Mittwoch Champions League, Donnerstag A-Klasse-Türen

Maschinenbau-Studium, Arbeitserfahrung, Bewerbung als Ingenieur bei Daimler, Assessment-Center und Zusage! Bis hierhin nichts Besonderes, ein Kurz-Lebenslauf wie ihn viele andere, die bei Daimler arbeiten, auch besitzen. Doch war bei mir da zwischenzeitlich noch etwas hinzugekommen.

1986 startete ich, neben vielen anderen Hobbys, die Laufbahn als Fußballschiedsrichter. Die erreichte zur Mitte des Jahres 1998 den Status als Schiedsrichter in der 2. Bundesliga, mit dem unbändigen Drang nach oben.

Alle Fotos: Markus Ulmer

Also war nicht nur ich gefordert, den dreibeinigen Spagat zwischen Familie, Beruf und Hobby zeitlich und organisatorisch unter einen Hut zu bekommen, sondern auch meine bis heute verständnisvollen Vorgesetzten und Kollegen.

Die Entwicklung der A-Klasse im Bereich der Türen macht bis heute auch beim Baureihennachfolger und der B-Klasse noch unheimlich viel Spaß. Da passiert täglich etwas Neues und auch die mir anvertraute Serienbetreuung dieses Bereichs in Zusammenarbeit mit unserem Produktionswerk in Rastatt bringt frische Impulse in die tägliche Arbeit.

Nur, auch die Karriere als Schiedsrichter ging inzwischen weiter, 2002 gelang mir der Aufstieg in die Bundesliga und 2004 wurde ich gar zum FIFA-Schiedsrichter ernannt. Bis 2005 dann noch dreifacher Familienvater von drei wackeren Jungs, das musste alles auch zeitlich unter einen Hut gebracht werden, denn die vielen nationalen wie internationalen Spiele, verbunden mit zeitraubenden An- und Abreisen, gerade international unter der Woche, nagten doch schon ordentlich am Urlaubs- und Gleitzeitkonto.

So ist es eine wunderbare Gelegenheit, dass gerade unser Unternehmen auch die Möglichkeit der Teilzeitbeschäftigung anbietet, welche ich nach Absprache im Familienrat seit ein paar Jahren in Anspruch nehme, um zeitlich einigermaßen allem gerecht zu werden. Aber auch dies funktioniert nur als kleiner Teil im Ganzen, mit Vorgesetzten und Kollegen, die diese Aufgaben mit einem teilen und notfalls einspringen. Auch mal an dieser Stelle meinen herzlichen Dank!

Daimler-Mann Knut Kircher als Schiedsrichter beim diesjährigen Pokalfinale Bayern und Dortmund

Das Tolle an der Schiedsrichterei? Der Umgang mit vielen Problemsituationen, in denen es gilt, schnellstmöglich eine Lösung zu finden, der Umgang mit vielen unterschiedlichen Charakteren auf dem Platz und der Spaß an der gemeinsamen Sache Fußball. Es gibt also durchaus Parallelen zum Berufsleben mit Problemmanagement und dem Umgang mit vielen Kollegen und Themen. So gewinnt man durch die vielen Spieleinsätze bis hin in die Champions League und bei EM- oder WM-Qualifikationsspielen sehr viel Erfahrung, die man sowohl privat wie auch beruflich einbringen kann. Und das Tolle dabei ist, dass dieses Dreigestirn (meine Assistenten und ich) unheimlich viel Spaß macht.

Natürlich steht man im Rampenlicht der Medien, gerade auch bei vermeintlichen Fehlentscheidungen, und die Kollegen diskutieren auch gerne über Fußball und besonders die Entscheidungen der Schiedsrichter – aber das ist ein interessanter Teil des Hobbys. Sich auszutauschen mit anderen bringt einen Stück für Stück weiter.

Ich werde immer wieder gefragt, wieso ich Schiedsrichter geworden bin und warum ich mir dies antun würde. Aus welchen Beweggründen heraus ich es damals wirklich gemacht habe, weiß ich nicht mehr, aber heute ist es eine Art „Sucht“, dabei zu sein in den großen Stadien, mit einer gigantischen Stimmung, gerade in Deutschland mit unseren großen Arenen wie Dortmund, Schalke, München, Hamburg, Berlin oder kleinen Kultstätten wie St. Pauli, Aachen oder Freiburg. Und dass es nach vielen Jahren immer noch Höhepunkte gibt, zeigte in diesem Jahr die Berufung als Schiedsrichter zum Pokalendspiel in Berlin, zwischen Borussia Dortmund und Bayern München.

Nur, was kommt jetzt noch, die Europameisterschaft, die Weltmeisterschaft? Keine Ahnung, auch die Schiedsrichter denken nur noch von Spiel zu Spiel, denn es ist ein Tagesgeschäft geworden. Heute top, morgen schon wieder ein Flop, die Medien machen es möglich, also konzentrieren wir uns auf die kurzen Momente des Glücks und kosten diese aus.

 Daimler-Mitarbeiter und FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher Daimler-Mitarbeiter und FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher

Es macht einfach nur Spaß und dieser soll so lange wie möglich noch anhalten, dieses Kribbeln beim Einlaufen in ein gefülltes Stadion. Aber ein Schiedsrichter ist natürlich auch Fußballfan, so 2006 bei der WM im eigenen Land, als ich mit meiner Frau das Glück hatte, das eine oder andere Spiel live sehen zu können und die Jungs anzufeuern, denen man dann wieder im Bundesligaalltag auf dem Platz begegnet.  Gerade bei solch großen Turnieren freut man sich mit der deutschen Nationalmannschaft über deren Erfolge, ich schaue die Spiele jedoch auch als Schiedsrichter an, um Neues dazu zu lernen, denn es wird auch noch in meinem letzten Spiel als Schiedsrichter geschehen, dass eine neue Situation vorkommt.

Ich drücke allerdings dem deutschen Schiedsrichterteam um Herbert Fandel fest die Daumen, weil ich schon einmal im Kleinen bei der U21-EM-Endrunde in den Niederlanden selbst erleben durfte, was ein solches Turnier bedeutet. Schauen wir mal, wer es bis zuletzt schafft, wichtig ist nur, dass der Fußball als Ganzes dadurch gewinnt.

Aber auch nach der EM geht das Leben für mich immer weiter, wir wollen die A- und B-Klasse ohne Probleme auf der Straße halten und mit dem Nachfolger wieder einen Schritt weiterkommen und auch die eigenen Kinder werden größer.

Das Leben bringt täglich Neues, lassen Sie es uns erleben!


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Er ist Mitarbeiter in der Entwicklung, Rohbau A/B-Klasse, Serienbetreuung Türen und FIFA-Schiedsrichter.

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