StreetUniverCity Berlin

„Studieren wie an der Uni, lernen von der Straße und für das Leben“

Gemeinsam mit meiner Kollegin Iris Barth betreue ich im Team von Michael Averhoff die CSR- und Sponsoringprojekte von Daimler Financial Services. CSR steht für „Corporate Social Responsibiltiy“ was übersetzt so viel heißt wie „gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen”. Also der gute Nachbar sein, und das waren wir im wahrsten Sinne des Wortes, als am Morgen des 21. Juni 2007 rund 150 DFS-Mitarbeiter dem Ruf ins benachbarte Berlin-Kreuzberg folgten.

Kiezkulturzentrum „Naunynritze“

StreetUniverCity BerlinDas Kiezkulturzentrum „Naunynritze“ – im sozialen Brennpunkt Berlin-Kreuzberg gelegen – ist ein ehemaliges Schulgebäude mit täglich 200 bis 400 Besuchern, ein Großteil davon sind Kinder und Jugendliche nichtdeutscher Herkunft zwischen 6 und 20 Jahren. Und sie ist gleichzeitig Heimat für das Projekt „StreetUniverCity Berlin“(SUB).

Einen ganzen Tag lang haben wir dort gewerkelt. In vielen Räumen waren Fußböden auszugleichen, zu grundieren und anschließend mit PVC-Belag auszulegen. Wände wurden verspachtelt und gestrichen. Heizkörper- und rohre bekamen frische Farbe. Kollegen waren in schwindelerregender Höhe auf dem Rollgerüst tätig, um dem Eingangsbereich einen hellen einladenden Anstrich zu geben. Selbst der Aufbau einer Ikea-Küche stand als echte Herausforderung an. Trotz zeitweise strömenden Regens war eine Projektgruppe im Innenhof der „Naunynritze“ zugange. Es wurde geschliffen, gehämmert, gestrichen und gebaut. Neben der Begrünung des Hofes entstand ein Bolzplatz, zwei Lagerhäuser und diverse Fahrradständer wurden aufgestellt und ein Grillplatz mit einer schützenden Pergola errichtet.

Am Ende des Tages waren wir alle ziemlich k.o., die „Naunynritze“ nicht wiederzuerkennen und auch der Grundstein für die „StreetUniverCity Berlin“ gelegt.

StreetUniverCity Berlin

Ja, und damit sind wir bei der „StreetUniverCity Berlin“, der Idee mit der alles begann. Gio di Sera, Multimediakünstler aus Neapel, Erhan Emre, bekannter Film- und Fernsehschauspieler, Martin Kesting, Leiter der „Naunynritze“ und andere Engagierte aus dem Kiez rund um die „Naunynritze“ wollen nicht akzeptieren, dass das kreative und soziale Potenzial junger Menschen mit und ohne Migrationshintergrund kaum genutzt wird. Und sie glauben an die motivierende Kraft der Identifikation mit dem Kiez und Vorbildern (Mentoren) aus dem eigenen Umfeld.

Was das Kreativteam daraufhin entwickelte, ist ein Studienkonzept nach der Devise „Studieren wie an der Uni, lernen von der Straße und für das Leben“. Die SUB ist zwar kein Ersatz für eine Ausbildung, aber sie geht weit über die Jugendarbeit hinaus. Es gibt Workshops, Seminare und Exkursionen in den Bereichen Gesellschaft und politische Bildung, Soziale Kompetenz und Berufsorientierung, Kunst und Sport. Das Angebot reicht von Bewerbungs- und Antikonflikttrainings über Theaterworkshops bis zur Produktion eines eigenen Kurzfilms.

Für die Umsetzung des ambitionierten Studienprogramms wurden starke Partner gesucht. Uns ist bei all unseren Projekten sehr wichtig, nachhaltig zu arbeiten. Nicht nur einmal als der große Gönner auftreten, sondern immer im Blick zu haben, wie wir langfristig dauerhafte Verbesserungen erreichen können. Und so stand es nach dem „Day of Caring“ für uns außer Frage, das Seminarprogramm der SUB aktiv mit zu gestalten.

