Transparente Technik: Die gläserne C-Klasse

„Jetzt kann man endlich mal sehen, wie viel Elektrik in einem modernen Fahrzeug steckt.“ „Ihr könnt echt stolz sein, solch ein Exponat hergestellt zu haben und zu besitzen.“ „So ein Fahrzeug bekommt man in dieser Art echt selten oder gar nicht zu sehen! Sehr interessant!“ „Jetzt weiß man endlich, warum ein Daimler so teuer ist!“ Viele solcher Aussprüche der Begeisterung der IdeenPark-Besucher zur gläsernen C-Klasse haben unsere lange Vorbereitung im Nachhinein belohnt!

Die gläserne C-Klasse

Aber jetzt erstmal der Reihe nach. Ich möchte Euch erzählen, wie es überhaupt zu diesem Projekt gekommen ist. Im September 2007, Anfang des zweiten Lehrjahrs, hat unsere Projektphase, die bis zum Jahresende gehen sollte, begonnen.

Als die Projekte an die Azubis verteilt wurden, wurde 3 Kollegen und mir als Ausbilder für KFZ-Mechatroniker bei Daimler das Projekt „gläsernes Fahrzeug“ zugeteilt. Anfangs hatten wir keine Vorstellung davon, was mit diesem Projekt auf uns zukommt. Bei einem Treffen mit unserem Auftraggeber erklärte uns dieser seine Vision: „Das Ziel ist, einem Laien zu veranschaulichen, wie viel Elektrik in einem modernen Fahrzeug, wie zum Beispiel der C-Klasse in Vollausstattung, steckt. Welche Bauteile werden wo verbaut? Wie sind sie miteinander verbunden? Wie funktionieren sie miteinander?“ Anhand dieser Aufgaben und Informationen machten wir uns an die Arbeit. Zur Verfügung hatten wir eine C 320 CDI mit einem Frontschaden und eine Rohkarosse.

Jetzt bestand unsere Aufgabe darin, alle benötigten Teile aus dem Unfallfahrzeug in die Rohkarosse einzubauen und nicht vorhandene Teile, hauptsächlich Ausschussteile aus der Produktion, zu besorgen. Anfangs machten wir uns daran, das Unfallfahrzeug auszuschlachten. Wir demontierten alle Verkleidungsteile aus dem Innenraum, den Fahrer- und Beifahrersitz, die Rücksitzbank, die Instrumententafel, alle Steuergeräte, den kompletten Kabelbaum, das Fahrwerk und den Motor mit Getriebe. Anschließend wurde der Motor von einem Azubi in seine Einzelteile zerlegt, sandgestrahlt und lackiert.

Die gläserne C-Klasse

Nun kam der schwierigste Part. Wie bringen wir welche Teile am besten an, um der Aufgabe, die Elektrik darzustellen, zu entsprechen. Wir verteilten die zu erledigenden Aufgaben und so war ein Kollege dafür zuständig den Motor zusammenzubauen und verschiedene Bauteile wie den Abgasturbolader, der aufgeschnitten wurde, zu visualisieren.

Ein Azubi war dafür zuständig, verschiedene Elektromotoren zu visualisieren, wie z. B. den Elektromotor des Fondklimalüfters oder der Hydraulikeinheit. Ein weiterer Kollege war dafür zuständig, Aussparungen an der Rohkarosse und den Türen auszusägen, um verschiedene Steuergeräte und die Mechanik der Fensterheber sichtbar zu machen. Der vierte Azubi hatte die Aufgabe, die Instrumententafel einzubauen und verschiedene Bauteile wie z. B. das Kombiinstrument, den Comand-Bildschirm und Airbags mit Haltern zu befestigen. So wurden die Aufgaben nach und nach erledigt und die gläserne C-Klasse nahm langsam Gestalt an.

Zu diesem Zeitpunk erfuhren wir, dass unser Projekt als Exponat auf der Messe IdeenPark verwendet werden sollte. Mit dieser Aussicht entwickelte sich bei uns noch mehr Herzblut für das Fahrzeug und die weiteren Aufgaben wurden mit noch mehr Genauigkeit und Sauberkeit erledigt. Als unsere Projektphase zu Ende war mussten wir uns leider von dem Projekt verabschieden, obwohl es noch nicht vollständig abgeschlossen war. Zwei Azubis hatten nun die Aufgabe das Fahrzeug fertig zu stellten und noch einige Bauteile anzubringen. Sie verliehen dem Fahrzeug den letzten Feinschliff, z. B. durch das Anbringen aufgepolsterter Airbags und das Montieren der Stoßstangen und PARKTRONIK-Sensoren.

Die gläserne C-Klasse

Und dann kann auch schon der IdeenPark. Am Aufbautag verluden wir das gute Stück vorsichtig auf einen Fahrzeugtransporter und ließen es auf der Fahrt zur Messe nicht mehr aus den Augen. Dort angekommen, positionierten wir es mit penibler Genauigkeit an unserem Stand.

Auch die weiteren Exponate der Azubis, wie der Elektronik-Tisch, die Elektronikwand mir einer Beleuchtungsanlage einer S-Klasse, eine C-Klasse mit Auslesegerät und ein Smart für den Reifenwechsel-Contest platzierten wir mit unserem Aufbau-Team aus Ausbildern und Azubis am Stand. Jetzt konnte die Messe beginnen und wir waren sehr gespannt, wie unser Exponat bei den Besuchern ankommen würde. Schließlich standen ein Kollege und ich an der gläsernen C-Klasse vor 42 Steuergeräten, 8 Bussystemen, 372 Stecker und 442 Adern, die 1,5 km lang und 17,2 kg schwer sind und warteten auf die ersten Besucher, um ihnen von unserer geleisteten Arbeit und dem sichtbaren Ergebnis zu erzählen.

Die gläserne C-Klasse, wie auch die anderen Exponate unseres Standes, war über den gesamten Zeitraum der Messe von Besuchern umringt und sehr gut besucht. Alle Besucher, Erwachsene wie Kinder, waren von dem Gesehenen begeistert und überrascht, wie viele Kabel und elektrische Bauteile in einem modernen Fahrzeug verbaut sind.
Dies wurde auch in einigen Reaktionen und Gesprächen deutlich. Eine der größten Anerkennungen bekamen wir von einem Besucher, der selbst eine Firma besitzt, die derartige Exponate herstellt. Er selber war begeistert von der überaus „dezenten und sehr genauen, ins Detail gegangenen Arbeit“. Unsere gläserne C-Klasse sei uns sehr gelungen!

Im Nachhinein können wir sagen, dass es uns sehr viel Spaß gemacht hat, an diesem Projekt zu arbeiten. Wir selber haben bei der Arbeit auch sehr viel gelernt, da uns selbst einige Dinge davor nicht bewusst waren. Des Weiteren hat es uns gefreut, das Ergebnis selbst auf einer derartigen Messe präsentieren zu dürfen und die Reaktionen des Publikums mitzubekommen.

Gerald Dobler, Ausbilder für KFZ-Mechatroniker.


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