INTERVIEW: Genuss ohne schlechtes Gewissen

Interview mit Dr. Ralf Franke (Leiter Gesundheitsmanagement und Arbeitsschutz, Health & Safety) zur Betrieblichen Gesundheitsförderung.

Der Bereich Health & Safety umfasst bei Daimler die Themenfelder Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz, Betriebliche Gesundheitsförderung, Ergonomie und Sozialberatung. Die zugehörigen Konzepte sollen der nachhaltigen Steigerung der Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter dienen.

Dr. Ralf Franke verrät wie Genuss ohne schlechtes Gewissen möglich ist, welchen Sport die Mitarbeiter am liebsten treiben und wie man denn nun richtig am Schreibtisch sitzt.

Daimler-Blog: Herr Dr. Franke, mit dem Slogan „Besser essen – besser leben.“ wurden in den Daimler-Kantinen vor kurzem erstmals Gerichte mit einem Stern versehen, die besonders gesunden Genuss bieten sollen. Sind diese Gerichte wirklich gesünder als die anderen und was macht sie so gesund?

Dr. Ralf FrankeDr. Ralf Franke: Das Konzept passt sehr gut in unsere Hauptfelder der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Die neuen Verpflichtungen und festgelegten Qualitätsstandards gelten künftig für alle Speisen in der Warmverpflegung. Gesunde Küche ist leicht, frisch, saisonal, vitaminreich, kalorienangepasst, besteht aus gesunden pflanzlichen Fetten, komplexen Kohlenhydraten – und: vor allem sollte sie gut schmecken! Bei großer Auswahl kann jeder Mitarbeiter dann bewusst entscheiden und seine Gerichte nach Appetit und individueller Bekömmlichkeit auswählen. Aus medizinischer Sicht begrüßen wir den Verzicht auf Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker, auf die manche Menschen sensibel reagieren. Diese Stoffe täuschen manchmal eine in Wahrheit nicht vorhandene Qualität des Produkts vor. So beweist die neue Strategie: Auch für tausende Menschen lässt sich in Kantinen schmackhaft und gesund kochen.

Daimler-Blog: Leben Leute, die viel Fast Food und wenig Obst und Gemüse essen, generell schlechter als solche, die sich gesund ernähren? Immerhin spielte ja auch die Psyche eine Rolle, die etwa beim Schoko-Konsum wahre Freudensprünge macht…

Dr. Ralf Franke: Fast Food und Convenience Food sind nach der aktuellen ernährungswissenschaftlichen Logik kaum ein Vorwurf zu machen. Sie enthalten alle Nährstoffe, aber die Zubereitung ist eine andere als die, die sich in den letzten Jahrhunderten als optimal für unser Verdauungssystem herausgestellt hat. Die Mischung macht’s: Unter flexibler Verhaltenskontrolle verstehen wir ein entspannteres Verhältnis zum Essen mit Genuss und ohne schlechtes Gewissen.
Essen ist in der Tat etwas sehr emotionales: Geschmack, schönes Ambiente und nette Leute gehören unbedingt zusammen.
Nach jetziger Datenlage gilt ein hoher Obst- und Gemüseverzehr als schützend vor einigen Krebsarten sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z.B. auch Diabetes. Der Verzehr von Obst und Gemüse in Deutschland ist besonders niedrig, weshalb generell ein Ratschlag lautet, davon mehr zu verzehren.

Daimler-Blog: Trotz einigermaßen gesunder Ernährung wird man auf Dauer irgendwie schlaffer, wenn man im Büro oder in Meetings ständig sitzt. Auch einseitige Belastungen bei Maschinenarbeiten sind nicht immer ganz gesund. Mit welchen Angeboten wirkt Daimler dem entgegen?

