Genf mit Hindernissen

Wenn man Sinn für Vergleiche oder Symbole hat, dann könnte meine diesjährige Anreise nach Genf für die aktuelle wirtschaftliche Situation stehen. Frühzeitig mit der 6:00 Uhr-Maschine durchstarten, den kompletten Tag in Genf nutzen und abends wieder zurück – so war es geplant. Nun, es lief nicht so glatt, die 6:00 Uhr-Maschine startete nicht. Das linke Triebwerk machte beim Anlassen schlapp. Also zurück zum Gate und auf Standby. Nach kurzer Wartezeit wurde uns dann mitgeteilt, dass der Flug gestrichen ist. Umbuchen auf den späteren Flug 8:20 Uhr war möglich, es gab noch Plätze.

Offensichtlich war der Drang nach Genf nicht so hoch wie in den letzten Jahren. Ich nutzte die Wartezeit, um den Tag neu zu planen, schließlich hatte ich deutlich weniger Zeit. Außerdem musste ich auf ein paar interessante Pressekonferenzen mit Präsentation von Neuheiten – bei VW zum Beispiel der neue Polo – verzichten.

Die aktuelle Situation in der Automobilindustrie hat damit durchaus Ähnlichkeiten. Der Motor stottert, läuft nicht wie gewohnt und die Hersteller versuchen, in dieser „Wartezeit“ den Blick nach vorne zu wenden und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Das war auch, um es vorwegzunehmen, mein zusammenfassender Eindruck des diesjährigen Genfer Automobilsalons.

Aber fangen wir mit der verspäteten Ankunft in Genf an. Ein erster Blick in die Hallen vermittelt: Alles wie gehabt, die Hallen voll, die großen Hersteller an den bekannten Stellen mit den gleich großen Ständen, vergleichbar viele Besucher wie die letzten Jahre und die Stimmung überraschend gut.

E-Klasse CoupéBei genauerem Hinsehen stellte der aufmerksame Beobachter allerdings doch ein paar Unterschiede zu den letzten Jahren fest. Bei der Ausstattung der Messestände wurden teilweise Abstriche gemacht, und einige Produktpräsentationen beschränkten sich auf das bloße Aufreihen von Fahrzeugen mit minimaler personeller Betreuung. Hier waren wohl Kostenaspekte dominierend. Die Pressekonferenzen – zumindest die, die ich erleben konnte – verzichteten auf vordergründige Schaueffekte. Auf unserem Mercedes-Stand präsentierten Dieter Zetsche und Forschungs- und Entwicklungsvorstand Thomas Weber die neue E-Klasse und als Weltpremiere das E-Klasse Coupé. Chefdesigner Gorden Wagener erläuterte das – wie ich finde – sehr schöne Design des Coupés.

Was fiel technisch auf?

Smartes ElektroautoPraktisch alle Hersteller stellten mit Blick auf die CO2-Thematik ihre verbrauchsoptimierten Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren heraus. Und wenn ich als Beispiel unsere neue E-Klasse nehme, die fast 25% weniger Durst als der Vorgänger hat und mit 5 bis 7 Liter/100km auskommen kann, sind die Fortschritte unübersehbar.

Bei vielen Herstellern standen außerdem Hybrid-Fahrzeuge mit unterschiedlichen technischen Konzepten und mit unterschiedlichem Reifegrad – vom Concept-Car bis zum käuflichen Modell. Die gezeigten rein batterieelektrisch angetriebenen Fahrzeuge scheinen mir dagegen großenteils noch weit weg von Serieneinsätzen zu sein. Als Batterie kommt nach Herstellerangabe überwiegend die Lithium-Ionen-Technologie zum Einsatz. Die erforderlichen Batteriebauräume schränken allerdings den nutzbaren Platz oder die Reichweite (oder beides) ein. Haupteinsatzgebiet für diese Fahrzeuge wird daher zunächst der regionale Bereich bleiben. Hier kann in einigen Jahren mit kompakten Fahrzeugen bei einer Reichweite bis zu 200 Kilometer ein erheblicher Teil der Mobilitätsbedürfnisse erfüllt werden.

Der Rundgang durch den Sportwagenbereich zeigte auch hier Perspektiven für Hybridantriebe und elektrisches Fahren. Selbst eine Studie für ein Formel 1 Fahrzeug mit E-Antrieb war zu sehen. Und wer sich nicht entscheiden mag: Der Schweizer Tuner Franz Rinderknecht präsentierte einen Fiat 500, bei dem der Fahrer zwischen der moderaten Version mit 60 PS und der Power-Variante mit satten 160 PS umschalten kann.

Der Überblick zeigt: Fahrzeuge mit Verbrennungsantrieben werden konsequent in Richtung optimierter Verbräuche entwickelt und sind für die Kunden verfügbar. Hybrid-Module werden für eine weitere Effizienzsteigerung sorgen. Und beim rein elektrischen Fahren wird die Batterietechnologie die Schlüsselrolle für einen breiteren Kundeneinsatz spielen.


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