Meine persönliche Erfolgsgeschichte „beim Daimler“ – Teil III

Teil III: Von der Abendschule zum Assessment Center und weg vom Band

Der Entschluss zum beruflichen Umsatteln war gefasst, ich musste nur noch die Genehmigung von meiner damaligen Meisterin einholen. Warum? Sie musste mich ja in der Spätschicht einmal die Woche für die Schule freistellen. Ich informierte meine Meisterin, die auch sofort zusagte und es ganz toll fand, dass ich mich weiterbilden wollte. Daraufhin meldete ich mich gleich auf der Schule an und die neue Schulzeit konnte beginnen.

Ich hatte am Anfang Bedenken, dass ich nach jahrelanger Abstinenz von der Schule Schwierigkeiten bekommen würde beim Lernen, aber das Gegenteil war der Fall und es fiel mir relativ leicht. Die Schule hatte begonnen und es fädelte sich so langsam ein. In der Frühschicht war es kein Problem mit der Schule, weil die ja erst ab 16:00 Uhr (also nach der Schicht) begann. Aber in der Spätschicht stellte es sich zunehmend als Problem dar, den Unterricht zu besuchen. Denn in der Produktion gibt es ein Phänomen: es sind nie genügend Leute da, auch wenn man ständig vom Meister gesagt bekommt, dass wir zu viele Leute hätten.

So gestalteten sich meine Schulbesuche als ständiger Stressfaktor, weil ich vorher nie wusste „klappt es in dieser Spätschichtwoche?“. Ich wurde immer erst am selben Tag darüber informiert, ob ich gehen konnte oder nicht. Außerdem brachte es Unruhe in die Gruppe, weil die Leute ja meine Arbeit mitmachen mussten. Es gestaltete sich auch immer schwerer einen reibungslosen Abgang in die Schule hinzubekommen. Ich denke die Umstände die in der Montage herrschen machten es meiner Meisterin nicht leicht. Aber ich denke auch, durch bessere Planung wäre viel Stress vermieden worden.

Wie dem auch sei die 3,5 Jahre vergingen (mittlerweile hatte ich schon 2 neue Meister) und die Prüfung stand vor der Tür. Wir hatten uns in einer Lerngemeinschaft intensiv darauf vorbereitet und ich wollte natürlich unbedingt die letzte Prüfung, so wie die 2 vorangegangenen Prüfungen, gleich beim ersten Mal bestehen. Ich will nicht lange drumherumreden: ich bestand die Prüfung und die Freude war natürlich riesig, vor allem als dann später noch der Meisterbrief vor mir lag. Ich hatte es geschafft, auch wenn es manchmal ziemlich zäh war. Meine Motivation war es, wegzukommen von der taktgebundenen Arbeit. Immer wenn ich mal keine so richtige Lust auf Schule hatte, hielt ich mir das vor Augen und es half jedes Mal.

Die 1. große Hürde hatte ich geschafft: ich hatte meinen Meistertitel. Doch wer jetzt denkt mir fiel deshalb alles in den Schoß, der hat sich gewaltig getäuscht. Auch war es nicht so, dass ich nicht mehr am Band arbeiten musste. Es hatte sich eigentlich nicht viel zu vorher verändert – nein es wird einem nichts geschenkt, man muss ständig selber hinterher sein. Ich habe meine Vorgesetzten nicht in Ruhe gelassen. Ich wollte immer Sonderaufgaben haben um mich zu beweisen. Und so kam es, dass ich ab und an kleinere Sonderaufgaben von meinem Meister aufgetragen bekam und die relativ leicht und selbständig erledigen konnte. Das fiel natürlich auch dem Meister auf und so durfte ich dann auch 6 Wochen Urlaubsvertretung für unseren Meisterstellvertreter machen.

Ich nahm natürlich jede Sonderaufgabe dankend an, denn das waren ja die ersten Schritte weg von der Linie und vom Band. Dementsprechend enthusiastisch und voller Tatendrang ging ich auch meine Arbeit an und versuchte alles so gut und so schnell wie möglich abzuarbeiten. Ich lernte dabei auch ziemlich viel, bekam die Sicht aus einer anderen Perspektive, bekam viel mehr Hintergrundabläufe mit und denke, dass ich zu der Zeit viele Erfahrungen sammeln konnte. Mein Meister war sehr zufrieden mit meiner Leistung, wie er mir in einem Feedback-Gespräch mitteilte und sagte mir seine Unterstützung für meinen weiteren Werdegang zu. Das war natürlich ein schönes Gefühl diese Worte vom Meister zu hören.