Dr. Ralf Franke: Unser Angebot in der Betrieblichen Gesundheitsförderung ist genau auf die angesprochenen Umstände ausgerichtet. Dabei geht es nicht nur darum, Trägheit entgegenzuwirken. Natürlich ist jemand, der sich regelmäßig bewegt, eher davor geschützt. Vordergründig wollen wir mit unseren Bewegungsangeboten jedoch körperlichen Beschwerden frühzeitig entgegenwirken. Vor allem Rückenprobleme gehen wir mit gezielten Maßnahmen an. Das beginnt schon in der Planung von Arbeitsplätzen, die von Ergonomie-Experten mitgestaltet werden. Maschinen und Hilfsroboter bsp. werden so konstruiert, dass die Mitarbeiter vor schädlichen Bewegungsabläufen geschützt werden. Auch die Einrichtungen der Büroarbeitsplätze unterliegen ergonomischen Gesichtspunkten.

Daimler-Blog: Differenzieren Sie bei den Angeboten zwischen Produktionsbelastungen und Bürobelastungen?

Dr. Ralf Franke: Ja, zum Teil. Wir haben speziell für Mitarbeiter in der Produktion das Kraftwerk entwickelt. Dies ist ein Rückentrainingsgerät, das entweder stationär oder mobil direkt in den Produktionshallen eingesetzt wird. Hier können die Mitarbeiter in kurzen Trainingseinheiten regelmäßig ihren Rücken stärken. Wir haben damit bereits große Erfolge erzielt, denn Rückenbeschwerden sind bei den Trainierenden zurückgegangen oder erst gar nicht entstanden. Ansonsten sind die Angebote für jeden Mitarbeiter geeignet, egal ob er in der Produktion arbeitet oder im Büro. Wichtig hierbei ist, dass die Maßnahme dem individuellen Bedarf des Mitarbeiters entspricht. Nehmen wir zum Beispiel unsere aktuelle Kampagne „Move & Eat“, die wir zusammen mit der Daimler BKK ins Leben gerufen haben. Hier finden Sie vor allem Mitarbeiter, die etwas gegen ihr Übergewicht unternehmen möchten. Der Bedarf und die Nachfrage war groß, darum haben wir dieses Programm entwickelt, das eine ausgewogene Mischung aus Bewegung und richtiger Ernährung bietet.

Daimler-Blog: Prävention, Therapie, Rehabilitation und Spezialprogramme sind die Ebenen, auf denen sich Daimler um die Gesundheit seiner Mitarbeiter kümmert. Erläutern Sie doch bitte kurz, was man sich darunter vorstellen sollte…

Dr. Ralf Franke: Generell teilen wir unsere Angebote für die unterschiedlichen Zielgruppen in genannten Hauptgruppen. Das heißt, wir haben Maßnahmen für Mitarbeiter ohne Beschwerden (Prävention), für Mitarbeiter mit akuten (Therapie) oder – im schlimmsten Fall -chronischen Beschwerden (Rehabilitation). Spezialprogramme richten sich an bestimmte Gruppen wie zum Beispiel an die Auszubildenden oder an die Mitarbeiter der Werksfeuerwehr, die ganz spezielle Fähigkeiten trainieren.
Für alle Programme gilt es, die Hemmschwelle zum Mitmachen möglichst niedrig zu halten: auf die Nähe zum Arbeitsplatz und auch darauf, dass niemand überfordert wird. Jeder soll individuell und seiner körperlichen Fitness entsprechend trainieren können. Und wir spüren deutlich, dass die Mitarbeiter an allen Standorten einen immer höheren Bedarf haben. Die Nachfrage steigt. Wir merken dies besonders an der steigenden Teilnehmerzahl unserer Gesundheitskurse. Diese finden in der Freizeit statt und werden von den Krankenkassen – allen voran der Daimler BKK – finanziell unterstützt. Ein großer Vorteil gegenüber dem freien Fitness-Markt ist, dass unsere Einrichtungen nah am Arbeitsplatz liegen und ausschließlich von einem geschulten Trainingspersonal geleitet werden. Und nicht zuletzt arbeiten wir eng mit der SG Stern an allen Standorten zusammen, in der bundesweit 33.000 Mitglieder an 60 Standorten in rund 60 Spiel- und Sportarten aktiv sind.

