Roboter defekt

Als ich die Störmeldung „Roboter fährt nicht mehr“ in unserem Auftragssystem gelesen hatte ich noch keine Vorstellungen von der folgenden Reparatur. Schnell das Werkzeug eingepackt und quer durch das Werk Mettingen zur Produktionshalle für die Aluminium-Hinterachsenträger der E-Klasse.

Als ich vor Ort war, konnte mir mein Kollege aus der Produktion auch gleich einen kleine Fehlerbschreibung geben:
Der Roboterarm fährt zwar, bleibt aber immer wieder stehen. Die Fehlermeldung lautete: „Überstrom an der B-Achse“.

Roboterarm

Meine Überlegung war, dass möglicherweise die Bremse vom Roboter-Motor nicht vollständig öffnet. Eventuell geht auch die Achse B schwer. Das ist übrigens die Handachse. Bei einem Motoman-Roboter werden die Achsen nämlich mit Buchstaben gekennzeichnet. Die Achsen 1-6 heißen SLURBT. Demnach war B die 5. Achse.

Erstmal einen Blick in den Schaltschrank des Roboters werfen, ob nicht vielleicht eine Sicherung durchgebrannt ist, oder eventuell schon ein optischen Fehler angezeigt wird. Dem war nicht so. Der Roboter ging immer wieder auf „Störung“. Daher habe ich zur Sicherheit einen Roboterschlosser angerufen und ihm das Problem geschildert. Er wollte sich das Problem jedoch mit mir zusammen vor Ort anzusehen.

SchaltkastenAls der Schlosser-Kollege bei mir eintraf, hatte er bereits – in weiser Vorsicht – sein Bremsenlösegerät dabei. Damit kann er, wenn der Roboter steht, die Bremsen einzeln lösen, um sie zu bewegen. Nach einigen Minuten war alles angeschlossen und wir konnten die festsitzende B-Achse mechanisch verdrehen.

Da diese leichtgängig war und sehr gleichmäßig lief, konnten wir einen mechanischen Fehler ausschließen. Das hieß also: die Bremse und der Motor sind in Ordnung. Es musste sich demzufolge um ein elektronisches Problem handeln.Somit war der Schlosser erst einmal aus dem Schneider. Da es sich hier um einen Roboter der ersten Generation handelte, konnte ich die entsprechende Endstufe nicht einzeln tauschen. Das geht nur bei neueren Modellen. Daher entschloss ich mich kurzerhand die gesamte Leistungsendstufe im Schaltschrank auszutauschen.

Ich holte mir am Lager eine komplett neue Einheit. Zum Glück war mein Kollege Schlosser noch vor Ort, denn das Aus- und Einbauen war mit hohem Kraftaufwand verbunden. Da die Leistungsendstufe ca. 40 Kilo wog, hob er sie hoch und ich schraubte mit einer dreifach verlängerten Ratsche. Zu allem Übel saßen auch noch die Schrauben sehr tief. Wir haben beide ganz schön geschwitzt und gefl***t bis wir den Einbau fertig hatten. Das nachfolgende Anschließen der elektrischen Leitungen war dagegen ein echter Klacks.

Nun hieß es noch den Roboter einschalten und vom Maschinenführer die programmierten Punkte langsam abfahren zu lassen, damit der Roboter im Automatikbetrieb nicht „Crash fährt“. Aber es ging alles gut. Da war ich sehr erleichtert. Die Produktion lief anschließend wieder reibungslos. Der Fehler war behoben. Bis zum nächsten mal.

Marco Slama, Mitarbeiter der Instandhaltung


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