EU plant kontraproduktive CO²-Strafsteuer für Transporter

Der eine oder andere mag in den letzten Tagen gehört oder gelesen haben, dass in Brüssel gerade ein Vorschlag zur CO2-Gesetzgebung für leichte Nutzfahrzeuge diskutiert wird.

Jetzt könnte man natürlich fragen, was geht mich das an? Das betrifft doch eigentlich nur die Hersteller von Transportern. Weit gefehlt! Die geht es zwar nur auf den ersten Blick etwas an, betroffen ist aber jeder von uns. Unsere Kunden, die Pakete, Äpfel, Gemüse und sonst was transportieren, aber viel mehr eigentlich ist jeder Bürger als Konsument hiervon betroffen.

Was passiert eigentlich:

Genau genommen dasselbe wie bei PKW, nämlich eine Strafsteuer auf jedes Gramm oberhalb der angedachten Grenzen von 175 g (ab 2012) und sogar ab 2015 von 160 g/km. Das heißt für ein Fahrzeug wie unseren gerade neu vorgestellten Sprinter Euro 5 wären ca. 5.000,- Euro fällig.

Jetzt könnte man ja relativ einfach sagen, dann muss der einfach noch weniger verbrauchen. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Zum einen ist der Kraftstoffverbrauch ein großer Kostenblock bei unseren Kunden, und das seit jeher, also sind die Fahrzeuge eh schon so effizient als möglich, zum zweiten braucht es schon neue Technologien von der Optimierung der herkömmlichen Aggregate bis hin zum vollelektrischen Antrieb.

Dass dieses in der Kürze der Zeit (bis 2012 sind es schließlich nur noch etwas über 2 Jahre) kaum möglich ist, bzw. die Produkte wahnsinnig verteuern würde, scheint bei der Gesetzgebung niemand so recht zu interessieren. Witzigerweise ist die Brüsseler Fachkommission selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass die Grenzwerte technisch gar nicht realisierbar sind in dieser Zeit.

Eigentlich müsste bei dieser Erkenntnis doch der EU, im Sinne der selbst auferlegten Vorgabe des EU Parlamentes, der sog. „better regulations“ (bedeutet so viel wie bessere Gesetze für die Bürger) doch der Gedanke kommen, hier noch einmal die Hausaufgaben zu machen. Wollen wir hoffen, dass sie es tun.

Jetzt aber zurück zu meinem Eingangssatz „Es betrifft eigentlich Jeden von uns“. Zunächst einmal besteht die Möglichkeit, dass die Transporteure auf kleinere Fahrzeuge von Transportern zurückgreifen, die die Abgaswerte erreichen. Ist aber auch nur auf den ersten Blick eine Lösung, da ich natürlich mehr Fahrzeuge benötige, um dieselbe Menge an Paketen, Äpfeln oder sonst was zu transportieren. Nur mal als Rechenbeispiel: Nehme ich einen großen sogenannten Klasse 3-Transporter wie den Sprinter oder Crafter, müsste ich ihn durch bis zu 5 oder 6 sogenannte Klasse 1-Transporter wie z.B. einen Kangoo oder ähnliches ersetzen.

Die Mehrkosten für die Fahrzeuge und Fahrer verteuern natürlich jedes transportierte Paket oder jeden Apfel. Nun ist Geld sicherlich nur die eine Seite der Medaille, aber was viel fataler ist, der eigentliche Sinn und Zweck der Umwelt zuliebe wird natürlich völlig konterkariert. Während ein großer Sprinter ungefähr 250 g CO2 ausstößt, wird ein kleiner Transporter, der nur 130 g CO2 ausstößt, aber dafür 5- bis 6-mal fahren muss, ca. 650 bis 800 g CO2 für dieselbe Menge an Paketen oder Äpfeln oder wie gesagt, was auch immer, ausstoßen. Und warum das gut ist für die Umwelt, verstehe ich wirklich nicht.

Ein weiteres Phänomen: Es hat scheinbar niemand darüber nachgedacht, wie groß der Mehrverbrauch an Verkehrsraum ist, sei es als Parkfläche bzw. Straße, als ob die Ballungsgebiete nicht schon heute verstopft sind.

Ja, ich glaube das sind genügend Beispiele, die zeigen, dass wirklich jeder Bürger hiervon über kurz oder lang betroffen ist und nicht nur die Hersteller und deren Kunden. Die Konsequenzen für meinen Arbeitsplatz lasse ich hier einfach außer Acht. Der wäre sicherlich dann nicht mehr notwendig.

Übrigens – falls jemand fragt, wie denn ein vernünftiger Lösungsansatz aussehen könnte – ganz einfach: Grenzwerte machen absolut Sinn, sie müssen nur realisierbar sein und es muss sich in den Werten widerspiegeln, ob ich mit einem Fahrzeug zwei Personen befördere oder zwei Tonnen Gemüse zum Markt bringe. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang übrigens von Tonnenkilometern bzw. Volumenkilometern und bei Bussen heißt es dann Personenkilometer.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
No votes yet.
Bitte warten...

Tags: , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Herbert Jäger: Hallo, hoffe den EQC gibt es mit Anhängerkupplung, ...

  2. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Kevin Berger: Toller Bericht und tolle Bilder!! Die Tarnung ist auch sehr...

  3. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Andreas Glatz: Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. Auch ihr macht einen tollen...

  4. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Marc Christiansen: Sehr schöner Artikel Herr Scheible! Freue mich auf den EQ C.

  5. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Manuel: Hallo Karl, super geschriebener Bericht mit tollen Bildern. Und das alles...