammer aus dem Bereich Interactive Marketing bei Mercedes-Benz Vans bestätigt das. „Das Internet ist die Zukunft: Geschwindigkeit, Flexibilität und Konvergenz sind einfach unschlagbar.“ Hammer interessiert die Mentalität dieser Web-2.0-Nutzer, diese Bereitschaft zu Neuem, dieser ständige Blick über den Tellerrand. Das wünscht er sich auch fürs Unternehmen: „Neue Themen dauern teilweise zu lange.“ Hui, diese Daimlerleute nehmen ja kein Blatt vor den Mund. Obwohl, gewisse Grenzen gibt es. So stellt Thilo Wessel vom Mercedes-Museum dessen zweites Programm für das iPhone vor. Wird „Silver Arrow“ heißen, sich um 75 Jahre Silberpfeil drehen und ein online gegen andere spielbares Quartett enthalten. Der Ausbau zum virtuellen Museumsführer ist geplant. Und wie oft wurde die erste App des Museums bei iTunes runtergeladen? „Dazu veröffentlichen wir keine Zahlen.“ Na gut, man muss der Konkurrenz ja nicht alles auf die Nase binden.

Sonst noch: Wurst, Bier, Erkenntnisse

So sitzen sie also bis spät in den Abend hinein zusammen, diese ganzen Internetverrückten, empfehlen sich dies und jenes (gute App: Geodefense) , kolportieren den neuesten Tratsch aus der Branche (Vodafone: „Mut ist gut.“), twittern in die Welt hinaus.

Was noch? Das beliebteste Getränk war das Flaschenbier von Wulle. Bei den Speisen wurde der Thüringer Bratwurst der Vorzug gegeben – vor den Maultaschen. (In Untertürkheim! Ein Sakrileg!) Die Beach Lounge kann allen empfohlen werden, die an lauen Abenden einen spektakulären Ort mit viel Parkraum vor der Tür für eine mittelgroße Gruppe suchen. Ich habe Bernd Schray kennengelernt, der das Tourismusblog betravel macht. Begeistert berichtet er von seinen Erfahrungen. Er lerne dabei auch viel über sich selbst, meint er. Ob Daimler diese Blogger-Erkenntnis für sich nutzbar machen kann und ein Unternehmen wird, dass aus dem Web lernt?

Fotos pl0gbar meets TwitterLounge gibt’s hier:

Baranek auf flickr

_teecee auf flickr

Dentaku auf wazong

Signal77 auf seinem Blog

Über den Autor

Dirk Baranek lebt in Stuttgart, ist als Webpublizist und Freier Journalist tätig und schreibt u.a. für die Stuttgarter Zeitung. Mehr Infos bei www.dirk-baranek.de. Auf Twitter ist er unter @baranek zu finden.


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