Die Seminare

Mit unserem Know-how als Finanzdienstleister und der Unterstützung eines externen Trainers entstand der maßgeschneiderte Workshop „Kompass“, der in das Seminarprogramm der SUB integriert wurde. Bestehend aus den drei Modulen „Lebenskompass“, „Money, Money“ und „Traumauto I/II“ hatte er die Schwerpunkte Teamarbeit, Sensibilität im Umgang mit Geld und Entwickeln von (Geschäfts)-Ideen.

Gestartet wurde an einem Wochenende im September mit dem 3-tägigen „Lebenskompass“. Sich selbst einschätzen, seinen Platz im Team finden und gemeinsam Projekte und Geschäftsideen entwickeln stand auf der Tagesordnung. In den Gruppenarbeiten und Rollenspielen ging es neben der eigentlichen Thematik darum, Ziele, Lösungen und Kompromisse zu finden, gemeinsam an etwas zu arbeiten und andere für bestimmte Ideen zu motivieren und einzusetzen. Die Jugendlichen waren dabei unheimlich kreativ.

Seminar “Lebenskompass”

Im Raum 209 unseres Headquarters am Potsdamer Platz, wo sonst wichtige Business Meetings stattfinden, saßen dann 4 Wochen später rund 15 junge Männer und Frauen im Kreis, viele mit Migrationshintergrund, alle zwischen 14 und 24 Jahre alt, manche mit abgebrochener Hauptschule , andere mit 1,3-er Abi.

Im Modul „Money, Money“ diskutierten sie darüber, wie viel Geld sie für Essen, Fahrkarten, Zigaretten und Miete ausgeben. Es wurden Modelle erarbeitet, verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, um nicht in die Schuldenfalle zu geraten. In dem Modul „Traumauto1 + 2“ lernten die Studenten weitere Daimler-Standorte in Berlin kennen. In der Mercedes-Benz Niederlassung in Kreuzberg gab es einen Crashkurs im Umgang mit Krediten und Finanzierungen und im interaktiven Teil mussten die Teilnehmer in fiktiven Verkaufsgesprächen ihr Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen.

Den Abschluss des Workshops bildete eine Exkursion ins Mercedes-Benz Werk Berlin-Marienfelde. Dort konnten sich die Jugendlichen bei den Azubis – sozusagen auf Augenhöhe – über Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten bei Daimler informieren und miterleben, wie ein Motor entsteht.

Seminar “Money, Money”Es war für beide Seiten eine überaus spannende Zeit. Bei allen Modulen waren unsere Mitarbeiter aus den Personal-, Vertriebs-, Controlling und Marketingbereichen als Co-Moderatoren engagiert und oft auch in ihrer Freizeit im Einsatz, was bei den Jugendlichen super ankam.

Mit den „Daimler-Leuten“ über Alltagsprobleme zu reden und zu erfahren, dass es auch dort Biografien gibt, die nicht den geraden Weg genommen haben, war für viele der Jugendlichen eine wichtige Erkenntnis. Mitgenommen haben sie auf jeden Fall, dass man realistische Ziele braucht und dass ohne Bildung nichts läuft. Aber auch wir haben über unseren üblichen Tellerrand hinaus neue Perspektiven entdeckt und konnten so einiges lernen. Die Jugendlichen haben trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Lebensbedingungen als Gruppe gut funktioniert und sind äußerst wertschätzend und rücksichtsvoll miteinander umgegangen.

Projektabschluss und -fortführung

Zum Abschluss des ersten Semesters nahmen 18 Absolventen am 12. Dezember 2007 ihre „Streetmaster-Zertifikate“ stolz entgegen. Die Zertifikate sind zwar kein Garant für eine gute Ausbildungsstelle, doch können sie in der Bewerbungsmappe sehr wohl helfen, dem potenziellen Arbeitgeber einen Eindruck von der Motivation und den sozialen und kreativen Fähigkeiten des Bewerbers zu vermitteln.

Der Kontakt geht weiter. Mit einigen Teilnehmern stehen unsere Kollegen im Email-Kontakt, ein junger Mann hat sich entschlossen, wieder zur Schule zugehen. Eine Gruppe hat uns um Unterstützung bei der Aufstellung eines fundierten Business Plans gebeten. Viele vom Erstsemester sind als Multiplikatoren für das kommende Studienjahr im Kiez unterwegs und natürlich sind auch wir 2008 wieder aktiv dabei, wenn die „StreetUniverCity Berlin“ im Frühsommer in die nächste Runde geht.


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