Eine Maschine geht auf Reisen

Diesmal schreibe ich nicht über das Mercedes-Benz Museum, sondern über meine hauptamtliche Tätigkeit als Mitarbeiter der Instandhaltung im Werksteil Mettingen.

Als die Bremsbackenschweißmaschine von der Fa. Burger endgültig abgebaut worden war, glaubte ich nicht mehr daran sie jemals wieder zu sehen. Denn sie wurde nach Slowenien geliefert. In die Stadt Maribor zur dort ansässigen Fa. STARKOM, einem Gemeinschaftsunternehmen der Daimler AG und UNIOR.

Maribor, Slowenien

Aber meistens kommt es anders als man denkt. Denn schon kurze Zeit später sprach mich mein Meister darauf an ich sollte mit einigen Kollegen runterfahren und die Maschine, nachdem sie wieder aufgestellt worden sei, wieder in Betrieb nehmen. Ich überlegte eigentlich nicht lange, und sagte schon wenige Tage später zu.

Bereits vor der Abreise musste ich viele Vorbereitungen treffen. Denn ich wusste absolut nicht was mich erwarten würde. Hier in Esslingen Mettingen kann ich jederzeit auf ein großes Ersatzteillager zurückgreifen, aber dort?! Da schon andere Maschinen von uns in Slowenien waren konnten mir die Kollegen die schon unten waren wichtige Informationen geben. Somit war ich dann in der Lage meinen großen Werkzeugkoffer zu packen. Ich nahm wirklich jedes erdenkliche Ersatzteil mit, das ich meinte es könne kaputt gehen. Und das war bei weitem nicht wenig. Zumindest war der Transporter gut gefüllt.
Als ich dort ankam, lag Schnee. Und in dem Gebiet, wo wir uns befanden gab es keine Heizung. Eines der Dinge die ich vergessen hatte war der Wintermantel.

STARKOMZu meiner Überraschung lief die Maschine bereits. Hatte aber noch etliche Produktionsprobleme wie sich später erst herausstellen sollte. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn alles auf Anhieb funktioniert hätte. Da die Maschine ohne Computer nicht mehr auskommt, machten sich dort erste Probleme bemerkbar. Zwar waren die Antriebe alle auf Bereitschaft, konnten aber vom Diagnose-Rechner nicht erkannt werden. Da sich die Fehlersuche an dieser Maschine noch nie einfach gestaltet hatte, war die Sache immer etwas schwieriger. Erst nachdem alle Kabelverbindungen zu den Antrieben überprüft wurden, ist mir aufgefallen das ein Stecker falsch aufgesteckt worden war. Als dieser richtig angebracht worden war, wurden alle Antriebe auf Anhieb erkannt.

Nein, das sollte noch nicht das Ende sein. Jetzt ging es erst richtig los. Wir konnten ja immer nur nach und nach die Funktionen testen. Erst abgerissene Steckern, die improvisiert werden mussten. Dann die Pressluft die nicht konstant blieb und zum Schluss die Kälte die der Maschine zu schaffen machte. Das Hydrauliköl kam nicht auf Temperatur, was sich wieder auf die Beweglichkeit der Zylinder auswirkte.

Aber alle diese kleinen Probleme waren nichts gegen das was nun kam: Als die Maschine nun ein paar Tage lief, schaltet sie immer wieder sporadisch von selbst ab. Bis ich darauf kam dass das Kühlwasser der Punktschweißzangen zu heiß wurde. Sollte eigentlich nicht sein, weil ein riesiges Kühlaggregat daneben stand. Das Wasser sollte nicht heißer als 23°C werden. Jetzt wäre ein Mitarbeiter aus der Klimatechnik nicht schlecht gewesen, aber es gab niemanden. Nach intensiver Suche stellte sich dann endlich heraus, dass der Kühlkreislauf überhaupt gar kein Kühlmittel enthielt. Dies hatte sofortigen Produktionstop zur Folge. Sonst wären die Punktzangen verglüht. Ich weiß nicht mehr wie lange es dauerte, bis jemand gefunden wurde der diese Anlage befüllen konnte.

Da kam schon das nächste Problem: Die Flüssigkeit wollte nicht aus den Flaschen in den Kreislauf hineinfliesen. Das Rätsel war schnell gelöst. In der Halle war es immer noch zu kalt, also auch den Gasflaschen. Was zur Folge hatte dass das Gas in den Flaschen nicht fliesen konnte. Nun kam die Frage was machen? Also diesmal war es nicht meine Idee, muss ich dazu sagen. Aber wir haben dann einfach einen Bautrockner auf die Gasflaschen gerichtet, so dass sich diese erwärmten und das Gas wieder fliesen konnte. Als der Kühlkreis wieder gefüllt war, konnte ein Funktionstest durchgeführt werden. Dieser endete natürlich positiv.

Als ich nach zwei Wochen wieder die Heimreise antrat, konnte ich mit guten Gewissen von mir und meinen Kollegen sagen, dass wir einen perfekten Job abgeliefert hatten. Denn die Maschine lief dann schon mit nahezu voller Leistung. Die Kleinigkeiten die noch durchzuführen waren, bezogen sich alleine noch auf die Prozessoptimierung. Eine Reise ist Maribor auf jeden Fall immer wert, auch ohne Wintermantel ;-)


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