Alle reden von der „Verschrottungsprämie“

Als ich heute Morgen die Zeitung aufgeschlagen habe, da sprang mir eine großflächige Werbeanzeige in die Augen, die da lautete: Nah wie nie! Jetzt umsteigen: 2.500 € vom Staat und 2.500 € von Mercedes.

Auf dem Weg zur Arbeit tönte mir dann eine AUDI – Werbung mit dem Titel: Alle reden von der Umweltprämie … entgehen. Das war dann der letzte notwendige Anstoß um mich hier mal zu diesem Thema zu äußern.

Ich glaube nämlich, dass uns dieses Thema noch eine ganze Weile begleiten wird, schließlich sprechen viele Politiker schon von einer Erfolgsgeschichte, aber ist es wirklich eine?

Nah wie nieAls Mitarbeiter der Konzernstrategie bin ich u.a. für die Positionierung zu weltweiten Regularien (also Gesetze) zuständig. Darunter fällt auch unsere deutsche „Umweltprämie“, die umgangssprachlich auch nur „Verschrottungsprämie“ genannt wird, denn das ist Sie ja eigentlich.

Und natürlich haben wir in der Konzernstrategie auch eine offizielle „Daimler-Meinung“ dazu, aber das soll jetzt hier nicht das Thema sein, denn auch als „nur“ Daimler-Mitarbeiter stellt man sich in diesem Zusammenhang die ganz persönliche Frage, ob diese Prämie auch uns (dem Daimler) was bringt, also ob sie auch unseren Absatz fördert und ob sie auch meinen Arbeitsplatz sichern hilft, denn schließlich ist der deutsche Staat bereit, sich mit bis zu 1.800.000.000 € zu verschulden, falls genügend Kunden davon Gebrauch machen wollen. Auch mir als Steuerzahler muss die Fragen nach der Sinnhaftigkeit erlaubt sein.

Klar kann man nicht genau beantworten, welches Auto durch die „Umweltprämie“ extra verkauft wurde oder andersherum, welches ohne sie nicht verkauft worden wäre. Eines aber zeigt mir die Erfahrung: So eine Verschrottungsprämie nutzt vor allem den Marken und Modellen, die diese Prämie genau aus diesem Grund z.B. jeden Abend im Fernsehen bewerben. Also einfach mal heute Abend vor dem Fernseher aufpassen wer mit der Prämie wirbt und dann werden wir feststellen, dass das sehr viele Importmarken und vor allem Kleinwagen sind. Das ist ja auch kein Wunder, denn 2.500 € einzusparen bei einem Auto für 10.000 € ist eben etwas anderes, wie bei einem Wagen für 40.000€.

Zum Glück ließen sich unsere deutschen Politiker wenigsten davon überzeugen, dass die Umweltprämie auch für Fahrzeuge gilt, die maximal ein Jahr alt sind. Also quasi unsere Jahreswagen. Da bewegen wir uns dann schon in etwas niedrigeren Preisregionen und die 2.500 € erscheinen attraktiver. Außerdem stabilisiert das unsere Jahreswagenpreise, denn ohne diese Einbeziehung wären deren Preise vielleicht sogar gefallen.

Das ist nämlich die andere Seite der Medaille. Gebrauchtwagenhändler dürften über die Umwelt-Prämie nicht sehr glücklich sein, denn die Kunden die bisher ihren alten Wagen nach dem „TÜV-Tod“ durch einen etwas neueren Gebrauchten ersetzt haben, die kaufen sich jetzt natürlich lieber einen billigen und staatlich subventionierten Neuwagen und die älteren Gebrauchten bleiben auf dem Hof.

Ich meine daher, dass so eine Instrument wie die Umweltprämie schon massiv in den Markt eingreift und daher nur in extremen Fällen wir der derzeitigen Krise eingesetzt werden darf. Zumal in manchen EU-Staaten die Bedingungen sogar klar nachteilig für uns sind. Italien plant z.B. auch so eine Prämie, aber nur für Autos die maximal ca. 5 l pro 100 km brauchen. In Spanien und Portugal gibt es so eine 5l – Grenze und auch in Frankreich gibt es die Prämie nur für Fahrzeuge mit einem Verbrauch unter 6 l. Da kann sich jeder selbst überlegen, wer da was bekommt und wer nicht. Ein Schelm, wer vermutet, dass da Industriepolitik betrieben wird.

Besser als jede Umweltprämie wäre daher, wenn die Zuversicht der Kunden und damit auch deren Bereitschaft neue tolle Autos zu kaufen, wieder wachsen würde und die Krise hoffentlich bald vorbei wäre. Das wird aber – befürchte ich – noch eine ganze Weile auf sich warten lassen und das haben sich unsere Vertriebsleute vermutlich auch gedacht und deshalb legen wir bei Mercedes-Benz jetzt zu den 2.500 € vom Staat noch mal 2.500 € obendrauf. Hoffentlich hilft’s.


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