Auf großer Tour mit der Raumfähre – Teil 2

Fortsetzung von Mittwoch: Was mich als Mitglied des Technischen Hilfswerks (THW) Stuttgart besonders freute, war, dass der Chef das Technik Museums Speyer, Hermann Layher, schon bei den vorhergehenden Mega-Transporten das THW Speyer um die Erfüllung verschiedenster Aufgaben gebeten hatte. Zum einen stand das THW bereit, um bei nächtlichen Entladesituationen den Arbeitsplatz auszuleuchten oder mit seinen Booten von Wasserseite aus zu helfen.

Beim BURAN-Transport lieferte das THW-Speyer mit seinem Strom-Generator funktionsfähige Journalistenarbeitsplätze mitten in der Pampa: Die Korrespondenten der Nachrichtenagenturen wie z. B. REUTERS oder ausländische Fernsehteams konnten so ihre Beiträge absetzen.

Später beim Konvoi vom Naturhafen zum Technikmuseum Speyer sperrten die THWler mit Seilen den Gefahrraum rund um den sich bewegenden BURAN-Lindwurm. Denn nichts hätte die fröhliche Raumfähren-Party schneller beendet, als wenn ein Kind unter die schwere Last gekommen wäre. Und so wie Kleinstkinder in unmittelbarer Nähe des BURAN-Transportes später rumwuseln sollten, war die strenge THW-Absperrung auch bitter notwendig.

Actros und BURAN zu Wasser

(Foto by Elserfilm)

Im Naturhafen von Speyer begeisterte nicht nur die BURAN die Besucher, sondern auch zahlreiche Schwerttransport-Fans, die wegen der Actros SLT AS 8×6/4 –Schwerlastzugmaschine und ihrer exotischen Fracht gekommen waren. Denn diese bis für 500 Tonnen Lastzuggesamtgewicht zugelassene Schwerlastzugmaschine ist durch ihr Antriebskonzept ein wahres Unikat in der Schwertransportbranche.

Diese geballte Technik wartete nun darauf, zum Leben erweckt zu werden. Noch vor Sonnenaufgang begann die Crew der Schwerlast-Spedition Kübler, des Schwerlast-Kranunternehmens Scholpp und des Technik Museums Speyer mit den Vorbereitungen für die letzte Phase der BURAN-Reise, diesmal drei Kilometer weit vom Rhein zum Technik-Museum, wo eigens eine neue Halle für den Raumgleiter erbaut worden war. Das Entladen der Raumfähre in Speyer war beeindruckend: Ein riesiger 300-t- Kran hievte die tonnenschweren Flügel des Raumgleiters und dessen Leitwerk in stundenlanger Präzisionsarbeit vom Schiff. „Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe ist das Wichtigste – und ein gefühlvolles Händchen“, meinte Kranführer Jörg Plätzer vom Schwerlast-Spezialisten Scholpp. Zuerst wurden die beiden Tragflächen demontiert und auf zwei Tieflader mit Actros-Zugmaschinen geladen.

Verladung Actros und BURAN

(Foto by Elserfilm)

Zur Tagesmitte startete Frieder Saam seine Mercedes-Benz Actros SLT 8×6/4 Schwerlastzugmaschine und fuhr im Schneckentempo mit 3 km/h den 16-achsigen Scheuerle -Tieflader mit der überdimensional wirkenden Raumfähre die speziell errichtete Rampe auf das feste Land. Dabei wusste er seine lange Erfahrung einzusetzen, denn bei der Entlastung des 195 t schweren Actros-Gespanns hob sich der Ponton stetig und gleichzeitig musste der Kübler-Fahrer eine leichte Kurvenfahrt auf eine kurze Wendeplatte ausführen. Das war nicht so einfach, wie es Frieder Saam und sein Actros-SLT aussehen ließen. Der BURAN-Rumpf mit einem Leergewicht von über 70 t, 36 m Länge und 9 m Höhe und Breite, hat einen extrem hohen Schwerpunkt und damit besteht hohe Kippgefahr bei Neigungs- und gleichzeitiger Kurvenfahrt. Deswegen wird die Querneigung des Tiefladers ständig mit einer elektronischen Wasserwaage überwacht.

Das nächste Kunststück gelang, auf der Wendeplatte – kaum länger als die Zugmaschine selbst – mit den 18 lenkbaren Achsen der Zugmaschine und des Aufliegers den 48 m langen BURAN-Transport zurückzustoßen, ohne Sicht, im 90-Grad-Winkel keine 5 cm an den Rückspiegeln der anderen Kübler-Actros vorbei.

Wie die Reise zu Ende ging und am Ende endlich die Sektkorken knallten, schreibe ich am Montag hier im Blog.

Die ganze Reise in der Foto-Show auf Slideshare.


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