Krippenbetreuung unter einem guten Stern – Das Konzept

Dass ein Autobauer Kinderkrippen baut, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Bei genauerer Betrachtung jedoch zieht die Daimler AG Konsequenzen aus der unzureichenden Bildungs- und Betreuungssituation von Kindern unter drei Jahren in Deutschland: Das Unternehmen übernimmt einen Teil gesamtgesellschaftlicher Verantwortung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und bietet seinen Beschäftigten Betreuungsplätze für ihre Kleinkinder. Denn das gegenwärtige Betreuungsdefizit vor allem bei Kindern unter drei Jahren kommt Unternehmen teuer zu stehen:

Sie müssen auf viele hoch qualifizierte Mütter und Väter verzichten, die früher wieder ins Berufsleben zurückkehren möchten, weil sie vergeblich nach einem adäquaten Betreuungsplatz für ihr Kind suchen. Die Folgen: Für die Dauer der Elternzeit muss Ersatzpersonal neu beschafft und eingearbeitet werden. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten, insbesondere:

  • Wiederbeschaffungs- bzw. Fluktuationskosten,
  • Kosten für die Überbrückung der Dauer der Elternzeit,
  • Kosten für die Wiedereingliederung von Rückkehrerinnen und Rückkehrern aus der Elternzeit sowie
  • Kosten für Fehlzeiten.

Das vom Bundesfamilienministerium angekündigte Paket familienpolitischer Reformen, das u. a. die Einrichtung von zusätzlich rund 750 000 Krippenplätzen bis 2013 vorsieht, hilft Eltern, die heute einen Krippenplatz benötigen, recht wenig. Und finden Mütter und Väter mit viel Glück einen Krippenplatz, stehen sie häufig vor dem Problem, dass beispielsweise die Betreuungszeiten nicht mit ihren Arbeitszeiten korrespondieren. Wer betreut das Kind, wenn die Mutter beispielsweise kurzfristig am Spätnachmittag noch ein Meeting leiten muss?

Eine Investition in die Zukunft – mit Vorteilen für alle

Gründe wie diese haben Daimler dazu bewogen, im Oktober 2006 eine bundesweite Bildungs- und Betreuungsoffensive zu starten und zunächst in einem ersten Schritt bis 2009 an 14 großen Daimler-Standorten in Deutschland hochflexible betriebsnahe „sternchen“-Kinderkrippen mit insgesamt ca. 350 Krippenplätzen einzurichten. Der Anspruch: Den Kindern soll ein Bildungs- und Betreuungsangebot auf internationalem Niveau zur Verfügung gestellt werden.

Eröffnung einer Kindergrippe “sternchen” in Berlin

Folgende Wettbewerbsvorteile liegen auf der Hand:

  • die beschäftigten Mütter und Väter motivierter sind und sich dem Unternehmen verbunden fühlen,
  • zu einer kontinuierlicheren Beschäftigung beitragen,
  • die Mütter und Väter sich auf ihre Arbeit konzentrieren können, da sie ihre Kinder gut betreut wissen.

Hinzu kommt, dass weibliches Know-how dem Unternehmen nicht mehr verloren geht, weil hochqualifizierte Mütter im Erziehungsurlaub sind. Auch stärkt das betriebliche Krippenangebot die Position der Daimler AG als attraktiver Arbeitgeber, zumal gut qualifizierte Fachkräfte ihre Entscheidung zu Gunsten eines Arbeitsgebers zunehmend auch von Faktoren wie der Betreuungssituation für ihre Kinder abhängig machen.

Im Mittelpunkt steht das Kind

Unser Krippenkonzept unterscheidet sich u. a. durch folgende Kriterien von anderen betrieblichen Betreuungsmodellen für unter Dreijährige:

  • Das Betreuungsangebot ist hochflexibel und orientiert sich maßgeblich an den Arbeitszeitstrukturen der einzelnen Standorte und am Bedarf der Mitarbeiter.
  • Das Bildungs- und Betreuungskonzept entspricht internationalen Standards und hebt sich deutlich von den bisher implementierten nationalen Lösungen ab.
  • Die Ausstattung der betrieblichen Kinderkrippen übertrifft bisherige Standards.
  • Die Einrichtungen profilieren sich insbesondere mit einer hochwertigen Bildungsqualität.

