Meine persönliche Erfolgsgeschichte „beim Daimler“ – Teil II

Teil II:  Achsen, Aggregate und ein Taktproblem

Nun war ich schon ein ganzes Jahr im Rohbau und hatte mich sehr gut eingelebt. Ich kam mit den Kollegen super klar und war auch sonst ganz zufrieden. Doch wie man es aus vielen Hollywoodfilmen kennt: wenn es zulange gut läuft, kommt es schließlich dicke. Die Baureihe 210 der E-Klasse war kurz vor dem Auslaufen und es musste Personal verschoben werden. Die ersten die in so einem Falle natürlich gehen müssen sind diejenigen mit Zeitvertrag. Das ist ja an sich nicht weiter schlimm, aber uns kam zu Ohren, dass wir in die Montage mussten.

Es kam wie es kommen musste: wir wurden wieder verteilt und ich hoffte nun, in einen guten Bereich zu kommen. Ich hatte Glück und wir kamen in den Bau 3/10 Vorderachsaufrüstung. Dort haben wir die kompletten Vorderachsen der E- und C- Klasse montiert.

Die Arbeit war gut, es war keine Bandarbeit in dem Sinne und auch mit den neuen Kollegen bin ich recht schnell warm geworden. Wir waren insgesamt 8 Mitarbeiter mit Zeitvertrag. Da gibt es dann eigentlich nur ein Gesprächsthema: „Bekommen wir einen Festvertrag?“ Das war dann auch das vorherrschende Thema in jeder Pause. Es wurde heftig diskutiert und die Gerüchteküche kochte fast über. Jeden Tag gab es einen der etwas gehört haben wollte, dass… usw. das würde jetzt zu lange dauern alles zu erläutern!!!!! Wie dem auch sei, der Tag an dem mein Vertrag auslief kam unaufhaltsam näher und im Umfeld hatten schon ein paar Zeitarbeitskollegen ihre Festverträge bekommen.

Die Ungewissheit ob man auch einen bekommen würde quälte einen nicht ganz unbeträchtlich. Es war einfach keine schöne Situation, man konnte keine Planungen für die Zukunft machen. Man bekam keinen Kredit bei der Bank als Zeitverträgler usw…

Doch ich möchte es vorwegnehmen auch ich wurde dann vom Glück geküsst, und zwar wurden von denn 8 Zeitarbeitern 2 in Festanstellungen übernommen, einer davon war ich: Ali Ayhan :-) Ich kann meine Freude hier gar nicht beschreiben, als ich den Arbeitsvertrag unterschrieb. Ich hatte es geschafft – ich gehörte jetzt auch zur Stammbelegschaft – der Vergleich mit einem Jackpot im Lotto kam mir gleich. Kurz darauf folgte mein Sommerurlaub und es war ein toller Urlaub mit einem guten Gefühl der Sicherheit, die ganzen Tage, Wochen, Monate der Ungewissheit waren Gott sei Dank vorbei.

Gleich nach dem Urlaub wurde meine Freude allerdings ein bisschen getrübt, denn wir wurden wieder verschoben, getreu dem Motto: die letzten die kommen, sind die ersten die gehen müssen. Und diesmal ging es an ein reinrassiges Band und zwar in die Aggregateaufrüstung.

Das „schöne Leben“ war dann natürlich vorbei. Hier wurde der Taktstock geschwungen und zwar in Form einer großen Uhr, die unaufhaltsam die Sekunden, die man zur Verfügung hatte, auffraß. In den ersten 2 Wochen hatte ich Schwindelgefühle am Mitfahrband, denn es war für mich ungewohnt am Mechrahmen mitzufahren und gleichzeitig zu arbeiten. Mechrahmen wird das Gestell genannt auf dem der komplette Unterbau des Fahrzeugs, sprich Vorder – und Hinterachse, Auspuffanlage, Motor, Gelenkwelle und Tank aufgelegt wird, bevor es mit der Karosserie zusammengefügt wird (Hochzeit). Aber ich lernte dass auch das geht wenn man will! Auch hier gewöhnte ich mich relativ schnell an die Arbeit und an die neuen Kollegen, ich fand viele gute Freunde – mit vielen von Ihnen treffe ich mich heute noch.

Der Urlaub war vorbei, die Euphorie und die Freude über den neuen Vertrag hatte sich mittlerweile auch schon gelegt und in meinem Kopf begann es zu arbeiten. Ich hatte eigentlich erreicht was ich wollte und das war ein Festvertrag bei Daimler. Eigentlich sollte ja alles in Ordnung sein, aber ich war unzufrieden – unzufrieden mit meiner Arbeit. Am Band zu arbeiten ist nicht jedermanns Sache. Du musst nach Takt arbeiten, du kannst nur zur Toilette wenn du vorher eine Ablösung anforderst und das kann je nach Person auch mal sehr lange dauern, so dass die Blase ganz schön auf die Probe gestellt wird. Sagen wir es mal so, im Gegensatz zu nicht taktgebundener Arbeit ist die Freiheit am Band schon sehr eingeschränkt und das war es was mich (als Wassermann der bekannt ist für seine Freiheitslieb) am meisten bedrückte und mich auch zunehmend unzufriedener machte.

Ich beschloss, dass ich was dagegen unternehmen musste. Aber wir sind ja auf keinem Wunschkonzert und ich konnte ja nicht zum Meister gehen und sagen „nimm mich bitte raus aus der Linie“. Also musste es über Weiterbildung gehen. Ich machte einen Termin im Bildungszentrum Sindelfingen aus und ließ mich beraten, was für Optionen mir denn zur Verfügung ständen. Der nette und kompetente Herr schlug mir eine Weiterbildung als Industriemeister oder als Techniker vor. Ich entschloss mich damals für den Industriemeister – wie gesagt mein Hauptantrieb war, ich wollte meine Arbeitssituation verbessern und das war weg vom Band. Mir ging es dabei erstmal überhaupt nicht um Geld oder Karriere.

Fortsetzung folgt


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