INTERVIEW: Daimler-Kantine – Schnitzel ist der Renner

Jochen Moosmann, Daimler GastronomieserviceInterview mit Jochen Moosmann, Verantwortlicher für den Gastronomieservice des Bereiches Mercedes-Benz Cars der Daimler AG.

Unter dem Motto „Besser essen – besser leben“ startete der Gastronomieservice von Daimler vor kurzem eine Aktion, bei der manche Kantinen-Essen mit einem Stern versehen wurden. Was es damit auf sich hat, welche Gerichte bei den Mitarbeitern am beliebtesten sind und was zum Thema Essen bei Daimler sonst noch wissenswert erscheint, wollte das Daimler-Blog im Interview von Jochen Moosmann, im Personalbereich der Daimler AG verantwortlich für den Gastronomieservice, wissen.

Daimler-Blog: Herr Moosmann, ich bin ein Suppen-Fan. Ändert sich für mich nach Einführung des „Angebots mit dem Stern“ nun konkret etwas, wenn ich in der Kantine am Standort Stuttgart-Untertürkheim wie jeden Mittag meine Brühe mit Brötchen verzehre?

Jochen Moosmann: Es hat sich in den letzten Wochen und Monaten bereits vieles bei allen unseren Angeboten geändert. Wir führen im Gastronomieservice seit Ende letzten Jahres eine Qualitätsoffensive durch, die seit 5. Mai 2008 unter dem Motto „Besser essen – *“ auch nach außen sichtbar wird und in den nächsten Monaten noch weitere Veränderungen bringt. Kernpunkt dieser Qualitätsoffensive ist, dass sich der Bereich Gastronomieservice zur Einhaltung von Leitlinien verpflichtet hat. Das heißt, wir bürgen für die Einhaltung festgelegter Qualitätsstandards wie zum Beispiel:

  • Unsere Speisen in der Warmverpflegung enthalten keine künstlich zugesetzten Geschmacksverstärker.
  • Wir haben die Anzahl der kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe stark reduziert und reduzieren weiterhin.
  • Wir nutzen in der Zubereitung nur noch Natursalze, frische Kräuter und bereiten alle unsere Speisen ausschließlich mit hochwertigen Fetten und Ölen zu.
  • Wir setzen auf einen hohen Anteil an Frischeprodukten.
  • Wir verarbeiten nur Fische, die im Bestand nicht bedroht sind. Die Herkunft des verwendeten Fleisches ist uns bekannt.
  • Alle unsere Lieferanten sind geprüft und auditiert.
  • Wir bereiten die Speisen zeitnah, Wert erhaltend und – wo die Voraussetzungen gegeben sind – auch vor Ort vor.
  • Zusätzlich bieten wir seit Mai täglich ein spezielles Menü an, das durch einen Stern gekennzeichnet ist.

Daimler-Blog: Kurz und knapp: Was ist anders oder besser an den Speisen, die nun zusätzlich mit einem Stern versehen sind?

Jochen Moosmann:
Täglich sind eine Suppe, eine Hauptspeise, Beilagen und ein Dessert mit Stern versehen.
Bei diesen Speisen kommt noch zusätzlich hinzu, dass wir hier Wert legen auf regionale Produzenten. Wir setzen hier zum Beispiel Fleisch aus regionalen Erzeugergemeinschaften ein. Auch kommen bei all diesen Essenskomponenten BIO-Produkte zum Einsatz.
Diese Essen sind ernährungspsychologisch ausgewogen, das heißt hier sind keine frittierten Hauptkomponenten vorhanden. Höchstmögliche Frische, saisonale und hochwertige Produkte sind hier angesagt. Und das alles natürlich verbunden mit einem hohen Genusswert.

Daimler-Blog: Was hat Sie dazu veranlasst, diese Aktion zu starten?

Jochen Moosmann: Zunächst einmal, wir machen hier keine einmalige Aktion. Diese qualitativen Veränderungen sind auf Dauer angelegt. Wir können durch dieses Angebot dem veränderten Bewusstsein und Verhalten für Ernährung entsprechen und hoffen natürlich auch, noch zusätzliche Kundengruppen für unser Angebot gewinnen zu können.

Daimler-Blog: In welchen Kantinen greift das neue Konzept bereits? Nur an den Stuttgarter Standorten und in Sindelfingen? Was machen zum Beispiel die Bremer?


Jochen Moosmann:
Wir bieten seit 5. Mai an den beiden Standorten Sindelfingen und Stuttgart dieses Angebot an. In Bremen gibt es ein nahezu identisches Angebot unter dem Titel „feel good“.

Daimler-Blog: In den Speisen mit dem Stern sind keine Geschmacksverstärker enthalten? Sind die wirklich so schlimm?

