„Pünktlichkeits-Report“ zum Uhrwerk Stuttgart

In Schwaben ticken die Uhren anders. Genauer als anderswo. Sehr viel genauer. Kann man das Wort „genau“ eigentlich steigern? Egal: Als gebürtiger Südhesse, der zurzeit sein Praktikum im Corporate Blog Management der Daimler AG absolviert und bei den Kollegen schlicht als „Blog-Prakti“ bekannt ist, mache ich tagein, tagaus natürlich allerlei kulturelle Beobachtungen – im Konzern und außerhalb. Dass hier in Stuttgart ziemlich flächendeckend die liebliche Mutation des Buchstaben „s“ in ein „sch“ üblich ist, darauf hatte ich mich ja eingestellt.

Immer pünktlich, die Stuttgarter

Auch auf eine gewisse, oft zitierte Sparsamkeit der hiesigen Bevölkerung, die ich bislang allerdings nicht entdeckt habe. Doch eins, was ich bis vor kurzem nicht wusste, hat sich bei mir schon nach den ersten Wochen Aufenthalt als bleibender Eindruck manifestiert: Die Schwaben sind die pünktlichsten Menschen, die ich kenne. Und Stuttgart ist wohl ein einziges, perfekt arbeitendes Uhrwerk.

Endgültig fiel mir das vor einigen Tagen auf, als ich zu einer Präsentation über den Internationalen Auto-Salon in Genf zum Standort Stuttgart-Möhringen fuhr. 90 Minuten lang referierte ein Kollege aus dem Marketingbereich auf äußerst interessante Weise über die Ausblicke der Automobilhersteller in Genf. Er reflektierte die Veranstaltung dabei eher aus Marketing-Sicht, hier im Blog hat das Roland Hunger ja auch schon aus der Technik-Perspektive getan (zum Beitrag 1 / zum Beitrag 2 mit Video). Doch eigentlich wollte ich ja von meinem Trip nach Möhringen erzählen.

Eine Chronik: Mit dem Bus starte ich morgens pünktlich auf die Minute von meiner Wohnung in Esslingen aus gen Stuttgarts Südwesten. Da der Bus exakt zur planmäßigen Zeit am Mettinger Bahnhof ankommt, bleibt mir die andernorts oft übliche Zitterpartie beim Umsteigen in die – auf die Sekunde genau einfahrende – S-Bahn Richtung Herrenberg erspart.

RaVortrag zum Genfer Automobilsalonus in Vaihingen, S-Bahn voll im Plan. Weiter mit der Stadtbahn zur Haltestelle „Landhaus“, Fahrtziel präzise zur vorher online ermittelten Ankunftszeit erreicht. Die restlichen Meter per pedes schaffe ich mit links. Bin da – 55 Minuten vor Vortragsbeginn.

Das hatte mich nun verwirrt: Denn ich hatte automatisch – wie immer, wenn ich mich auf unbekanntem Terrain bewege – zeitlichen Puffer wegen verpasster, ausgefallener oder verspäteter Verkehrsmittel einkalkuliert.

Nicht dass die in Südhessen stets unzuverlässig sind – aber so ganz naiv und minutengenau darf man sich dort nicht auf die Fahrpläne verlassen. Hier schon: Bislang kamen während meines Aufenthalts in Stuttgart und seiner Peripherie – ich schwöre es hoch und heilig – noch kein Bus und keine S-Bahn mehr als zwei lächerliche Minütchen zu spät. 120 Sekunden. 30 Atemzüge. Ein paar Mal blinzeln Zu wenig für eine Zigarette (auch wenn ich nicht rauche).

Zug - just in time

Zurück zum Möhringen-Trip: Die 55 Minuten bis zum Vortrag verbringe ich allein mit einem Kaffee und der SZ. Zehn Minuten vor Vortragsbeginn sitze ich im Auditorium – noch immer allein. „Manchmal kommen mehr als 200 Zuhörer zu unseren Vorträgen“, erzählt mir Dieter Egloff, ein Mitarbeiter des Referenten, dann fünf Minuten vor Vortragsbeginn ganz cool. Ich starre ins Auditorium, in das bis dato acht handgezählte Zuhörer getröpfelt sind. Sieben Minuten später schließt der Vortragende die Tür des Auditoriums und beginnt mit 120 Sekunden Verspätung (da sind sie wieder!) sein Referat – und der Saal ist fast voll! Pünktlich auf die Minute sind kurz zuvor die Daimler-Kollegen eingetreten, zu spät kam niemand.

Den „Pünktlichkeits-Schock“ habe ich inzwischen verdaut und gemerkt, was ich – vor allem bei meiner Arbeit bei Daimler – an dieser fast unglaublichen Zuverlässigkeit von Mensch und Maschine im Schwabenland habe.

Nur einmal muss hier zum Schluss das Wort „spät“ noch fallen: Zu spät zurück vom Vortrag war ich nämlich für das Mittagessen an meinem Einsatz-Standort Zentrale/Untertürkheim, und zwei Minuten vor meiner Ankunft hatte auch der Shop gegenüber meines Büros geschlossen – der öffnet und schließt nämlich auch äußerst pünktlich. Ein Herz und ein Wurstbrötchen für einen hungrigen „Blog-Prakti“ hat sich dann aber doch noch gefunden…


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