Als Azubi eine eigene Firma führen

Meine Ausbildung habe ich am 12. September 2005 bei der Daimler AG in Sindelfingen als Mechatroniker begonnen. Zuvor habe ich das Berufsbild des Mechatronikers mit Hilfe von Praktika und Berufsbeschreibungen der Agentur für Arbeit bis ins Detail erkundet.

In den Medien hört man ja immer wieder, dass die Daimer AG die „Spitzenleute“ vom Arbeitsmarkt holt, daher war mir schon etwas bange bei dem Gedanken, dass ich nun mit vielen „High-Potentials“ zusammen sein werde.

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Umso größer war allerdings meine Freude, als ich eine Zusage für die Ausbildung zum Mechatroniker bei der Daimler AG (damals noch DaimlerChrysler AG) bekam. Im ersten Ausbildungsjahr wurde das Grundlagenwissen in Form von Lehrgängen vermittelt. Jeder Lehrgang dauerte eine oder zwei Wochen, am Ende des Lehrgangs schrieben wir immer einen Kenntnistest über den abgehandelten Lehrgangsstoff. Meine Leistungen waren bei diesen Tests immer sehr erfreulich und so kam es dazu, dass ich bereits im ersten Ausbildungsjahr (Juni 2006) einen eigenen Lehrgang halten durfte. Der Lehrgang handelte von der Drehstromtechnik.

Im zweiten Ausbildungsjahr stand dann das selbstständige Lernen und Arbeiten immer mehr im Vordergrund. Zum Programm des zweiten Ausbildungsjahrs gehört die Dienstleistungsgruppe (DLG). Auch ich war in dieser Dienstleistungsgruppe beschäftigt, bei der wir Aufträge von Seiten des Betriebes oder der Betrieblichen Ausbildung bearbeitet haben. Besonders spannend war für mich der Aspekt, dass wir uns selbstständig Lösungen für die auftretenden Probleme überlegen und diese umsetzen durften. Die Freude über diese Ausbildungsform ist für einen Außenstehenden vielleicht nicht nachvollziehbar, jedoch war dies etwas wirklich Neues für mich. Man musste selbst überlegen, wie man am besten und schnellsten zum Ziel gelangt, bekam nicht alles schon „vorgekaut“ auf den Tisch gelegt, konnte jedoch dafür sehr gut seine eigene Person in die Arbeit einbringen. Das war der entscheidende Punkt, der mir besonders viel Spaß gemacht hat.

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Auch der erste Einsatz im Betrieb, der bereits im zweiten Ausbildungsjahr stattgefunden hat und den ich in der elektrischen Instandhaltung ableistete, förderte meine Selbstständigkeit sehr. Bei den Arbeiten traten Probleme auf, die selbst für die Facharbeiter neu waren und somit mussten wir gemeinsam nach einer Lösung suchen.

Besonders gut fand ich bei meinem Betriebseinsatz, dass auch nach meiner Meinung gefragt wurde und ich somit richtig an der Materie teilhaben konnte. Viele Arbeiten durfte ich auch selbst ausführen, wodurch ich viel Routine in wichtigen Tätigkeiten im Zusammenhang mit elektrischen Steuerungen oder der elektrischen Energieübertragung bekam. Besonders gut während der kompletten Ausbildungszeit fand ich, dass man immer seine eigene Person in das Geschehen einbringen konnte und dies auch gefördert wird. Beispielsweise steht die Möglichkeit immer offen, einen Verbesserungsvorschlag zu schreiben, um so aktiv an der kontinuierlichen Verbesserung der Ausbildung Teil zu haben oder auch andere Sachverhalte zu verbessern.

Die Verbesserungsvorschläge werden in der Betrieblichen Ausbildung sehr gefördert und so habe ich zum Beispiel bei einer Aktion des Verbesserungsmanagement ein Mobiles Navigationsgerät gewonnen. Das eigenständige Arbeiten wird auch besonders in der Auszubildenden-Firma A-tronik gefördert. Diese Azubi-Firma wird von Auszubildenden der Mechatroniker und Elektroniker für Automatisierungstechnik, die sich im dritten Ausbildungsjahr befinden, geführt.

Bei der A-tronik habe ich gelernt, Arbeitsaufträge selbstständig anzunehmen, diese durchzuplanen (auf die Umsetzbarkeit, die Kosten und die Zeit) den Auftrag nach den geforderten Normen auszuführen, die Kosten zu berechnen und das Abschlussgespräch mit dem Kunden zu führen. Die A-tronik muss man sich wie eine eigenständige Firma vorstellen, bei der der Azubi von der Verwaltung, bis zur Übergabe des Projektes alles selbst erledigt und gestaltet. Hierbei habe ich viele Einblicke in mir noch unbekannte Tätigkeiten bekommen und gesehen, wie viel Verwaltungsarbeit selbst bei der kleinen Azubi-Firma A-tronik anfällt.

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Diese A-tronik hat bereits im Juni 2006 einen Entwicklungsauftrag aus der Oberfläche (Lackiererei) erhalten. In diesem Entwicklungsauftrag ging es darum einen Sensor zu entwickeln, der alle in der Lackiererei vorkommenden Flüssigkeiten erkennen sollte.

Er sollte außerdem so beschaffen sein, dass er sich vom elektrostatischen Feld der Lackiererei nicht ablenken lässt, bzw. das elektrostatische Feld der Lackiererei auch selbst nicht ablenkt (denn sonst würde er die Lackiererei beeinflussen). Unter weiteren bekannt gegebenen Anforderungen an den Sensor sollte dieser ebenfalls noch eine explosionssichere Bauweise besitzen. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen den Sensor zu entwickeln habe ich mich dem Auftrag im September 2007 schließlich angenommen und einen Leckagesensor (Flüssigkeitserkennungssensor) entwickelt, den es in dieser Form auf dem Warenmarkt nicht zu kaufen gibt und der zu einem richtigen Highlight wurde. Mit diesem Sensor habe ich nun auch den Landessieg im Fachgebiet Technik bei „Jugend forscht“ errungen.

Mehr zum Landessieg bei „Jugend forscht“, der Entwicklung des Sensors sowie dessen Erfolgskarriere schreibe ich demnächst an dieser Stelle.


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