Mehr Bio in der Daimler-Kantine?

Vor ein paar Wochen führte ich für das Daimler-Blog ein Interview mit Jochen Moosmann, der bei Daimler für zigtausend Essen täglich verantwortlich ist. Als ich dann vor kurzem den Aushang entdeckte, der eine Diskussionsrunde in der Zentrale in Stuttgart-Untertürkheim unter anderem mit Moosmann ankündigte, war ich natürlich sofort neugierig. „Wir sind, was wir essen“, lautete der Titel der Veranstaltung, und neben Moosmann sollte sich auch Matthias Strobl, Geschäftsführer von Bioland in Baden-Württemberg, den Fragen der Daimler-Mitarbeiter stellen. Eingeladen hatte der Arbeitskreis Umwelt, der aus Mitarbeitern von Daimler besteht – und da gutes Essen für fast jedermann ein Grundbedürfnis ist, entspann sich alsbald eine rege Diskussion.

Was sowohl die beiden Herren auf dem Podium als auch die zuschauenden und mitdiskutierenden Daimler-Mitarbeiter besonders bewegte, war die Frage, inwiefern Bio-Produkte noch stärker Einzug in die Daimler-Kantine halten könnten. Die gibt es hier inzwischen schon häufiger als früher, seit eine Qualitätsoffensive gestartet wurde. Soll heißen: Verstärkte Verwendung saisonaler und regionaler Produkte, weitgehender Verzicht auf Geschmacksverstärker sowie Verwendung ausschließlich hochwertiger Fette und Öle.

Soweit, so bio: Doch wie kann Daimler es erreichen, dass 20-30 Prozent der Kantinen-Gerichte – so das Ziel Moosmanns – bald überwiegend aus Bio-Produkten bestehen? Einfach einkaufen und eben etwas mehr Geld dafür verlangen, hätte ich jetzt in meiner Naivität vorgeschlagen. Geht aber nicht so einfach, erfuhr ich: Selbst Bio-Verfechter Strobl musste eingestehen, dass die Bio-Produzenten in der Region Stuttgart nicht genug Produkte liefern können, damit Daimler daraus täglich 20-30 Prozent (also 6000-9000 Essen) von 30.000 Kantinen-Essen für eben diese Region herstellen kann. Und Moosmann betonte weitere Schwierigkeiten: Bio-Karotten ja, aber nicht geraspelt – und so sehe es mit vielen Vorprodukten aus. Bio-Milch ja – aber meist in 1-Liter-Packungen, so dass die Kantinen-Mitarbeiter täglich tausende Packungen aufreißen müssten. Und viele weitere Dinge, von denen der manchmal ja gerne vorschnell nörgelnde Kantinen-Besucher wenig weiß, Moosmann und sein Team aber eine ganze Menge.

Etwas mehr Geld verlangen, hatte ich noch empfohlen. „Die Leute reden anders, als sie handeln“, sprach Moosmann auf dem Podium. Bedeutet, es wird nach wie vor mit dem Geldbeutel abgestimmt und Bio-Produkte werden nur bei gering höherem Preis gekauft. Und dass man bei regionalen Erzeugern einkaufe, bedeute keineswegs geringere Lieferkosten. Oftmals seien gerade die kleineren Produzenten, bei denen Daimler sehr gerne kaufen würde, logistisch nur sehr schwach aufgestellt. Strobl verwies indes immer wieder auf den steigenden Anteil produzierter und konsumierter Bio-Produkte, was die konkreten Daimler-Probleme aber erst einmal nicht löst. Zudem bleibt die Diskrepanz zwischen einem Massenmarkt mit zehntausenden täglichen Daimler-Essen und dem Premium-Anspruch vieler Bio-Produkte bestehen, erfuhr ich.

Was die Zuhörer der Diskussionsrunde wissen wollten: Warum es in der Daimler-Kantine immer noch viele sehr „schwere“ Essen gebe (unterschiedliche Essgewohnheiten, ein Monteur braucht andere Gerichte als eine Bürokraft), ob man halbe Portionen anbieten könne (größere Umstellung, wird aber geprüft).

Wobei gegen Ende der mehr als zweistündigen Veranstaltung der eine oder die andere doch etwas abgelenkt gewesen sein dürfte ob der verlockenden Bio-Häppchen, die als Kostprobe für die Zuhörer bereit gestellt worden waren…


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