Daimler-Blog: Sport ist nun wahrlich kein Mord. Welche Sportangebote werden von den Daimler-Mitarbeitern besonders gerne angenommen?

Dr. Ralf Franke: Fußball, Fußball und Fußball. In diesen Tagen der EM ja nicht nur aktiv auf dem Sportplatz, sondern hauptsächlich vor dem Fernseher. Aber Spaß beiseite: Fitnesstraining an Geräten, Ausdauersportarten wie Radfahren, Inlineskating und Laufen haben in den letzten Jahren stark zugelegt. Beeindruckend ist die Zahl der Daimler-Mitarbeiter, die diesmal am Stuttgarter Zeitung Lauf in den verschiedenen Wettbewerben teilgenommen haben: über 900! Die anderen Werkstandorte melden ebenfalls steigende Teilnahmezahlen an solchen Veranstaltungen. Wichtig am Sport sind natürlich auch die Geselligkeit und der Teamgedanke. Hier entstehen Netzwerke über Hierarchien und Standorte hinaus. So kann es auch mal der Azubi sein, nach dessen Pfeife alle tanzen müssen. Die Aktivitäten – egal ob in der SG Stern oder bei Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung – verbinden Sport und Gesundheit auf optimale Weise und fördern die Kommunikation unter den Mitarbeitern. Es ist schön, gemeinsam Siege zu feiern und sei es nur das Erreichen einer persönlichen Bestmarke. Auch Niederlagen lassen sich im Team leichter ertragen – im Sport wie auch im Arbeitsalltag.

Daimler-Blog: Was halten Sie von Gymnastik im Büro und derlei Tipps für den Fitness-Kick zwischendurch, wie etwa stündlich kurz den Monitor zu verlassen und zehn Kniebeuge zu machen? Ehrlich gesagt habe ich noch keinen Kollegen gesehen, der das regelmäßig macht…

Dr. Ralf Franke: Ich auch nicht, da haben Sie Recht. Es sieht sicher etwas gewöhnungsbedürftig aus, wenn der Kollege am Schreibtisch gegenüber plötzlich die Beine zum Dehnen auf den Tisch legt. Für Mitarbeiter mit überwiegend sitzenden Tätigkeiten empfiehlt es sich aber, regelmäßig aufzustehen und sich zu bewegen. Zum Beispiel beim Telefonieren oder wenn der Drucker nicht direkt am Arbeitsplatz platziert ist. Es gibt viele Möglichkeiten zur Bewegung zwischendurch, ohne dass es gleich lächerlich wirkt. Wer die Treppe nimmt statt den Aufzug, blamiert sich auf keinen Fall.

Daimler-Blog: Um abschließend weit verbreitete Unklarheiten zu beseitigen: Früher hieß es, man solle aufrecht sitzen, dann wieder leicht gebeugt, heute „dynamisch“? Ja wie denn nun?

Dr. Ralf Franke: Unsere Ergonomie-Experten vor Ort stellen häufig fest, dass die Mitarbeiter ihre Bürostühle nicht optimal auf die eigenen Körpermaße eingestellt haben. Sei es in der Sitzhöhe, im Winkel zum Schreibtisch oder bei der Auflagefläche der Oberschenkel. Die richtige Einstellung des Bürostuhls in Kombination mit der Ausrichtung zu Bildschirm und Telefon ist eine Grundvoraussetzung, dass es nicht zu Verspannungen oder Schädigungen kommt. Und dann gilt tatsächlich: dynamisches Sitzen! Doch wir alle ändern unsere Haltung automatisch. Kein Mensch sitzt den ganzen Tag am Schreibtisch, als hätte er einen Stock verschluckt. Auch hier gilt es, sich während des Sitzens zu bewegen und die Haltung öfter mal zu verändern.


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