INTERVIEW: Warhol, Automobildesign und ein Traum

Interview mit Dr. Renate Wiehager, Leiterin der Daimler-Kunstsammlung

Nicht jeder weiß, dass die Daimler AG – damals Daimler-Benz Kunstbesitz – schon seit 1977 eine eigene Kunstsammlung hat und zu diesem Zeitpunkt eine der ersten Firmen war, die sich auf dieses Terrain begaben. Knapp 1800 Werke sind heute im Besitz des Unternehmens, darunter auch Arbeiten von Andy Warhol.

Im Interview mit dem Daimler-Blog gibt Dr. Renate Wiehager interessante Einblicke zu Werken, Künstlern, Ausstellungsorten und nicht zuletzt der Frage, welchen Nutzen die Sammlung für einen Autobauer besitzt.

Daimler-Blog: Frau Wiehager, erzählen Sie uns vorneweg bitte kurz, was Ihr persönlicher Hintergrund ist und wie Sie zur Daimler AG kamen.

Dr. Renate Wiehager im Interview mit dem Daimler-Blog

Dr. Renate Wiehager: Ich bin ausgebildete Kunsthistorikerin und seit 2001 bei der Daimler AG als Leiterin der Abteilung Kunstbesitz direkt für die Sammlung des Unternehmens verantwortlich.

Vor Beginn meiner hiesigen Tätigkeit war ich neun Jahre lang in der Villa Merkel in Esslingen am Neckar tätig, wo ich internationale Kunst mit lokalen Positionen verbunden habe.

Unterdessen kam über den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Edzard Reuter sowie meinen Vorgänger Hans Baumgart der Kontakt zur Daimler AG zustande. Dass sich die Kunstsammlung des Unternehmens schon damals auf Museumsniveau befand und ich vor allem Ausstellungen machen wollte – mein Interesse an bürokratischen Aufgaben hält sich nämlich stark in Grenzen – waren entscheidende Gründe für meinen Wechsel.

Daimler-Blog: Bevor wir über die Kunst an sich sprechen, klären Sie uns auf: Wieso besitzt ein Unternehmen, das im Kerngeschäft Autos baut, eine Sammlung mit 1800 Werken?

Dr. Renate Wiehager: Die Intention war es bereits bei der Gründung der Sammlung in den 70er Jahren, die kulturelle Bildung in einem großen Unternehmen zu verankern. Die Firma sollte das widerspiegeln, womit sich die Leute auch in ihrer Freizeit identifizieren: Sport, Musik – und eben auch die Kunst. Ich beschreibe die Sammlung gerne als eine Facette des kulturellen Lebens im Unternehmen.

Daimler-Blog: Geben Sie uns doch einen kleinen Überblick über Werke und Künstler…

Kunstwerke bei der Daimler AGDr. Renate Wiehager: Die Kunstsammlung der Daimler AG besteht zu einem Drittel aus Werken deutscher und zu zwei Dritteln aus Werken internationaler Künstler.

Die Ausrichtung von Gemälden, Skulpturen und Fotokunst liegt dabei vor allem auf abstrakt-konstruktiven, minimalistischen und konzeptuellen Werken. Minimalistisch heißt, dass sich der Künstler auf wenige Formen und Elemente beschränkt, bei der konzeptuellen Kunst ist die dahinter stehende Idee wichtiger als das ausgeführte Werk.

Besonders nah dran am Automobildesign ist die konstruktive Kunst, die stark von konkreten mathematischen Formen ausgeht. Zu den Künstlern: Der bekannteste ist sicherlich Andy Warhol mit seiner „Cars“-Werken. Auch sind Max Bill, Oskar Schlemmer und Silvie Fleury als wichtige Vertreter der Kunst des 20. Jahrhunderts vertreten.

Daimler-Blog: Und wo befinden sich die Kunstwerke?

Dr. Renate Wiehager: Das ist unterschiedlich: So haben wir etwa im „Haus Huth“ in Berlin vier Wechselausstellungen pro Jahr mit insgesamt ca. 300 Werken – dort begrüßen wir neben dem Berliner Publikum auch viele internationale Gäste. Insgesamt kommen jährlich etwa 30.000 Besucher. In der Region Stuttgart befinden sich Skulpturen und Gemälde beispielsweise am Standort Stuttgart-Möhringen. Unsere dritte große Präsenz ist derzeit in Madrid, wo unsere Welttournee aktuell Station macht. Zudem waren wir oft in kleinen deutschen Instituten vertreten – so in Sindelfingen – um den dortigen Mitarbeitern über die Jahre möglichst verschiedene Themen aus der Sammlung zeigen zu können.

Daimler-Blog: Welche speziellen Herausforderungen galt es für Sie zu bewältigen, als Sie von der Villa Merkel zur Daimler AG wechselten?

Dr. Renate Wiehager: Anspruchsvoll war es zunächst vor allem, dass ich nicht mehr ein reines Kunstpublikum ansprechen musste, sondern zu 90 Prozent Laien. Ich sehe uns aber als Dienstleister und das überhaupt nicht als Problem.

Daimler-Blog: Abschluss-Frage: Was würden Sie sich für die Zukunft der Daimler Kunstsammlung wünschen, wenn Sie einfach mal ins Blaue träumen dürften?

Dr. Renate Wiehager (schmunzelt): Mein Traum wäre, unsere Kunst in einem kleinen feinen Haus im unmittelbaren Umfeld des Standorts Untertürkheim zeigen zu können.

Hier gibt es ausgewählte Kunstwerke auf Slideshare.


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