Trotz Handicap zum Traumberuf?

Andreas Lang stellt im Blog-Beitrag vom 26.02.2009 seinen erfolgreichen beruflichen Werdegang unter der Überschrift „Über Umwege zum Traumberuf“ dar.

Er hat eindrucksvoll bewiesen, dass man mit einem starken Willen und Beharrlichkeit zum Ziel gelangen kann.

Als Betriebsrätin und Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen für das Werk Untertürkheim möchte ich in meinem Beitrag dafür sensibilisieren, dass es Lebensumstände gibt, bei denen ausgeprägter Wille zwar erforderlich, allein jedoch nicht ausreichend ist.

Als Beispiel dafür möchte ich Menschen mit chronischen Erkrankungen bzw. Schwerbehinderungen nennen. Die geringere Erwerbsbeteiligung dieser Menschen in Deutschland liegt nicht an einem Mangel an Willen oder Fähigkeiten.

Viele wollten oder könnten arbeiten, wenn ihnen die Gelegenheit dazu gegeben würde. Arbeit ist für Menschen mit Behinderungen mehr als Beschäftigungstherapie, denn Arbeit gibt persönliches Einkommen, verleiht Bestätigung, Identität und ein Gefühl, ‚dazu zu gehören‘.

In der Daimler AG sind 7636 schwerbehinderte und gleichgestellte Mitarbeiter beschäftigt, das entspricht einem Prozentsatz von 5,22% – mehr als die gesetzlich vorgeschriebene Quote von 5%. 1200 schwerbehinderte bzw. gleichgestellte Kollegen arbeiten in Untertürkheim.

Eine Schwerbehinderteneigenschaft haben nicht nur Rollstuhlfahrer. Sie kann denjenigen zuerkannt werden, die nachweislich an einer chronischen Erkrankung leiden, z.B. Krebserkrankungen, Skeletterkrankungen oder Herz-Kreislauferkrankungen.

Unsere Aufgaben in der Schwerbehindertenvertretung (SBV) bestehen darin, die betroffenen Kollegen in allen Fragen des Schwerbehindertenrechts zu beraten und Unterstützung bei den jeweiligen Antragstellungen geben. Außerdem begleiten wir die betroffenen Mitarbeiter in Personalgesprächen, im Wiedereingliederungsmanagement oder bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz.

Zu unseren primären Anliegen gehört auch das Bewerbermanagement, denn eine fundierte Bildung und Ausbildung sind Grundbedingungen für gute Beschäftigungschancen junger Menschen. Dies gilt zwar ganz allgemein, für junge Menschen mit Behinderungen aber in besonderem Maße. Ein erfolgreicher Übergang von Bildung in Beschäftigung erleichtert die Integration behinderter Jugendlicher in das tägliche gesellschaftliche Leben.

Die Daimler AG wird dieser Verpflichtung gerecht. Es gibt seit 2006 eine gemeinsame Initiative von Unternehmensleitung und Schwerbehindertenvertretungen, jährlich an jedem Standort zwei schwerbehinderte Jugendliche auszubilden.

Auch am Standort Untertürkheim wollen wir gezielt eine nachhaltige Integration behinderter Menschen in das tägliche gesellschaftliche Leben erreichen, in den letzten Jahren wurden hier bereits Jugendliche mit Handicap erfolgreich ausgebildet. Die Integration schwerbehinderter junger Menschen in den Arbeitsmarkt zu fördern ist eine der Kernaufgaben der SBV.

Gemeinsam mit dem Betriebsrat und der Ausbildungsleitung ist es uns in Untertürkheim gelungen, einen Bewerbungsprozess zu gestalten, der diesen Jugendlichen Chancengleichheit gewährleistet. Dadurch wird geeigneten Bewerbern mit Handicap die Möglichkeit für eine erfolgreiche Berufsausbildung in der Daimler AG gegeben.

Jüngstes Beispiel dazu ist die Bewerbung eines jungen Mannes, der wegen eines geringen Resthörvermögens seine gesamte Schulzeit auf einer Gehörlosenschule war. Ihm wurde trotzdem ein Praktikum in der Technischen Berufsausbildung in Brühl ermöglicht, bei dem er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Wir sind beeindruckt von seiner großen Motivation und dem Willen, diese Ausbildung zu meistern. Es kostet zweifelsohne viel Energie, mehrere Stunden am Tag Sprache von den Lippen abzulesen.

Mich persönlich hat in diesem Fall die Kooperation der Technischen Berufsausbildung Brühl und der Berufsschule (Maybachschule Stuttgart) gefreut. Bei meiner Hospitation vor Ort konnte ich mich davon überzeugen, dass die verantwortlichen Ausbildungsmeister bzw. Lehrer diese Herausforderung annehmen und den Unterricht so gestalten werden, dass es dem zukünftigen Azubi möglich sein wird, der dort auf ihn abgestimmten Kommunikation zu folgen.

Für mich bedeutet dieses Beispiel aktive Integration, welche manches Umdenken und verändertes Handeln erfordert. Natürlich ist das nicht immer einfach, aber ich bin überzeugt davon, der Weg lohnt sich.


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