Jochen Moosmannn: Wenn man von Geschmacksverstärkern spricht, ist vor allem Glutamat gemeint. Diese Aminosäure wird derzeit bei fast allen Lebensmitteln künstlich zur Hervorhebung des Eigengeschmacks oder zur Erzeugung eines Geschmackes beigefügt. Glutamat kann in hohen Konzentrationen Nervenzellen schädigen und Allergien auslösen. Glutamat wirkt auch auf das Appetitzentrum im Gehirn und führt dazu, dass ein permanenter Heiß-Hunger entsteht. Es wird hier meistens ein Geschmackserlebnis vorgetäuscht, das so gar nicht vorhanden ist.
Das Salz der Glutaminsäure ist in Lebensmitteln aber auch natürlich vorhanden, zum Beispiel in Tomaten. Wir reden hier immer nur von künstlich erzeugten Stoffen. Wenn wir auf die künstlich erzeugten Stoffe verzichten, wird das eine oder andere Essen am Anfang für uns etwas ungewohnt, vielleicht sogar fad schmecken. Denn unsere Geschmackssinne haben sich über die Jahre hinweg an diese künstlich erzeugten Stoffe gewöhnt.
Zu Ihrer Information, wir lassen sogar unsere Fleischküchle und unsere Maultaschen speziell nach unseren Vorgaben herstellen, da diese Produkte ohne die künstlich erzeugten Geschmacksverstärker am Markt gar nicht mehr erhältlich sind.

Daimler-Blog: Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich weiterhin nur zu den „sternlosen“ Gerichten greife?

Jochen Moosmann: Natürlich nicht. Wie bereits erklärt, gelten unsere Verpflichtungen und die festgelegten Qualitätsstandards für alle unsere Speisen in der Warmverpflegung.
Bei den Gerichten, die besonders gekennzeichnet sind, haben wir jeweils noch ein oder mehrere I-Tüpfelchen darauf gepackt.

Daimler-Blog: Sie betonen, dass Sie stark auf regionale Produkte setzen. Sind die automatisch besser als importierte?

Jochen Moosmann:
Zunächst stehen uns diese Produkte aufgrund der Nähe schneller zur Verfügung und damit bei unverarbeiteter Ware auch frischer. Zudem stärken wir unsere heimischen und regionalen bäuerlichen Betriebe. Bei all der Globalisierung ist gerade auch bei Lebensmittel die Gesamt-Ökobilanz zu betrachten. Der Kosten-Anteil für den Transport an den Gesamtkosten der Lebensmittel ist zwischenzeitlich beachtlich, vor allem durch die hohen Spritpreise.

Daimler-Blog: Welche Rückmeldungen haben sie in den ersten Tagen mit den „Stern-Gerichten“ von den Mitarbeitern bekommen?

Jochen Moosmann: Die Mitarbeiter haben uns in unserem eingeschlagen Weg bestätigt und ermutigt. Die Anzahl der Teilnehmer die sich für die gekennzeichneten Essen entschieden haben, liegt über unseren Erwartungen.Als positiv wurde auch der Anteil von nahezu 40% neuer Gerichte im Sommerspeiseplan bei den Rückmeldungen von unseren Gästen hervorgehoben.

Daimler-Blog: Die Currywurst belegt in den Rankings zum beliebtesten Kantinen-Essen der Deutschen regelmäßig die Pole-Position. Welche Speisen stehen denn bei den Daimler-Mitarbeitern ganz oben in der Gunst?

Jochen Moosmann:
Die Currywurst belegt in unserem Ranking den siebten Platz. An erster Stelle stehen Schnitzel, dann unsere Linsen, gefolgt von Cordon bleu und Maultaschen.
Bei den Beilagen sind Pommes frites der Renner, gefolgt von Spätzle. Es wird aber auch weiterhin die Currywurst geben, die bei uns von einem zertifizierten Fleischlieferanten mit genau festgelegtem Fettanteil kommt. Dabei gilt auch für die Currywurst, wie überall, dass es jeweils auf die Menge und Häufigkeit ankommt.
Jeder Kunde entscheidet für sich, auf was er beim Mittagessen jeweils Lust hat. Ich hoffe aber und bin überzeugt, dass in den oberen Plätzen zukünftig auch Essen mit Sternen auftauchen werden, denn besser essen heißt auch besser leben.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
4.5 / 5 (4 Bewertungen)
Bitte warten...

Tags: , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. „Ballett war nicht so mein Fall“: Kampfsportler aus dem Rohbau

    Sinan Turhan: Viel Erfolg für die Zukunft damit wir weitere Siege von dir Sehen......

  2. Vom Großen bis zum Kleinen: Gelebte Toleranz verbindet

    Wolfgang Knappe: "....Doch inwieweit spielt Daimler als global agierender Konzern eine Rolle?" Meiner...

  3. „Ballett war nicht so mein Fall“: Kampfsportler aus dem Rohbau

    Abdullah Dik: Eine wirklich coole Story... Hochachtung und Bewunderung... Schön, daß er...

  4. Vom Großen bis zum Kleinen: Gelebte Toleranz verbindet

    Lauric Warmdt: Toller Artikel, wichtiges Thema! Danke für die Einblicke.

  5. „Ballett war nicht so mein Fall“: Kampfsportler aus dem Rohbau

    Uwe: Tolle Sache Koray! Ich wünsche Dir einen erfolgreichen Kampf in Stockholm!...