Der nächste Schritt wäre demnach das Meister AC und die darauf folgenden MEP Stationen gewesen. (Zur Erklärung: Meister AC ist die Abkürzung für Assessment Center, dort werden deine Fähigkeiten nochmals intern von verschiedenen Führungskräften in Form einer Präsentation und Rollenspielen geprüft. MEP bedeutet Meister Entwicklungs- Programm dort werden 3 Stationen in verschiedenen Meistereien durchlaufen in denen man dann sein Praxiswissen anwenden darf und soll. Auch das wird dann von den jeweiligen Meistern einer Bewertung unterzogen.)

Doch bevor es soweit kam musste ich mich in einer Sonderaufgabe beweisen. Zu diesem Zeitpunkt kam die neue Baureihe W 212 der E-Klasse ins Spiel. Es wurden noch Abordnungen für die Anlauffabrik gesucht und zwar für die Nullserie des W 212. Nun kam es, dass ich von meinem Meister in die Anlauffabrik geschickt wurde. Die Arbeit und die Erfahrungen dort sollten als Sonderaufgabe für mich bewertet werden.

E-Klasse W212

Aber das Leben hält ja so manche Überraschungen für einen bereit und auch hier kamen die Dinge ganz anders als gedacht. Die Arbeit in der Anlauffabrik war super interessant: man konnte an einem Projekt mitarbeiten, das noch im Anfangsstadium steht und absolut geheim ist, und seine eigenen Erfahrungen miteinbringen. So macht die Arbeit Spaß! Für mich war das eine GANZ ANDERE WELT. Ich hatte das so vorher noch nie gesehen und war total beeindruckt. Um so länger ich dort oben war, umso mehr festigte sich bei mir der Gedanke, dass ich weg wollte und zwar weg von der Produktion. Vorher dachte ich, Meister zu sein wäre der beste Job beim Daimler, aber ich hatte mich getäuscht. Ich fand es gab andere Jobs die mich noch mehr reizten und so begann ich mich auf Sachbearbeiterstellen zu bewerben. Ich wollte teilnehmen an der Entwicklung, Betreuung von Umfängen etc. Ich durchsuchte die Stellenangebote und bewarb mich dort, wo ich dachte, dass es für mich in Frage käme.

Lange Rede kurzer Sinn, es kam der Tag an dem ein Personaler meine Bewerbung gelesen und für interessant befunden hatte. Kurz darauf bekam ich einen Anruf ob ich denn Zeit für ein Vorstellungsgespräch hätte. „Aber NATÜRLICH“ dachte ich und wir vereinbarten einen Termin. Das Gespräch ist super gelaufen. Meine Ausbildung zum Karosseriebauer war sehr hilfreich, weil ich in dem neuen Job mit dem Rohbau also der Karosserie zu tun habe, und meine Weiterbildung zum Industriemeister Metall war Voraussetzung, dass ich überhaupt in die engere Auswahl gekommen bin. Und das wichtigste ist: man muss es wollen. Der Mensch der einem gegenüber sitzt muss das richtig spüren. Man muss ehrlich sein und sollte die entsprechende Motivation mitbringen – dann klappt es.

Seit dem 01.09.2008 bin ich in meiner neuen Funktion tätig. Ich sitze in meinem Büro in Möhringen und bin im Produktmanagement für die Teiletechnik beschäftigt. Ich betreue alle ausgelaufenen Baureihen weltweit. Die Arbeit macht Spaß, ist hochinteressant und für mich noch wie eine andere Welt – nein Universum ist besser ausgedrückt :-). Ich bin wirklich sehr glücklich und hochzufrieden. Aber eins will ich auch nicht missen: die Erfahrungen und die Freundschaften die ich in der Produktion gemacht habe sind für mich von unschätzbarem Wert.

Mit meiner persönlichen Geschichte wollte ich einfach andere Leute/Kollegen teilhaben lassen an dem, was alles möglich ist. Natürlich spielen viele Faktoren eine große Rolle, aber wenn man nur will und daran glaubt, denn „Glaube versetzt ja bekanntlich Berge“, kann man es schaffen! Ich war Gott sei Dank, zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte die richtige Ausbildung.


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