Sonne auf dem Dach

I had a dream. Bis vor wenigen Wochen konnte ich noch den bekannten Spruch von Martin Luther King (I have a dream) zitieren. Mittlerweile wurde dieser Traum Wirklichkeit.

Solartechnologie und Photovoltaik allgegenwärtig. Man kann dies besonders schön sehen, wenn man über Land fährt: Jeder landwirtschaftliche Betrieb, der etwas auf sich hält, hat eine solche Anlage dem Dach. Eine solche 18.000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage steht nun auch auf dem Dach der Montagehalle der EvoBus GmbH (Daimler Buses). Wie kam es dazu?

Seit 1999 bin ich im Unternehmen für die Werksinfrastruktur und somit auch für das Energiemanagement am Standort Ulm / Neu-Ulm zuständig und folglich auch an dem Thema Solarenergie dran. Seinen Anfang hatte dieses Projekt im Jahr 2001: hervorgegangen aus der der Sonderaktion „Energie sparen“ des internen Ideenmanagements. Es gab damals aber auch schon Vorschläge Solaranlagen zu bauen, aber wer konnte sich vor 8 Jahren solche Anlagen auf unseren Dächern vorstellen?

Photovoltaikanlage

Das Ergebnis einer daraufhin in Auftrag gegebenen Studie war: Die Kapitalrückflusszeiten sowohl für Solarkollektoren, als auch für die Strom erzeugenden Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) waren zu lange. Dies war dann der Grund, weshalb das Projekt damals noch nicht auf die nötige Akzeptanz stieß.

2006 wurde dann ein Kostenoptimierungsprojekt mit dem Namen „Busplus“ aufgesetzt. Man schaute sich die großen Stellhebel an und stieß dabei auch die Energiekosten. Das Thema war wieder auf dem Tisch und ich wurde zum standortübergreifenden Projektleiter für das Teilprojekt Energieoptimierung „E+“ ernannt. Im Rahmen dieses neuen Projektes, nun gemeinsam mit den Kollegen vom EvoBus-Standort Mannheim, wurde erneut jeder Stein rumgedreht, um zu schauen, ob sich darunter Energiepotential verbergen könnte. Wir schauten nach den klassischen Schwerpunkten, den sogenannten „3 E“:

• Einsparung
• Effizienzverbesserung
• Erzeugung

Durch intelligente Nutzung vorhandener Techniken, z.B. der ausgefeilten Gebäudeleittechnik am Standort Neu-Ulm, konnten wir überraschenderweise immer wieder erneut Energie einsparen, ohne dass es dadurch zu Komfortverlusten für die Mitarbeiter kam. Das lag sicherlich auch sehr stark daran, dass es in unseren Werken und Hallen „menschelt“. Türen oder Fenster stehen offen oder Licht ist eingeschaltet, wo es nicht benötigt wird. Mitarbeiter sind somit ein wichtiger Stellhebel im Projekt, denn die Temperatur einfach runterdrehen, das kann jeder! Das ist keine Kunst und dazu ist auch kein Projekt nötig. In internen Runden wurde dann auch schon mal über den Spruch auf meinem Grabstein gewitzelt: „Seine letzten Worte waren Licht aus und Tür zu“.

Den größten Ehrgeiz legten wir auf jedoch die Erhöhung der Effizienz. Hier konnten wir beachtliche und nachhaltige Fortschritte vorweisen. Denn trotz gestiegener Produktionsflächen und Absatzzahlen war unser Wärmebedarf seit Jahren stetig rückläufig. Die Erfolge ließen sich sehen: Wir kamen beim letzten Environmental Leadership Award in die Endrunde und erreichten beim KfW-Wettbewerb 2007 einen 2. Platz. Das Preisgeld in Höhe von 3.000€ spendeten wir örtlichen Kindergärten, damit sie ihre Energiemaßnahmen effizienter gestalten konnten.

Zurück zur Sonne auf dem Dach, mit dem dritten „E“, der Erzeugung.
Das Thema war hier: Dachgestattung (Zurverfügungstellung der Hallendächer für externe Investoren). Hier gibt es folgende Möglichkeiten:

• selbst investieren
• investieren lassen und Anteile besitzen
• einem Investor gestatten das Dach zu nutzen

Das Projekt „E+! war mittlerweile eines der erfolgreichsten Teilprojekte innerhalb Busplus geworden. Der Energiepreis stieg unvermindert an und somit auch die Aufmerksamkeit für Energiesparmaßnahmen. Was zur Folge hatte, dass ich nun beauftrag wurde, entsprechende Detailkonzepte zu erarbeiten.

Mitte 2008 standen dann alle wichtigen Entscheider hinter dem Projekt und mit großer Willens- und Kraftanstrengung gelang es uns die schwierigen Vertragsverhandlungen abzuschließen. Ziel war es die Anlage noch 2008, in Betrieb zu nehmen, damit die höhere Einspeisevergütung für dieses Jahr noch voll genutzt werden konnte. Am 21.12.2008 gingen dann die ersten Module ans Netz.

Dachmontage

Trotz des in Neu-Ulm sehr lang andauenden Winters, haben wir die Komplettfertigstellung exakt 1 Tag vor der Einweihungsfeier am 06.03.2009 geschafft. Seit diesem Tag ist die Anlage nun in der Lage bis zu 2,29 Megawatt Strom zu erzeugen. Dies reicht aus um 650 Standardhaushalte über 1 Jahr lang mit Strom zu versorgen und spart zudem, im Vergleich zu einem modernen Kohlekraftwerk, über 2.000t CO2 pro Jahr ein.

I had a dream! Dieser Traum ist nun Wirklichkeit geworden und macht somit Platz für andere neue Träume, Visionen, Ziele und hoffentlich auch Projekte. Ein besonderer Dank gilt meinem Team, das sowohl fachlich als auch menschlich bestens und hoch motiviert zusammengearbeitet hat. Wir werden weiterhin an solchen tollen Themen dran bleiben und man kann man sicher sein, dass der EvoBus-Standort Neu-Ulm in Sachen Energieeffizienz weiter von sich hören lassen wird.

Mein persönliches Fazit:
Ich bin zwar schon lange stolz, daran mitzuarbeiten, die besten und schönsten Busse der Welt zu bauen, aber es tut auch richtig gut, durch eine große Halle zu gehen und zu wissen, dass auf dieser durch 13.800 PV-Module jeden Tag umweltverträglicher Strom produziert wird. Somit ist es die größte Anlage dieser Art innerhalb des Konzerns und zudem unter den Top 10 in Deutschland.
Ich wünsche mir und allen Fachkollegen, dass ein solches Projekt auch an anderen Standorten Nachahmer finden wird.


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