Das pädagogische Konzept der „sternchen“-Kinderkrippen stellt das Kind in den Mittelpunkt. Deshalb habe wir die Frage nach den Inhalten und Qualitätsstandards vor die Kosten gestellt und besonderen Wert darauf gelegt, dass das Bildungs- und Betreuungsangebot internationalen Standards entspricht. So sind zum Beispiel drei Fachkräfte für acht Kinder zuständig. Dieser Personalschlüssel ist beispielhaft. Das Betreuungsangebot beginnt ab einem Alter von zwei Monaten und endet bei dreieinhalb Jahren.
Um allen Kindern gleiche Zugangschancen zu ermöglichen, orientieren sich die Gebühren am Einkommen der Eltern. Diese Sozialstaffellung der Elterbeiträge nach Einkommen gewährleistet eine ausgewogene soziale Mischung der Kindergruppen. Bei der Zusammensetzung der Kindergruppen wird des Weiteren auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mädchen und Jungen Wert gelegt. Es werden vorrangig Ganztagsplätze belegt, ein so genanntes Platz-Sharing ist ebenfalls möglich, wenn die kommunalen Bestimmungen dies erlauben.
Die Krippen sind mindestens zehn Stunden am Tag geöffnet und maximal elf Tage im Jahr geschlossen. Die Betreuungszeiten orientieren sich an den Arbeitszeiten sowie am individuellen Bedarf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Eltern profitieren davon, dass sie keinem Zeitdruck unterliegen und dass die Krippen direkt vor dem Werkstor liegen.

Das Bildungskonzept der „sternchen“-Kinderkrippen stellt die Bildungs- und Erziehungsqualität in den Vordergrund. Es basiert auf dem in Großbritannien für Kinder unter drei Jahren neu entwickelten Bildungsplan „Birth to three matters“, das die Bertelsmann Stiftung für Deutschland unter dem Titel „Wach, neugierig, klug“ überarbeitet hat. Aufgrund der globalen Ausrichtung des Unternehmens entspricht es neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mit Betonung auf Bi- und Multilingualität sowie Interkulturalität. Betont werden hierbei die Bildungsbereiche Naturwissenschaft und Technik sowie interkulturelle und -religiöse Kompetenz. Ein weiterer Schwerpunkt gilt der gemeinsamen Frühförderung von behinderten und nicht behinderten Kindern.

Zur Umsetzung dieses Programms arbeiten wir mit innovativen Trägern und mit hoch qualifiziertem Personal zusammen. Mit der Einführung dieses Bildungsplans in den „sternchen“-Kinderkrippen leistet die Daimler AG in Deutschland somit Pionierarbeit.

Die Betreuung basiert auf einer guten Beziehung zwischen Erzieherin und Kind, gestützt vor allem auf die gute psychologische und wissenschaftliche Qualität. Alle in den „sternchen“-Kinderkrippen tätigen pädagogischen Fachkräfte sind speziell für die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren ausgebildet und nehmen zusätzlich regelmäßig an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen teil. Ein wichtiger Pfeiler der Bildungs- und Erziehungsqualität ist die Dokumentation der Entwicklung jedes einzelnen Kindes nach neuesten Dokumentationsverfahren.

Ein weiterer Pfeiler ist die Zusammenarbeit mit den Eltern im Sinne einer Erziehungspartnerschaft. Dafür sind Angebote zur Elternberatung oder zur aktiven Mitarbeit von Müttern und Vätern in den Krippen vorgesehen. Sie können sich beispielsweise mit ihren Fragen an kompetente Fachkräfte wenden oder in den Einrichtungen hospitieren, um sich ein Bild über die Betreuung ihres Kindes zu machen.

Ernährung

Der Auswahl an Speisen und Getränken für die Kinder liegt ebenfalls ein modernes Ernährungs- und Hygienekonzept zu Grunde, mit dessen Entwicklung wir das Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) beauftragt hat. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass das angebotene Essen nicht nur den Ernährungs- und Gesundheitszustand der Kinder bestimmt, sondern auch ihre Essgewohnheiten weit über die Krippen-, Kindergarten- und Schulzeit hinaus prägt. Die Speisen werden in den Einrichtungen zubereitet, für die Eltern der Kinder zudem Familienseminare entwickelt und angeboten.

An diese Stelle möchte ich gerne eine Pause machen, um im nächsten Beitrag über den Umsetzungsprozess zu erzählen.

Dr. Ilse Wehrmann, Erzieherin und Sozialpädagogin.


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